Beim Thema Corona-Pandemie hat der Kreis Heidenheim etwas von dem berühmten gallischen Dorf. Fast überall steigen die Infektionszahlen stark an, nur zwischen Dischingen und Gerstetten hält sich dieser Zuwachs in Grenzen und damit glücklicherweise noch weit entfernt von kritischen Werten wie in Stuttgart oder Esslingen. Experten sehen zumindest einen Grund dafür in der ländlichen Struktur des Kreises. Frei nach dem Motto: Wo sich nur wenige Menschen begegnen, hat es das Virus schwer, sich zu verbreiten.

Trotz dieser positiven Zahlen gewinnen allerdings auch in unserer Region die Auseinsetzungen zwischen Befürwortern und Gegnern von Corona-Maßnahmen an Schärfe. Das Spektrum reicht von Panikmache bis zur Verharmlosung. Das eine schürt Ängste, das andere befördert Leichtsinn. Beides ist aber verantwortungslos.

Um es ganz klar zu sagen, es besteht kein Grund zur Panik. Die Wissenschaft weiß zwar längst noch nicht alles über das Virus, aber mittlerweile deutlich mehr als vor dem „Lockdown“ im Frühjahr. Das wird uns helfen, die Pandemie in der jetzt kommenden schwierigen Winterzeit gezielter zu bekämpfen und zugleich das öffentliche Leben und die Wirtschaft aufrechtzuerhalten. Gleichzeitig ist immer noch die Mehrheit der Menschen bereit, die von der Politik beschlossenen Maßnahmen mitzutragen. Sie müssen allerdings als gerecht und sinnvoll empfunden werden. Das gilt beispielsweise beim Untersagen von Großveranstaltungen. Denn jede Zusammenkunft von vielen Menschen auf engem Raum ist ein Risiko, das man nur eingehen sollte, wenn es wirklich nötig ist.

Sinnvolle Einschränkungen?

Die Diskussion um das umstrittene Beherbergungsverbot für Bewohner deutscher Risikogebiete zeigt dagegen, was mit Vorschriften passiert, die viele als unsinnig und ungerecht empfinden. Sie können bewirken, dass andere zielführende Regeln nicht mehr ernst genommen werden und die Gegner der aktuellen Corona-Maßnahmen dadurch verstärkten Zulauf erhalten. Allein in Heidenheim waren die in dieser Woche mit zwei Veranstaltungen präsent, um unter anderem gegen die Maskenpflicht zu demonstrieren.

Dabei lässt sich gerade erleben, welch große Defizite die Streitkultur zurzeit in Deutschland hat. Die Corona-Maßnahmen polarisieren die Mitte der Gesellschaft. Viele wollen nur noch das lesen, hören, sehen und akzeptieren, was ihrer Sicht der Dinge entspricht. Fakten, die dem zuwiderlaufen, werden dabei gern ausgeblendet.

Dazu gehört, dass niemand, der sich auch nur ansatzweise mit diesem Virus befasst, es auf die leichte Schulter nehmen kann. Auch wenn das Risiko, als jüngerer Mensch an Corona zu sterben, hierzulande aktuell sehr gering ist, wissen wir mittlerweile, dass selbst Erwachsene in guter körperlicher Verfassung nach einer Erkrankung lange brauchen können, bis sie wieder voll leistungsfähig sind. Covid-19 ist eben nicht nur eine Lungenkrankheit; verschiedene Spätfolgen sind kaum abschätzbar.

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Kreis Heidenheim

Die gute Nachricht ist jedoch: Die Ansteckung mit Corona ist kein Schicksal, man kann sich dagegen halbwegs sicher schützen. Das Tragen der Maske gilt als unerlässliche Abwehrmaßnahme. Umso unverständlicher ist es, dass bei uns jene, die das Tragen der Maske verweigern, bislang kaum bestraft werden. In anderen europäischen Ländern werden dafür Geldstrafen von bis zu 1000 Euro fällig, in Deutschland gibt es dagegen noch Bundesländer, die sich weigern diese Verstöße überhaupt finanziell zu sanktionieren.

Mehr Konsequenz

Wir brauchen deshalb mehr Konsequenz bei der Durchsetzung der Regeln. Zudem muss weiterhin transparent über den Verlauf der Pandemie informiert werden. Nur so lässt sich das Vertrauen der Menschen in das Handeln des Staates auch für die kommenden Monate sichern. Gleichzeitig müssen die Bedenken der Maßnahmen-Gegner ernst genommen werden. Einschränkungen unserer Freiheit sollten immer im Parlament diskutiert und möglichst befristet verabschiedet werden.

Ehrlicherweise kann niemand genau vorhersagen, wie schnell sich das Virus im Winter verbreiten wird. Wenn aber alle verantwortungsbewusst miteinander umgehen, dann bleibt der Kreis Heidenheim hoffentlich noch lange ein gallisches Dorf, das der Corona-Pandemie trotzt.