Als Bundesgesundheitsminister Jens Spahn Anfang April den Pflegekräften, die an vorderster Front in der Corona-Bekämpfung standen, einen finanziellen Bonus zusagte, war die Welt noch in Ordnung. Von einer Differenzierung nach Altenpflege und Krankenhauspflege sprach damals niemand. Stattdessen klatschten die Menschen auch in der Region auf den Balkonen für die Pflegekräfte, die sich um die Corona-Kranken kümmerten.

Doch inzwischen zeigt sich einmal mehr, politische Versprechen zu geben, ist einfacher als sie dann auch einzulösen. Denn sehr schnell war klar, dass der Bund nur den Altenpflegern zügig einen Bonus ermöglichen konnte. Pflegekräfte in den Krankenhäusern wie auf dem Heidenheimer Schlossberg gingen zunächst leer aus. Entsprechend verärgert reagierten sie dann auf die Lobeshymnen der Landes- und Bundespolitik.

Symbolischer Betrag

Im September konnte zumindest für das Klinikum Heidenheim eine Lösung gefunden werden. 150 Euro erhielten alle Klinikbeschäftigten mit dem letzten Gehalt als Anerkennung für ihren großen Einsatz in der Coronazeit. Das ist zwar nur ein Zehntel der Summe, die der Bund den Altenpflegern zukommen ließ, allerdings ist schon dieser eher symbolische Betrag eine große Herausforderung für das Krankenhaus, denn es muss ihn ohne Zuschuss allein tragen.

Bei der Anzahl der Beschäftigten weiß die neue Klinikleitung, dass sie dafür einen sechsstelligen Betrag aufbringen muss, der nicht im Jahresbudget vorgesehen ist. Angesichts der hohen Verluste im vergangenen Jahr und des erwarteten Minus von fünf Millionen Euro in diesem Jahr ist es den zuständigen Gremien hoch anzurechnen, dass sie der Auszahlung trotzdem zugestimmt haben. Einmal mehr stellt sich aber die Frage, warum das Land auch die Sonderzahlung nicht als seinen Verantwortungsbereich wahrzunehmen scheint.

Land beteiligt sich nicht

Bayern hatte beispielsweise schon früh die Zahlung von 500 Euro an Krankenpfleger beschlossen, doch in Stuttgart beteiligte sich das Gesundheitsministerium nicht an dieser Initiative mehrerer Bundesländer. Doch jetzt können die Klinikbeschäftigten auf dem Schlossberg zumindest wieder auf den Bund hoffen, denn einige von ihnen könnten schon bald in den Genuss einer weiteren steuerfreien Prämie kommen.

Allerdings wird auch dieser Bonus für böses Blut sorgen, weil er nur an Krankenhäuser fließen soll, die tatsächlich eine gewisse Zahl an Covid-19-Patienten versorgt haben. Zumindest dieses Kriterium erfüllt das Heidenheimer Klinikum nach eigener Ansicht. Berechtigterweise soll mit der Prämie der Arbeitseinsatz in der ersten Hochphase der Pandemie gewürdigt werden, als die Fallzahlen durch die Decke gingen, nur wenig über das Virus bekannt und Schutzkleidung oft Mangelware war. In der Konsequenz steckten sich allein bis zum Sommer deutschlandweit mehr als 14 000 Klinik-Mitarbeiter mit Covid-19 an. Das ist immer noch mehr als in der Fleischindustrie, trotz der dort immer wieder aufflammenden größeren Ausbrüche.

Dennoch werden am Ende wieder viele Klinikmitarbeiter enttäuscht sein, denn die in der Woche beschlossene Prämie richtet sich nur an Personal, das sich dauerhaft um Patienten auf der Corona-Station gekümmert hat. Zudem lassen die Regeln gelinde gesagt viel Raum für Interpretationen.

Dennoch sind die vom Klinikum und Bund gefundenen Lösungen für die Beschäftigten besser als gar keine Lösung. Aber ehrlicherweise gehört bei einer Einschätzung auch dazu, dass die Regelungen erst sehr spät kamen und alles andere als großzügig sind.

Corona-Bonus im Klinikum Heidenheim Pro Mitarbeiter wurden 150 Euro ausbezahlt

Heidenheim