Heidenheim / Manuela Wolf Lachen, tanzen, schlemmen: Die Frauenselbsthilfe nach Krebs zeigte sich auf dem Schlossberg bei der Feier zu ihrem 40-jährigen Bestehen gewohnt lebensfroh.

Herzen stehen für eine enge Verbundenheit zwischen Menschen. Bei der Frauenselbsthilfe nach Krebs symbolisieren die mit viele Liebe genähten Seelenwärmer, die bei der 40-Jahr-Feier am vergangenen Freitag reichlich an die Gäste verschenkt wurden, zudem eine Lebenseinstellung.

„Mutig, bunt, aktiv“ lautet das Motto der rührigen Gruppe. Raus aus der Schockstarre, Seite an Seite zurück ins Leben. Das Jahresprogramm ist deshalb angefüllt mit unterschiedlichsten Angeboten. Wassergymnastik. Abendtreff. Wandern. Kunsttherapie. Vorträge von Gesundheitsexperten und Sozialberatern. Modenschau. Sorgentelefon. Im Mittelpunkt stehen persönliche Gespräche. „Wir betrachten es als unsere Aufgabe, Angst zu nehmen und Hoffnung zu vermitteln“, sagte die Leiterin Susanne Mandl bei ihrer Ansprache.

Frauen wurden Expertinnen

Auch im Jahr 1979, als sich nach Mannheimer Vorbild im Landkreis Heidenheim eine Selbsthilfegruppe für an Krebs erkrankte Frauen (FSH) zusammenfand, stand dieses Ziel im Mittelpunkt. Inzwischen sind viele weitere Aufgaben dazu gekommen. Das Organisationsteam sieht sich in der Pflicht, das Tabu-Thema Krebs von allen Seiten anzugehen. So gibt es unter den Frauen beispielsweise Experten, die sich mit Behördengängen, Krankengeld oder Wiedereingliederung ins Berufsleben bestens auskennen. Andere informieren sich über neue Operationsmethoden.

Auch der Austausch mit den Ärzten am Klinikum Heidenheim und die Betreuung von Krebskranken in stationärer Behandlung nimmt viel Zeit in Anspruch. Die Frauenselbsthilfe ist dort Kooperationspartner und fungiert als Bindeglied zwischen Klinikum und Patienten. Im Mamma-Café beispielsweise, das monatlich stattfindet und inzwischen ein festes Angebot im Brustzentrum Heidenheim ist, finden aktuell und ehemalig Betroffene stets ein offenes Ohr.

Netzwerk ist entstanden

Über die Jahre hat sich die FSH ein regionales Netzwerk aufgebaut und steht im herzlichen, aber auch streitbaren Kontakt mit Ärzten, Institutionen und Verantwortlichen aus dem Gesundheitswesen. Häufig ist die geballte Erfahrung dieser Gruppe gefragt. Patienten werden an sie verwiesen, Teilnehmer werden um ihre Meinung zu Abläufen oder Sachverhalten gefragt.

AOK stellt Domizil zur Verfügung

In den Gründungsjahren sei das noch anders gewesen, erinnerte sich Josef Bühler, Geschäftsführer der AOK Ostwürttemberg, in seinem Grußwort. Seit mehr als 30 Jahren bestehe eine Partnerschaft mit der Heidenheimer Selbsthilfegruppe. In den Räumen der Geschäftsstelle an der Daimlerstraße habe die FNH für ihre Veranstaltungen ein Zuhause gefunden. Bühler: „In den Anfängen war Selbsthilfe Pionierarbeit und wurde zwischen Therapie und Nachsorge als störend empfunden. Inzwischen hat sie sich in der Gesellschaft Gehör und Akzeptanz verschafft.“

Herzliche Grußworte

Sieben weitere Gäste sprachen einen Gruß aus. So gratulierte Ulrika Gebhardt vom Krebsverband Baden-Württemberg zum Jubiläum: „Menschen, die an Krebs erkrankt sind, brauchen vor allem Menschen, die sie mit Herz und Kompetenz begleiten. Beides findet man in Heidenheim bei der Frauenselbsthilfe nach Krebs.“

Selbst Landrat Thomas Rheinhardt ließ in Vertretung aus dem Krankenstand heraus seine höchste Anerkennung überbringen: „Die Diagnose Krebs reißt Betroffene und deren Familien aus dem Alltag, denn sie bedeutet im ersten Moment Tod. Die Frauenselbsthilfe nach Krebs bietet Beistand, Rückhalt und Unterstützung und zeigt, dass das Leben nach und auch mit Krebs lebenswert ist.“

Dr. Carina Paschold vom Klinikum für Frauenheilkunde und Geburtshilfe Heidenheim schließlich ermutigte alle Ehrenamtlichen, die Arbeit nicht an den Rand der Gesellschaft zu stellen. Die Zahl der Krebserkrankungen nehme zu, die Zahl der Langzeitüberlebenden ebenfalls. Das Modell Selbsthilfe gewinne zwangsläufig an Bedeutung und sei der Maßstab für ein gutes Miteinander in Gesellschaft.

Geballte Lebensfreude brachten an diesem Abend die „Corryfeen“ in den Sparkassen-Business-Club in der Voith-Arena. Mit ihren Gospels und Spirituals begeisterten sie nicht nur die 150 geladenen Gäste, sondern auch Heidenheims Bürgermeisterin Simone Maiwald. Der Abend habe mit viel guter Atmosphäre und Frauenpower begonnen, sagte sie.

Genau dafür stehe die Frauenselbsthilfe nach Krebs: „Jeder kämpft auf seine eigene Art und Weise. In ihrer Gruppe können die Betroffenen gemeinsam lernen, einen Weg zu finden hin zur Sinnhaftigkeit. Ich wünsche ihnen, dass es ihnen gelingt, stets ein Stückchen blauen Himmel über ihrem Leben freizuhalten.“

Susanne Mandl als treibende Kraft

Mehrfach im Mittelpunkt standen beim Festakt Susanne Mandl und ihr Gatte Christian. In zahllosen ehrenamtlichen Stunden kümmert sich die beiden um die vielen Belange der Selbsthilfegruppe. Susanne Mandl hat seit 2015 die Leitung inne. Außerdem ist sie stellvertretende Vorsitzende der Frauenselbsthilfe nach Krebs im Landesverband Baden-Württemberg. Dr. Mathias Müller, Onkologe und Palliativmediziner am Klinikum Heidenheim: „Ich verbinde mit dir, liebe Suse, Mut und Tatkraft. Euch gelingt es, das Thema Krebs zu entmystifizieren und aus der Erstarrung heraus aktiv zu werden. Dafür wünsche ich Euch weiterhin alles Gute.“

Mittwochs wird gemalt

Die Frauenselbshilfe nach Krebs Heidenheim bietet einige regelmäßige Treffen an. So heißt es jeden ersten Mittoch im Monat "Aktiv um zwei" (Gesundheitszentrum der AOK an der Daimlerstraße , 14 Uhr).

Der Abendtreff für Krebskranke und Angehöige findet jeden dritten Mittwoch im Monat statt und beginnt um 17.30 Uhr. An jedem vierten Mittwoch im Monat öffnet das Mitmach-Atelier ab 17.30 Uhr seine Türen.

Alle Informationen zu allen Kursen und Veranstaltungen finden sich im Internet unter www.frauenselbsthilfe.de