Seit 1986 besteht zwischen dem Heidenheimer Werkgymnasium (WeG), dem Schulverbund im Heckental (damals ASR) und der St. Teresas Highschool in Bhalukapara eine Schulpartnerschaft. Um die Partnerschule in Bangladesch finanziell unterstützen zu können, verkauften Hunderte von Schülern seit 35 Jahren Orangen an der Haustür. Aufgrund der Pandemie konnte in diesem Jahr keine „Orangenaktion“ stattfinden. Für die Spendenbilanz sieht es deshalb düster aus.

Schulpartnerschaft: Zu Gast in der St. Teresas Highschool in Bhalukapara in Bangladesch

Bildergalerie Schulpartnerschaft: Zu Gast in der St. Teresas Highschool in Bhalukapara in Bangladesch

Bescheidene Anfänge

Alles begann mit einer 10. Gymnasialklasse, die mit Religionslehrer Hartmut Neugebauer, der am WeG und am ASR unterrichtete, die Bergpredigt behandelte. Bei den Schülern entstand daraufhin der Wunsch, das Gelernte in die Praxis umzusetzen. Mit Erfolg: Die erste „Orangenaktion“, deren Erlös von 2000 Mark damals noch an „Brot für die Welt“ gespendet wurde, war so erfolgreich, dass Neugebauer das Projekt auf die Klassen 6 bis 9 des WeG und die Klassen 6 bis 10 der damaligen ASR ausweitete. Mit steigenden Erlösen hielt der Lehrer damals auch Ausschau nach einem neuen Hilfsprojekt.

120 000 Mark bis 1991 gespendet

Durch Neugebauers persönliche Freundschaft zu Giengens damaligem Pfarrer Karl Edelmann, der als Dozent in Dhaka tätig war, fand sich schnell eine neue Herausforderung. Im Norden des Landes wurde eine neue Realschule geplant, die einzige im Umkreis von 200 Kilometern. Bis dahin gab es dort nur Schulen bis zur Klasse 5. Zur finanziellen Förderung dieses Projekts verkauften ab 1986 circa 200 Schüler beider Schulen jährlich Orangen in Heidenheim und Umgebung. Der Erlös von etwa 3000 bis 4000 Mark pro Aktion kam dem Bau der Schule zugute. Weiter unterstützten private Spender, zwei Kirchengemeinden sowie die Erlöse von kulturellen Abenden, Schulfesten und Tombolas den Schulhausbau in Bhalukapara. Bis 1991 kamen über 120 000 Mark an Spenden zusammen. Ein Jahr später wurde die St. Teresas Highschool eingeweiht.

„Hier verdient ein Lehrer umgerechnet 100 Euro pro Monat“

Bis heute fließen die Spenden, unter anderem für die Erweiterung der Infrastruktur. So konnten in den vergangenen Jahren elektrische Leitungen verlegt, ein Tiefwasserbrunnen gebohrt und ein überdachter Weg zu den Schultoiletten gebaut werden. Vor allem hat die Schule durch die Spenden ein drittes Stockwerk bekommen, um die steigenden Schülerzahlen bewältigen zu können. Ebenfalls werden mit Hilfe der Gelder ärmere Familien, die sich das Schulgeld von umgerechnet zehn Euro im Jahr nicht leisten können, unterstützt. Ebenso werden die Gehälter der dort unterrichtenden Lehrer subventioniert.

„Ein Lehrer verdient dort umgerechnet etwa 100 Euro. Viel ist es nicht. Viel wichtiger ist aber die Regelmäßigkeit des Gehalts“, sagt Reinhardt Ehrtmann, der bis 2016 Kunst am WeG unterrichtete. Regelmäßig nahm Ehrtmann an Schulbesuchen teil, um zu sehen, dass das Geld auch ordentlich ankommt. „Jedes Mal brachten wir auch kleine Gastgeschenke mit. Wenn man dann erfährt, dass ein Kugelschreiber innerhalb einer Familie weitergereicht wird, ist das schon was Besonderes“, erinnert sich der Lehrer im Ruhestand. Ebenso gab es auch Besuche von Delegationen aus Bangladesch in Heidenheim. Oft sei es dabei schon vorgekommen, dass einzelne Schüler nicht mehr in die Heimat zurück wollten, weil sie sahen, wie das Leben im Westen ist.

Keine „Orangenaktion“ im vergangenen Jahr

Nun konnte die „Orangenaktion im vergangenen Jahr nicht wie gewohnt stattfinden. Es gab nur einen Stand auf dem Wochenmarkt, weitere Aktionen an Schulfesten und bei Veranstaltungen mussten in den vergangenen beiden Jahren komplett ausfallen“, sagt Florian Kienle, Lehrer am Schulverbund und Vorsitzender des Vereins zur Unterstützung der Partnerschaft mit der St. Teresas-High-School in Bhalukapara. Kienle sorgt sich nicht nur um die Spendenerlöse, die heute zusammengerechnet etwa 8000 Euro betragen, sondern auch um die Generationen von Schülern, die sich nun nicht für das Projekt engagieren können. „Pro Schule sind es jetzt zwei Jahrgangsstufen, die quasi noch nie etwas von Bangladesh und unserer Partnerschaft gehört haben, und das ist sehr schade“, sagt Kienle.

Abi-Klassen helfen aus

Um den Ausfall kompensieren zu können, gab es in der vergangenen Zeit auch Spenden der Abi-Klassen, des WeG. „Da es in den vergangene zwei Jahren keine Abi-Feste gab, haben sich die Schüler dazu entschlossen, ihre Kassen an uns zu spenden“, sagt Daniel Bohé, WeG-Lehrer und stellvertretender Vereinsvorsitzender. Alle drei Lehrer hoffen nun auf eine erfolgreiche Impfkampagne, um den Spendenbetrieb wieder wie gewohnt aufnehmen zu können. Denn neben der „Orangenaktion“ durften auch keine kulturellen Veranstaltungen und der Schulverbunds-Sponsorenlauf stattfinden.

Noch gibt es viel zu tun

In Bhalukapara gibt es noch viel zu tun. Die Schule wurde mit Schuljahresbeginn am 16. Januar wieder regulär geöffnet. Kurz nach Neujahr wurden im Vorfeld die Schulbücher an alle Schüler ausgegeben, natürlich mit Abstand und Maske. Der Unterricht fand im Wechselmodell statt, so dass nicht immer alle Klassen im Schulgebäude sind. Im Rahmen des landesweiten Lockdowns sind seit 20. April auch alle Bildungseinrichtungen wieder geschlossen. Damit ist wieder Onlineunterricht angesagt. Dieser gestaltet sich in Bangladesch noch um einiges schwieriger, als man es aus Deutschland kennt.

Was den Verein antreibt


Seit 2015 gibt es den gemeinnützigen „Verein zur Unterstützung der Partnerschaft mit der St. Teresas-High-School in Bhalukapara, Bangladesch e. V.“. Der Verein war notwendig geworden, nachdem die bewegten Summen immer größer wurden. Nun dürfen auch Spendenquittungen ausgestellt werden. Bis 2015 musste dies durch die Stadtverwaltung übernommen werden. Aktuell sind es 35 Mitglieder, wovon ca. 15 regelmäßig bei Aktionen teilnehmen. Zuletzt wurde der Vereinszweck erweitert, um auch die Möglichkeit zu haben, bei Bedarf die umliegenden Grundschulen zu unterstützen. Diese sind in vielen Fällen in einem sehr schlechten Zustand.

Heute wird die Schule in Bangladesch von circa 700 Schülern besucht. Insgesamt gibt es zehn Klassen und 20 Lehrer. Die Schule selbst ist in katholischer Trägerschaft, wobei über 50 Prozent der Schüler muslimischen Glaubens sind.

Die zentralistische Organisation des Landes und die Lage im Norden an der Grenze zu Indien erschwert die Entwicklung und führt zu Landflucht. Lehrer verlassen häufig die Region, um in den Fabriken der Städte zu arbeiten. Daher sind die Gehaltsaufstockungen von großer Bedeutung.

Die Kultur vor Ort ist stark durch die Garos, als christliche Minderheit in einem sehr muslimischen Land, geprägt. Die Garos leben als indigenes Volk schon immer an der Grenze zu Indien und kannten keinen Landbesitz. Dies führte in der Geschichte Bangladeschs immer wieder zu Problemen bei der Inanspruchnahme von Land und Konflikten zwischen Garo-Minderheit und der Mehrheit der Bengalen.