In Heidenheim kam bereits mehrfach ein Mensch durch Schusswaffengebrauch zu Tode. Da nur ungefähr vier Prozent der Täter, die bei ihrer Straftat eine Schusswaffe gebrauchen, der rechtmäßige Besitzer der Waffe sind, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass auch bei den Heidenheimer Delikten illegale Waffen im Spiel waren. Aber wo kauft man etwas ein, was man nicht besitzen darf?

Im Waffengeschätz braucht man eine Waffenbesitzkarte

In einem Waffengeschäft werden Pistolen nur an Kunden verkauft, die eine Waffenbesitzkarte haben, also beispielsweise Sportschützen oder Jäger.

„Eine illegale Waffe bekommen Sie innerhalb von 20 Minuten am Frankfurter Hauptbahnhof“, sagt Kai P. Fuhrmann. Doch auch in Heidenheim ist das vermutlich kein großes Problem. Rechtsanwalt Fuhrmann, der viele Jahre als Syndikus (Rechtsberater) des Württembergischen Schützenverbandes tätig war, weiß auch, dass illegale Waffen zum drei- bis vierfachen Ladenwert gehandelt werden. Den ungefähr 5,8 Millionen legalen Waffen in Deutschland stehen geschätzte 20 Millionen illegale Waffen gegenüber.

„Mit illegalen Waffen sind in der Regel eigentlich legale Waffen gemeint, die illegal verkauft werden“, sagt Polizeisprecher Uwe Krause. Tatsächlich illegal sind in Deutschland Waffen, die beispielsweise unter das Kriegswaffenkontrollgesetz fallen. Angeboten würden die Waffen oft im Darknet, dem verborgenen Teil des Internets.

„Dort ermitteln wir selbstverständlich auch“, so Krause. Zugestellt werden die Waffen über Post- und Paketdienste.

Wer eine scharfe Waffe will, bekommt sie auch

Das Bundeskriminalamt (BKA) weist in seinem Bericht zur Waffenkriminalität 2015 darauf hin, dass der Umbau von sogenannten Dekorations- und Salutwaffen zunehme. Diese Art von Waffen sind in den meisten europäischen Staaten frei verkäuflich. Gleichzeitig unterscheiden sich die Standards zum Umbau von Waffen und Waffenteilen erheblich, so dass eigentlich entschärfte Dekorations- und Salutwaffen aus manchen europäischen Ländern mit vergleichsweise geringem Aufwand rückgebaut und wieder voll schussfähig gemacht werden können.

Wer also eine scharfe Waffe haben will, bekommt sie wahrscheinlich auch. Gegen andere Menschen verwendet werden die Waffen jedoch vergleichsweise selten: Das BKA verzeichnet für 2015 in ganz Deutschland 130 Straftaten gegen das Leben, darunter Mord und Totschlag in Versuch und Vollendung, bei denen eine Schusswaffe gebraucht wurde. Insgesamt wurden 4711 Fälle registriert, bei denen auf Personen oder Sachen geschossen wurde, davon hatten 825 Fälle mit Körperverletzung und Raub zu tun.

Sämtliche legal hergestellten Schusswaffen besitzen eine Seriennummer, anhand derer sie identifiziert werden können. Selbst wenn diese Seriennummer unkenntlich gemacht wurde, kann durch eine kriminaltechnische Untersuchung festgestellt werden, welches Geschoss aus welcher Waffe stamme, erläutert Polizeisprecher Krause.

Legale Schusswaffen werden selten für Verbrechen benutzt

Bei illegalen Waffenverkäufen werde oft unterschieden, ob die Waffe „sauber“ ist, also noch nie bei einem Verbrechen benutzt wurde, sagt Rechtsanwalt Fuhrmann. Allerdings sei dies eine Angabe, die rein auf Vertrauen basiere, man sehe es Waffen ja nicht an, wozu sie schon benutzt wurden. Fuhrmann, der selbst als Sportschütze viele Waffen besitzt, ist es wichtig klarzustellen, dass legale Waffen nur sehr selten für Verbrechen benutzt werden. Eine Verschärfung des Waffenrechts hält er deshalb nicht für notwendig. „Ich möchte jedoch auch nicht, dass jeder mit einer Waffe herumlaufen kann“, ergänzt er.