Schnaitheim / STEFANIE KIRSAMER Großer Erfolg für den in Schnaitheim geborene Filmemacher Karl Stefan Röser: Der 34-Jährige machte den zweiten Platz im Wettbewerb um den Sebastian-Blau-Preis in der Kategorie "Kurzfilm"

Karl Stefan Röser, der in Stuttgart als Filmemacher und Web-Designer arbeitet, hat Medienwirtschaft an der Dualen Hochschule in Heidenheim studiert; seine Leidenschaft gilt dem Filmen. Sein bisher größtes Projekt „Der unberührte Garten“ wurde im vergangenen Jahr durch eine Crowdfunding-Kampagne im Internet finanziert. Nun ist die Produktion in vollem Gange. HZ-Volontärin Stefanie Kirsamer hat mit ihm über den Film und den verliehenen Preis gesprochen.

Mitte Oktober wurde der Sebastian-Blau-Preis verliehen. Sie haben den zweiten Platz in der Kategorie „Kurzfilm“ gemacht. War das ein Erfolg?

Ja, das war ein Erfolg, auf jeden Fall.

Ja, aber eigentlich wollten Sie doch gewinnen . . .

Klar, es war jetzt nicht der erste Platz, aber es war auf jeden Fall ein Gewinn. Ich habe bisher noch nie einen Filmpreis gewonnen; und hier war ich immerhin in der Endauswahl. Und damit bin ich voll und ganz zufrieden.

Der Film, den Sie eingereicht haben, „Die tiefe Stimme der Natur“, haben Sie zusammen mit dem Lindenhof-Theater aus Melchingen produziert. Sind weitere Filme mit den Schauspielern geplant?

Wir haben uns während des Projekts echt gut verstanden. Und ich hatte schon eine Besprechung mit den Schauspielern; die hätten auf jeden Fall Lust, aber es ist noch offen, was genau wir machen. Wir wollen nicht wieder, wie beim jetzigen Film, ein Stück adaptieren, sondern in eine andere Richtung gehen. Es steht wieder zur Debatte, einen Film auf schwäbisch zu machen. Alles andere, wo und was und wie lange, ist noch offen.

Der Film „Die tiefe Stimme der Natur“ war ganz anders als Ihre bisherigen Filme: Erstens kamen die Schauspieler auf Sie zu, und zweitens war der Film auf schwäbisch. Normalerweise machen Sie das Drehbuch und suchen sich dann die Schauspieler; auch Mundart war etwas ganz Neues für Sie. Können Sie sich das wieder vorstellen?

Prinzipiell schon, aber meistens habe ich eine ganze Palette an Ideen. Manche sind bisher nur Ideen und müssen noch ausgearbeitet werden. Aus vielem wird dann auch nichts. Aber ganz konkret: Mit den Lindenhof-Schauspielern könnte ich mir ein Stück, das zwischen den Generationen spielt, vorstellen – und etwas Lokales. Ich bin richtig auf den Geschmack gekommen, Filme auf schwäbisch zu machen.

Was gefällt Ihnen denn so daran, Filme mit schwäbischem Dialekt zu machen?

Es ist bisher noch unterrepräsentiert. Schwäbisch beziehungsweise Mundart generell steht meist nur für Comedy, und oft werden Schwaben ein bisschen dumm dargestellt. Ich will gerne zeigen, dass man mit Dialekt auch andere Filme, nicht nur lustige, machen kann. Gerade Filme im Lokalen wirken dadurch realistischer – der Dialekt soll natürlicher Bestandteil sein.

Was ist Ihnen denn besonders wichtig, wenn Sie einen Film machen?

Ich will die Leute bewegen und ein bisschen zum Nachdenken bringen, aber es soll auf keinen Fall langweilig sein. Ich versuche beides, anspruchsvoll und spannend zu sein, denn das ist kein Widerspruch.

Sie machen gerne Filme über Geschichten, die direkt vor Ihrer Haustüre passieren. Bleibt das so? Oder gehen Ihnen die Geschichten langsam aus?

Nee, ausgehen tun sie mir nicht. Die Geschichten sind auch nicht unbedingt lokal verankert, sondern sind nah an unserer Lebenswelt und nicht Geschichten über Geheimagenten. Letzteres habe ich schon als Jugendlicher gemacht. Aber das ist schwer zu realisieren.

Machen Sie dann nicht unbedingt aus Überzeugung Filme über lokale Geschichten, sondern aus Gründen der Machbarkeit?

Sowohl als auch. Ich habe jetzt kein spezielles Genre. Ich interessiere mich für viele Dinge, auch beispielsweise für Science Fiction. Aber ich muss mir auch was aussuchen, was ich mit meinen Mitteln umsetzten kann. Umso überzeugender ist dann das Ergebnis.

Welcher Filmemacher ist Ihr Vorbild?

Es gibt nicht nur eine Person, sondern ich lasse mich von mehreren Regisseuren inspirieren. Von den deutschen Filmemachern gefällt mir Tom Tykwer sehr gut, vor allem in seinen Anfängen wie beispielsweise „Lola rennt“. Und Christian Petzold mag ich sehr gerne. Aber eigentlich dient fast alles als Inspiration. Man holt sich, was man von jedem toll findet. Ich imitierte das aber nicht direkt, sondern es fließt mit ein.

Wenn Sie es sich aussuchen könnten, mit welchem Schauspieler würden Sie gerne mal drehen?

Gute Frage. Mhh, kann ich so gar nicht sagen. Es kommt auf die Rolle an. Ich bin auch gar nicht allzu heiß auf prominente Schauspieler. Denn die sind manchmal vorbelastet in dem Sinne, dass die Zuschauer ihn oder sie aus anderen Rollen kennen.

Wie verdienen Sie denn Ihre Brötchen?

Ich bin Filmemacher und Webdesigner und verdiene damit mein Geld. Ich filme also auch beruflich, zum Beispiel Veranstaltungen, oder ich mache Image-Filme von Firmen. Aber die Kurzfilme sind schon mehr als ein Hobby, auch wenn sich damit kein Geld verdienen lässt. Es gibt zwar viele Kurzfilmer in Deutschland, aber keinen Markt dafür. Deshalb ist es mehr ein Sprungbrett, um Spielfilme zu drehen.

Also ist „Die tiefe Stimme der Natur“ auch ihr Sprungbrett zum großen Filmbusiness?

Ja, prinzipiell schon. Ich hoffe auf jeden Fall, dass der Filmpreis ein Anfang ist. Ich habe ja auch ein bisschen Preisgeld bekommen, das ich in den nächsten Film stecken will. Und man knüpft bei solchen Events natürlich Kontakte.

Ist es nicht noch schwerer, im „großen“ Filmgeschäft Fuß zu fassen, wenn man Filme auf schwäbisch macht?

Ja und nein. Ich habe das Gefühl, dass das auch eine Marktlücke ist. Zwar ist die Zielgruppe eingeschränkt, aber es ist auch so, dass ich gemäßigte Ausgaben habe und nicht darauf angewiesen bin, dass meine Filme viel Geld einbringen müssen.

Also ist es eher ein Traum, mal einen großen Spielfilm zu drehen? Und Sie wären auch zufrieden, wenn Ihre Filme ab und zu in regionalen Kinos gezeigt werden würden?

Ja, wobei es gerne auch ein langer Film sein darf – also mittelfristig auf jeden Fall. Größer und bekannter ist natürlich auch toll, aber ich träume nicht unbedingt von Hollywood.

Der Kurzfilm „Der unberührte Garten“ wurde im vergangenen Jahr durch eine Crowdfunding-Kampagne im Internet finanziert. Wie geht es mit der Produktion voran?

Momentan hat der Film Priorität. Er ist schon in der Post-Production, dass heißt es gibt eine Rohschnittfassung, und ich bin gerade mit dem Komponisten an der Musik dran. Dann ist noch ein bisschen Feinschliff nötig.

Bis wann ist der Film fertig?

Ich bin jetzt in der Endphase. Bevor ich an zu viel anderes denke, will ich ihn abschließen. Es warten auch viele darauf – also die, die mitgewirkt haben, und die, die gespendet haben.

Schaffen Sie das noch in diesem Jahr?

Ich hoffe ja, aber mein Plan ist auf jeden Fall, dass ich bis spätestens Ende Januar 2015 damit fertig bin.

Wie entsteht denn so ein Film?

Der Film hat momentan eine Länge von 30 Minuten, und wir haben zehn Tage gedreht. Danach braucht man erstmal ein bisschen Abstand vom Gefilmten. Und klar ist das jetzt fast schon ein Jahr her, aber durch meinen Beruf hatte ich nicht das ganze Jahr Zeit, am Film zu arbeiten.

Könnte „Der unberührte Garten“ schon ein Film sein, der in die Kinos kommt?

Das ist nicht ausgeschlossen. Denn durch den Sebastian-Blau-Preis habe ich Beziehungen zum Kino in Rottenburg; und die, und auch das „Arsenal“ in Tübingen, sind da relativ offen. Außerdem gibt es in Aalen ein Programmkino, wo ich mal anfragen werde. Da sehe ich schon eine Chance. Aber momentan konnte ich mich noch nicht so intensiv damit befassen, weil es eben zurzeit am wichtigsten ist, den Film fertig zu kriegen.

Was ist denn zurzeit ihr Lieblingsfilm?

Dieses Jahr im Kino war „Phönix“ von Christian Petzold sehr gut, und „Kreuzweg“ fand ich sehr eindrucksvoll.

Das klingt so, als ob Sie hauptsächlich deutsche Filme mögen?

Ja, Hollywood mag ich eher nicht so, davon lasse ich mich nicht unbedingt inspirieren. Es ist aber nicht so, dass ich mir keine Blockbuster anschaue. Ich mag zum Beispiel „Batman“ sehr gerne.

Schauen Sie immer, bevor Sie ins Kino gehen, wer den Film gedreht hat?

Ja. Ich entscheide danach, ob ich einen Film anschaue. Wenn mir von jemandem etwas besonders gut gefallen hat, bin ich immer auf neue Produktionen gespannt.

Können Sie denn überhaupt Filme im Kino genießen? Oder fallen Ihnen ständig Fehler auf?

Na ja, man bewertet schon, das kann man nicht hundertprozentig abstellen, aber das stört den Filmgenuss meistens nicht. Doch es kann natürlich schon passieren, dass ich einen Film super finde, aber mir die Musik dazu überhaupt nicht gefällt. Das ist dann halt so. Ich bin da auch nicht überkritisch, man kann aus allem etwas lernen – ich mache ja auch nicht alles perfekt.

Info: Alle Filme von Karl Stefan Röser, auch „Die tiefe Stimme der Natur“, können unter www.k-s-r.eu angeschaut werden.