Heidenheim / Silja Kummer Der Arbeitskreis Oststadt ist enttäuscht davon, dass alle Gebäude auf dem Schlachthof-Areal abgerissen werden.

Entsetzt über den Beginn der Abbrucharbeiten auf dem Schlachthofgelände ist der Arbeitskreis Oststadt. „Das Plattmachen von historischen Bauten hat in Heidenheim Tradition“, schreibt der Arbeitskreis in einer Pressemitteilung. Man zerstöre unwiederbringlich Gebäude mit besonderem Baustil und pflüge sich mit der Heidenheimer Schachtelbauweise rücksichtslos durch die Stadt, bis sie nicht mehr wiederzuerkennen sei.

Bürgermeinung ignoriert?

Bei einer Bürgerbegehung in der „Sozialen Stadt Oststadt“ seien die Vorschläge der Bürger ignoriert und von Oberbürgermeister Bernhard Ilg sofort der Abriss der Schlachthof-Bauten ins Gespräch gebracht worden. „Bürgerbeteiligung geht anders“, so der Arbeitskreis. Nun scheine es, als ob die Pläne für die Oststadt schon weit fortgeschritten waren – ohne Einbeziehung der Bevölkerung.

Sechs Tage vor Beginn der Abrissarbeiten habe ein Gespräch mit Dieter Brünner und Erich Weber von den Stadtwerken Heidenheim mit Vertretern des Arbeitskreises Oststadt stattgefunden. „Man hatte die Wahl zwischen Pest und Cholera“, so der Eindruck der Arbeitskreis-Mitglieder: „Entweder die Stadtwerke bauen ihr Projekt, das sie unbedingt nach ihren Vorstellungen durchsetzen wollen, mit prominenter Architekten-Beteiligung oder die Stadt würde ihr altbewährtes Investoren-Konzept einsetzen – ein Dilemma.“

Nun seien die Bagger da und sollen Fakten schaffen und engagierte Bürger, die Vorschläge einbrachten, mundtot machen, so der Eindruck des Arbeitskreises. „Eine reine Profitorientierung bringt auf Dauer keine Lebensqualität – eine lebens- und liebenswerte Stadt sieht anders aus“, meint der Arbeitskreis.

Auf dem ehemaligen Schlachthof-Areal sollen Gewerbe- und Wohneinheiten gebaut werden, die u. a. betreutes Wohnen, Pflegewohnungen, Seniorentagespflege, Büro, Arztpraxen sowie Studierendenapartments, eine Kindertagesstätte und ein Restaurant beinhalten. „Diese Verdichtung lässt Probleme durch die unterschiedlichen Interessen der Bewohner erahnen“, vermutet der Arbeitskreis. „Man baut in Heidenheim bevorzugt verdichtet und in großen abgegrenzten Gebieten, nicht durchlässig wirkend nach draußen – sogenannte Trendviertel.“ Dies bezeichnet der Arbeitskreis als beliebig, austauschbar und fantasielos, „ohne Platz für Bestandsbauten“.

Weiterhin gesprächsbereit

Die Stadtwerke bestätigen, dass ein Gespräch mit dem Arbeitskreis stattgefunden habe. „Dabei haben wir den aktuellen Stand und die Überlegungen zum Nutzungskonzept sowie die Bedenken des Arbeitskreises im persönlichen Gespräch erörtert und geklärt“, so Stadtwerke-Sprecherin Viktoria Liske. Darüber hinaus sei man weiterhin zum persönlichen Austausch bereit.

Die Stadtwerke AG hat am Dienstag mit den Abbrucharbeiten auf dem ehemaligen Schlachthofgelände in der Oststadt begonnen.

Gegen den Abriss der Gebäude auf dem Heidenheimer Schlachhof-Areal und die geplante Neubebauung regt sich Widerstand aus der Bevölkerung.

Die Stadtwerke Heidenheim haben das benachbarte Gelände gekauft. Die hier stehenden Gebäude sollen abgerissen werden, die Neubebauung wird unterschiedlich genutzt.