Heidenheim / Andreas Uitz Das Heidenheimer Rathaus wird ein Betonklotz bleiben. Aber durch Arbeiten an der Fassade soll es optisch nicht mehr so wuchtig wirken. Die Sanierungsarbeiten sind dringend notwendig.

Der Betonklotz bleibt ein Betonklotz. Da darf man sich keinen Illusionen hingeben. Das Rathaus wird auch nach der Komplettsanierung, die auf einige Jahre angesetzt ist, kein adrettes Fachwerkhaus sein. Doch Stadtverwaltung und Gemeinderat versuchen, aus dem Gebäude, das von vielen als hässlicher Betonklotz angesehen wird, das Bestmögliche zu machen. Und das wurde in der jüngsten Gemeinderatssitzung von Prof. Jörg Aldinger vorgestellt, dessen Büro einen entsprechenden Wettbewerb gewonnen und den Zuschlag für die Neugestaltung der Rathausfassade erhalten hat.

Eingeweiht im Jahr 1972

Wobei die Fassadengestaltung optisch zwar im Vordergrund steht, die Notwendigkeit der Sanierung jedoch eher aus technischen und baulichen Gründen unbedingt notwendig ist. Die Bausubstanz des Gebäudes, das 1972 eingeweiht wurde, ist zwar noch in Ordnung, doch weder die Funktionalität und die energetische Situation ist auch nur annähernd auf dem heutigen Niveau. Vor allen Dingen die extrem schlechte Isolierung sorgt dafür, dass das Arbeiten für die Rathaus-Mitarbeiter weder im Sommer noch im Winter zumutbar ist.

Aus der Zeit des Brutalismus

Das Rathaus sei in der Zeit des „Brutalismus“ entstanden, erklärte Aldinger, es wirke sehr hoch und einheitlich, weshalb es als Klotz wahrgenommen werde. Im Bemühen, das Bild zu verbessern, wolle man einen Sockel schaffen und mehr Gliederung in die Fassade bringen. Durch eine horizontale gestalterische Linie wirke das Gebäude niedriger als es tatsächlich ist. Die Planung geht auch davon aus, den Haupteingang so zu verlegen, dass er direkt über den Rathausvorplatz zugänglich ist und nicht mehr von der Seite her. Der heutige Eingangsbereich könne verglast und auf diese Weise eine zusätzliche rund 200 Quadratmeter große Foyerfläche geschaffen werden. „Grundsätzlich wird der Charakter des Gebäudes erhalten, aber aufgefrischt“, so Aldinger.

Sehr schlechter Wärmeschutz

„Der Wärmeschutz des Rathauses ist aus heutiger Sicht rührend“, sagte Aldinger, deshalb werde darauf ein besonderes Augenmerk gelegt. Alle Fenster sollen ausgetauscht und durch dreifachverglaste Fenster ersetzt werden, die den energetischen Anforderungen entsprechen. Zudem sollen die Stahlbetonbrüstungen, die von oben in die Fensteraussparungen hängen, um rund 20 Zentimeter abgeschnitten werden, um mehr Licht in die in den hinteren Bereichen recht düsteren Büros zu lassen. „Dann haben die Mitarbeiter auch kein Brett mehr vor dem Kopf, wenn sie aus dem Fenster schauen“, so Aldinger.

Einbrennlackierte Alubleche für die Optik

Die Wärmedämmung, die auf dem gesamten Gebäude aufgebracht werden soll, wird durch eine vorgehängte Fassade aus Aluminiumblech verkleidet. „Dafür verwenden wird einbrennlackierte Bleche, denn es soll ja kein glitzerndes Haus werden“, erklärte der Architekt. Dadurch und durch eine Schuppung des Materials entstehe ein grüner Schimmer, der sich optisch mit den grünen Hügeln um die Innenstadt verbinde. Für die Platten wird Recycling-Aluminium verwendet, um bei der Herstellung so wenig Energie wie möglich zu verbrauchen.

Sockeloptik soll optisch helfen

Die Fassade erhalte so deutlich mehr Struktur. Um eine bessere Gliederung zu erreichen, sollen die ersten beiden Stockwerke mit vertikalen sandfarbenen Lamellen verkleidet werden. So sorge man für eine optische Absetzung, die das Rathaus insgesamt leichter erscheinen lasse, so Aldinger. Außerdem trage die Sockelverkleidung dazu bei, dass die Büros im Erdgeschoss weniger einsehbar sind.

Zustimmung aus dem Gemeinderat

„Ich freue mich schon darauf, dass das Rathaus nicht mehr so wuchtig daherkommt und einen neuen Akzent für die Innenstadt setzt“, sagte Oberbürgermeister Bernhard Ilg. Vonseiten des Gemeinderats enthielt der Entwurf ausschließlich Zustimmung. „Nicht nur die Fassade, auch die Technik im Innern wird sehr modern“, sagte der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler, Ralf Willuth. Vor allen Dingen die Verlegung des Eingangs, aber auch die Fassadengestaltung, lobte Hans Kurowski (Grüne) und Petra Saretz, Fraktionschefin der CDU, sprach von einem „optischen Highlight“ für die Innenstadt. Auch der SPD-Fraktionsvorsitzende Rudi Neidlein äußerte sich „begeistert“ und sieht die neue neue Fassade als „Bereicherung und Aufwertung für die Stadt“.

Millionenteure Rathaussanierung

Seit 1972 ist das Rathaus Sitz der Verwaltung. Zwar wurde es in Teilen immer wieder erneuert, doch nie ganz saniert. Das hat sich die Verwaltung für die kommenden Jahre vorgenommen. Die Diskussion darüber, wie das Gebäude umgestaltet werden kann, wird seit Jahren geführt, da es nicht gerade als schön gilt.

Eine Untersuchung hatte 2014 ergeben, dass die Sanierung rund 23 Millionen Euro kostet. Ein möglicher Abriss und ein Neubau, auch das ergab eine Untersuchung, wären wesentlich teurer: rund 47 Millionen Euro.

Die Sanierung soll im Jahr 2020 beginnen und könnte sich über zehn Jahre hinziehen. Die Fassade soll bis 2023 erneuert sein. Der lange Zeitraum ist auch dem geschuldet, dass die Arbeiten im Innern, die für die energetische und technische Erneuerung notwendig sind, unter laufendem Betrieb über die Bühne gehen müssen. ui