Heidenheim / Andreas Uitz Bereits seit einem Jahr ist bekannt, dass rund zehn Hektar Wald gefällt werden sollten. Nach einer intensiven Umweltverträglichkeitsprüfung wurde die Rodung genehmigt.

Nur wenige Tage hat es gedauert, dann war der Kahlschlag abgeschlossen. Seit Ende vergangener Woche ist die Rodung einer Fläche von rund zehn Hektar auf dem Rinderberg bei Nattheim beendet. Hier soll eine Fläche von rund 13 Hektar an einen Investor verkauft werden, der in diesem Bereich ein großes Logistikzentrum errichten will.

Vorher - nachher: Mit dem Schieberegler lässt sich der Unterschied sehen

Viel Empörung war in den vergangenen Tagen zu hören, zahlreiche Menschen äußerten sich in Form von Leserbriefen und wandten sich gegen die Abholzung. Auch Stadträte und Umweltorganisationen meldeten sich zu Wort und sprachen sich gegen die Rodung aus. Viele Vorwürfe wurden in diesem Zuge auch gegenüber der Stadtverwaltung laut, doch wurde – zumindest rein formell – alles richtig gemacht.

Der Rinderberg ist im Flächennutzungsplan schon seit 1981 als Industriegebiet ausgewiesen, damals wurde auch von der damals zuständigen Forstdirektion Stuttgart die Waldumwandlung rechtsverbindlich in Aussicht gestellt. Das bedeutet, dass schon damals klar war, dass irgendwann auf dem Gelände gerodet werden darf. Außerdem gibt es seit 1993 einen rechtsverbindlichen Bebauungsplan für das Gebiet.

Verkauf war nichtöffentlich

Immer wieder wurde von Seiten der Stadt versucht, hier Gewerbe anzusiedeln, doch scheiterte das bisher. Im März vergangenen Jahres wurde dann bekannt, dass ein Investor Interesse an einem großen Teil des Geländes hat, im Mai 2018 stimmte der Gemeinderat in nichtöffentlicher Sitzung mehrheitlich dem Verkauf eines knapp 14 Hektar großen Areals an eine Gesellschaft namens Gazeley zu. Mit dieser Zustimmung war auch klar, dass Wald gerodet werden muss. Die Sitzung fand nichtöffentlich statt, weil dies bei Grundstücksgeschäften immer der Fall ist.

Öffentlichkeit wurde beteiligt

Im Juli 2018 wurde dann formal festgestellt, dass die Rodung einer Umweltverträglichkeitsprüfung bedarf. Verantwortlich dafür ist die Körperschaftsforstdirektion beim Regierungspräsidium Tübingen. Diese hat, wie es das Verfahren vorsieht, die Träger öffentlicher Belange und die anerkannten Naturschutzverbände angeschrieben und um Stellungnahmen gebeten.

Im August vergangenen Jahres wurden dann mit den Trägern öffentlicher Belange Gegenstand und Methoden der Umweltverträglichkeitsprüfung erörtert. Außerdem wurden zwecks der Beteiligung der Öffentlichkeit von Mitte Dezember 2018 bis Mitte Januar 2019 die Unterlagen ausgelegt und waren im Internet einsehbar. Von Seiten der Öffentlichkeit gingen jedoch keine Einwände ein, doch gab es Stellungnahmen von verschiedener Seite.

Parallel zu diesem Verfahren wurde auch das betroffene Gelände einer Untersuchung unterzogen. Dabei wurde darauf geachtet, welche möglichen Auswirkungen die Rodung auf die Natur hat. Im Rahmen dieser Untersuchung wurde besonderes Augenmerk auf die Struktur des Waldes und der Biotope gelegt, außerdem wurde nach geschützten und bedrohten Tierarten gesucht.

Mit einbezogen waren auch die untere Naturschutzbehörde und der Nabu. Schon 2014 gab es in dem Gebiet Untersuchungen, dabei wurden drei Fledermauarten und 21 Vogelarten nachgewiesen, artenschutzrechtlich relevante Pflanzenarten hingegen wurden nicht entdeckt. Insgesamt wird in dem Gutachten das Fazit gezogen, dass das Gelände eine geringe bis allgemeine Bedeutung für besonders geschützte Tierarten aufweist.

Umfangreiche Prüfung

In der 70 Seiten umfassenden Umweltverträglichkeitsprüfung, in der auch die Stellungnahmen enthalten sind, werden auch noch etliche andere mögliche Auswirkungen einer Rodung dargestellt, etwa auf das Grund- und Oberflächenwasser, Klima und Luft, das Landschaftsbild und das kulturelle Erbe.

Letzten Endes heißt es in der Umweltverträglichkeitsprüfung jedoch: „Abschließend kann festgestellt werden, dass die vorstehend bewerteten umweltrelevanten Auswirkungen des Vorhabens (Waldumwandlung) unter Berücksichtigung des allgemeinen Kenntnisstandes eine Versagung der forstrechtlichen Genehmigung nicht rechtfertigen.“ Heißt im Klartext: Es darf gerodet werden.

Diese Genehmigung der Körperschaftsforstdirektion wurde am 25. Februar ausgestellt (Hier das Gutachten). Aber warum wurde bereits am darauf folgenden Tag mit der großflächigen Fällung begonnen?

Grund dafür ist eine Auflage in der Genehmigung, die auf Anregung des Nabu aufgenommen wurde: Die Rodung muss außerhalb der Brutperiode abgeschlossen sein, also noch vor dem 1. März.

Neben zahlreichen anderen Bedingungen für die Rodungsgenehmigung muss die Stadt auch dafür Sorge tragen, dass in gleichem Umfang, in dem gefällt wurde, wieder aufgeforstet wird. Das Problem daran ist allerdings, dass es auf Heidenheimer Gemarkung und im gesamten Landkreis schon so viel Wald gibt, dass das hier nicht möglich ist. Deshalb hat die Körperschaftsforstdirektion detailliert beschrieben, wo diese Aufforstung zu erfolgen hat.

An zwölf Stellen im Land wird aufgeforstet

Da es im Kreis nicht ausreichend Flächen gibt, um den auf dem Rinderberg gefällten Wald wieder aufzuforsten, hat die Stadt die Auflage, das an anderer Stelle zu tun.

Insgesamt benennt die Körperschaftsforstdirektion zwölf Stellen im ganzen Land, an denen Bäume gepflanzt werden müssen. Acht davon liegen im Alb-Donau-Kreis, und zwar auf den Gemarkungen Schelklingen, Merklingen, Bernstadt, Ehingen, Westerheim und Amstetten.

Außerdem muss im Kreis Tuttlingen in Emmingen, im Kreis Göppingen, in Hohenstadt und im Kreis Sigmaringen, in Leibertingen und in Neufra aufgeforstet werden. Insgesamt muss die Stadt Heidenheim im Rahmen der Umwandlungsgenehmigung eine Fläche von 93 341 Quadratmetern aufforsten. Dazu wurden verbindliche Verträge geschlossen.

Die größte Fläche liegt mit 18 400 Quadratmetern in Westerheim auf der Schwäbischen Alb, die kleinste mit 3200 Quadratmetern im Merklingen. Festgeschrieben ist auch, wo welche Art Bäume aufgeforstet werden müssen