Kreis Heidenheim / erwin bachmann Der DRK-Kreisverband Heidenheim hat die Schlagkraft der Notfallversorgung weiter verbessert: Nur wenige Rettungsdienste im Land sind schneller.

Das Maß aller Dinge ist die sogenannte Hilfsfrist, also jene Zeit, die vom Eingang einer Notfallmeldung in der Rettungsleitstelle bis zum Eintreffen der Helfer am Unfall- bzw. Notfallort vergeht. Laut Landes-Rettungs-Dienstgesetz sollen dabei höchsten 15 Minuten vergehen, wobei die Frist als erfüllt gilt, wenn sie übers Jahr gesehen in 95 Prozent aller Fälle eingehalten werden kann.

Dass das Rote Kreuz vor Ort im grünen Bereich ist, zeigt ein Blick auf die jetzt vom baden-württembergischen Innenministerium herausgegebenen Zahlen, die das Einsatzgeschehen des Jahres 2015 beschreiben. Demnach liegt die Quote in der Notfallrettung nunmehr bei 95,9 Prozent, womit der Kreis Heidenheim unter den 34 Rettungsdienstbereichen im Land auf dem 3. Platz liegt. In der notärztlichen Versorgung ist die 15-Minuten-Frist in 94,3 Prozent aller Fälle erreicht worden, und auch in diesem Ranking bewegt sich der DRK-Kreisverband im Spitzenfeld, wo er im landesweiten Vergleich den 6. Platz belegt.

„Das sind hervorragende Werte,“ urteilt DRK-Kreisgeschäftsführer Mathias Brodbeck, dessen Vorgänger noch mit ganz an deren Verhältnissen konfrontiert waren. Vor dem Jahre 2010 konnte man im Kreis Heidenheim von solchen Platzierungen nur träumen, lag die Quote der Notfallrettung doch gerade mal bei 88 Prozent, womit man zu den Schlusslichtern in Baden-Württemberg gehörte. Dass sich die Situation dann änderte und von Jahr zu Jahr verbessert hat, lag an der frühen Reaktion des sich aus Kostenträgern und Leistungserbringern zusammensetzenden Bereichsausschusses, der zusammen mit den örtlichen Verantwortlichen ein neues Konzept auf die Beine gestellt, die Kooperation mit dem Ostalbkreis verstärkt und die Zuständigkeiten von Rettungswachen neu zugeschnitten hatte.

Heute hat man im Rettungsdienst einen Standard erreicht, der sich landesweit sehen lassen kann. Positiv auf die Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit hat sich nach Einschätzung von Mathias Brodbeck der Probebetrieb des Rettungswagen-Standorts in Gerstetten ausgewirkt. Durch die Stationierung eines zusätzlichen RTW konnte die Hilfsfrist-Erreichung im Gemeindegebiet Gerstetten innerhalb eines Jahres von 82,6 auf 93,8 Prozent erhöht werden – eine Verbesserung, die sich auch im gesamten Rettungsdienstbereich niederschlägt.

Und möglicherweise ist damit noch nimmer nicht das Ende der Fahnenstange erreicht. Brodbeck geht davon aus, dass der südliche Landkreis Heidenheim voraussichtlich auch von dem Notarzt-Standort profitieren wird, der in Langenau neu eingerichtet wird. Noch abzuwarten bleibe, ob künftig auch Maßnahmen zur standardisierten, also zeitsparenden Notrufabfrage und veränderte Indikationen für Notarzteinsätze positive Auswirkungen auf die Qualität des Rettungsdienstes haben. Geplant ist, Notfallsanitätern per Gesetz eigenständigere Handlungskompetenzen einzuräumen: Damit bis zum Eintreffen des Notarztes keine wertvolle Zeit verstreicht, dürfen Notfallsanitäter am Einsatzort unter bestimmten Bedingungen auch bis dato dem Arzt vorbehaltene Tätigkeiten vornehmen.

Dass Heidenheim jetzt schon unter den schnellsten Helfern im ganzen Land rangiert, ist um so bemerkenswerter, als der Rettungsdienst im zurückliegenden Jahr mehr denn je gefragt war. Die beim DRK-Kreisverband geführte Statistik zeigt, dass sich die Wachstumsraten im zweistelligen Bereich bewegen: Die Zahl der RTW-Einsätze stieg 2015 im Vergleich zum Vorjahr um 12,2 Prozent auf 4316, und die Summe der Notarzt-Einsätze kam erstmals leicht über die 9000-Marke – ein Plus von 17,3 Prozent.

Forscht man nach den Gründen dieses Anstiegs, spiegelt das Heidenheimer Geschehen nach Einschätzung des DRK-Geschäftsführers den landesweiten Trend wieder. Das Stuttgarter Innenministerium nennt als mögliche Ursachen beispielsweise die zunehmende Zahl so genannter Sekundärtransporte schwerkranker Personen zwischen Krankenhäusern, was wiederum nicht zuletzt der Spezialisierungstendenz im Krankenhauswesen zugeschrieben wird. Auch der demographische Wandel wird genannt: und die unzureichende Nutzung des ärztlichen Bereitschaftsdienstes, was häufig der Unkenntnis über dessen Versorgungsmöglichkeiten geschuldet sei.