Heidenheim/Heilbronn / Edgar Deibert Ein menschliches Bein und eine Brandserie: Für fünf Tage schaute HZ-Redakteur Edgar Deibert den Kollegen bei der „Heilbronner Stimme“ über die Schulter.

#ReporterTausch2019, und ja den Hashtag nicht vergessen. Klar, Twitter. Gehört dazu. Edgar Deibert, seit 2009 bei der „Heidenheimer Zeitung“, will mal raus und kommt für ein paar Tage in Heilbronn unter.

Und kaum setzt der 40-Jährige den Tweet mit dem kurzen Text „Sind wir nicht alle etwas Touri? Willkommen in Heilbronn am Theresienturm. Bin gespannt auf die @stimmeonline“ ab, gibt’s schon eine Antwort: „Spannend getroffen“, mit dem Link zu einem Artikel: „Am Neckarufer bei Heilbronn ist ein menschliches Bein gefunden worden.“

Unterwegs in „Heilbronx“

Keine zwei Stunden später ist der Austauschreporter mittendrin, bei der Recherche in „Heilbronx“. Wobei, dieses Vorurteil stimme ganz und gar nicht, erklärt Heike Kinkopf. Die 49-Jährige gehört zu einer kleinen Reportereinheit der „Heilbronner Stimme“ und weiß, dass Heilbronn zu den sichersten Städten Deutschlands gehört.

Am Wochenende hatte sie Bereitschaft und hat daher die Recherche bereits aufgenommen: Am Neckarufer ist in der Nähe der A-6-Brücke beim Bootshaus in Neckarsulm ein Teil eines menschlichen Skeletts gefunden worden. Nachdem die Polizei morgens noch nicht viele Informationen hatte, packt Kinkopf den Austauschkollegen ein und fährt mit ihm zur Fundstelle.

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Alltag einer Reporterin, die rausmuss auf die Straße, um Themen durch Menschen zu beleuchten. Der Austauschreporter ist beeindruckt von dieser Arbeitsweise und von der Freiheit, die sich dadurch ergibt. Zu Hause in Heidenheim sind Redakteure nicht nur „rasende“ Reporter, sondern auch oft an ihren Schreibtisch gebunden. Der neue Blick, der sich eröffnet, erhält den Hashtag „unbezahlbar“.

Dabei ist der Arbeitsalltag abwechslungsreich, aber sicherlich schwierig. Nicht körperlich. Aber die Reporter, wie die bei der „Heilbronner Stimme“, müssen das Erlebte auch verarbeiten. Einen Tag später erschüttert eine Brandstiftungsserie die kleine Ortschaft Kirchardt (knapp 5800 Einwohner). Mehrere Autos gehen kurz hintereinander in Flammen auf. Nur einen Tag später präsentiert die Polizei einen mutmaßlichen Tatverdächtigen.

Es sind ungewohnte Einblicke in die Arbeit eines Reporters. Allerdings kam zunächst keine Zeile vom „Hiwi“ aus Heidenheim. Dabei sind Redakteure im Prinzip einfach gestrickt. Wenn sie selbst nichts schreiben, kommen sie ins Grübeln. So wie Deibert. „Na, worüber hast du geschrieben?“, werden die Kollegen daheim sicherlich fragen. Ja, worüber nun?

Obwohl der Blick über den Tellerrand spannend ist, hemmt die innere Unruhe. Bring doch endlich etwas zu Papier!, denkt sich der Tauschreporter aus Heidenheim. Hatte der Chefredakteur der „Heilbronner Stimme“ am Morgen des ersten Tages nicht gesagt: „Ich freue mich, von Ihnen zu lesen“?

Der Block des Tauschreporters aber bleibt lange leer. Sein Gang ist nicht mehr so aufrecht, er nimmt sich immer mehr zurück. Neue Umgebung, neue Kollegen – keine Kontakte. Willkommen zurück in der Ausbildung. Alles auf Anfang!

Leerlauf bis zur ersten Idee und dem Griff zum Telefon: „Hallo, Edgar Deibert von der Heilbronner Stimme. Ich habe folgendes Anliegen . . .“

50 Redakteure tauschen den Arbeitsplatz

Beim Reportertausch machten in diesem Jahr 50 Redakteure aus 29 Zeitungsverlagen in ganz Deutschland mit. Während Edgar Deibert von Heidenheim nach Heilbronn ging, wechselte Vanessa Müller (39) von der „Heilbronner Stimme“ zum „Kölner Stadt-Anzeiger“. Bei der HZ war Julia Lehmann (28) von der „Märkischen Oderzeitung“ in Eberswalde zu Gast.