Heidenheim / Catrin Weykopf In Zukunft sollen Bürger für viele Amtshandlungen nicht mehr persönlich ins Rathaus müssen. Auch in Heidenheim arbeitet man an so etwas.

Einen Flug buchen, eine Überweisung tätigen, ein Taxi per App bestellen oder ein E-Book aus der Stadtbibliothek ausleihen: All diese Dinge funktionieren bereits digital. Das bedeutet: Man kann alles per Computer oder Handy tun, ohne das Haus verlassen oder zum Telefonhörer greifen zu müssen.

Geht es nach dem Landesinnenministerium, sollen auch Städte und Gemeinden immer mehr Bereiche ihrer Angebote digitalisieren – sprich die Bürger sollen immer mehr Amtshandlungen vom PC oder Smartphone aus erledigen können. Reichen kann das Spektrum dabei vom Anwohner-Parkausweis, den man einfach im Netz herunterladen kann, bis hin zur Online-Baugenehmigung oder Gewerbeanmeldung. In der Theorie ist vieles denkbar. Auch in den Bereichen Tourismus und Bildung.

Um all diesen vielen Möglichkeiten eine Richtung zu geben, hat man seitens des Landes eine Digitalstrategie verabschiedet. Damit diese nun bekannter wird und Anklang findet, tourt der Landesbeauftragte für Informationstechnologie, Stefan Krebs, derzeit mit einer Veranstaltung namens Zukunftskommune@BW durchs Land. Am Dienstag machte er Halt im Congress Centrum, wohin die Stadt Heidenheim Vertreter aus den Kreisgemeinden, des Landkreises, der IHK, aus Unternehmen und Bildung geladen hatte, um sich sich Ideen abzuholen und selbst Ideen einzubringen.

Die zentralen Fragen lauteten: Was kann man alles digitalisieren, wo macht es Sinn und was braucht es dazu, außer einer Menge Geld und vernünftig schnellem Internet? Referenten des Fraunhofer-Instituts sowie einer großen Unternehmensberatungsfirma gaben verschiedene Anhaltspunkte: Gerade in ländlichen Gegenden sei Digitalisierung eine Chance, beispielsweise in der ärztlichen Versorgung.

Telemedizin statt Landarzt?

Wo keine Hausärzte mehr sind, könne Telemedizin diese Lücken füllen. Aber auch das Sammeln großer Datenmengen, in Fachkreisen Big Data genannt, stelle für Kommunen Chancen dar. So könnte man auf Basis von Daten gezielt dort Bäume pflanzen, wo vermehrt Atemwegserkrankungen bei Bürgern auftreten. Oder der Verkehr würde sich Dank der der Daten von selbstfahrenden Autos staufrei regeln lassen. Denkbar sind auch Szenarien der Energieversorgung oder bei öffentlichen Verkehrsmitteln. Negativseiten der Datensammelei (Stichwort: gläserner Bürger) wurden dabei lediglich gestreift.

Die wesentliche Botschaft des Digitalbeauftragten Stefan Krebs lautete indes: „Die digitale Reife eines Landes oder eine Gemeinde wird künftig ein wesentlicher Standortfaktor sein.“ Als Land sehe man die Aufgabe, den Kommunen sowie Unternehmen dabei zu helfen, diese Reife zu erlangen – unter anderem mit Hilfe einer Milliarde Euro, die investiert werden soll. „Das Wichtigste ist: Digitalisierung muss in den Kommunen Chefsache sein und man braucht eine Stragtie“, so Krebs.

In Heidenheim hat man sich bereits in einigen Bereichen auf den digitalen Weg begeben, So werden 45 Prozent der internen Vorgänge digital verarbeitet. Für Bürger gibt es ebenfalls viele digitale Angebote, darunter das Online-Fundbüro, die Freiwilligenbörse oder die Online-Kita-Voranmeldung.

Im Rathaus einfach Kora fragen

Aber auch an einem neuen Vorhaben für die Bürger wird derzeit im Rathaus gearbeitet. Es heißt „Kora“ (Kommunale Rathausassistenin) und soll ein intelligenter Textroboter werden, den man nahezu alles fragen können soll, was mit Verwaltung oder dem Landkreis zu tun hat. Für Kora gibt es viele Einsatzmöglichkeiten, etwa als sogenannter Chatbot auf der städtischen Webseite oder in Form einer Stele im Rathaus oder an touristisch bedeutenden Orten.

Wann Kora in Heidenheim Wirklichkeit wird, ist noch unklar. Immerhin: Inoffiziell bekam die Stadt am Dienstag die Zusage, dass das Projekt seitens des Landes gefördert wird. Kosten wird es ersten Schätzungen nach rund 100.000 Euro.

In anderen Städten gibt es derlei Bots bereits. In Wien etwa können Bürger schon rund um die Uhr Dank eines Bots Behördendinge erledigen – und sei es, nachts herauszufinden, wohin das eigene Auto abgeschleppt wurde.

Was ist ein Chatbot?

Ein Chatbot oder Bot ist ein Textroboter mit künstlicher Intelligenz. Man kann ihn nach Informationen fragen, mit denen er zuvor gefüttert wurde.

Mit den meisten Bots kann man chatten – etwa auf einer Internetseite in einem kleinen Textfenster.

Viele Billig-Fluggesellschaften bieten das an, weil es oft den Anruf im Callcenter erspart.

Es gibt auch schon Bots, die sprechen können.

Der bekannteste heißt Siri und ist die Sprachassistentin auf Apple-Geräten.