Berlin hat viele, aber auch Stuttgart hat eine. Die Rede ist von einer Popup Bike Lane auf einer der Hauptverkehrsstraßen im Stuttgarter Zentrum, der Theodor-Heuss-Straße. Eine Popup Bike Lane ist ein schnell eingerichteter, gesicherter Radweg auf einer Autofahrspur. Die Stuttgarter Stadtverwaltung brauchte von der Planung bis zur Realisierung nur drei Monate.

Ginge es nach dem Wunsch des ADFC-Kreisverbands Heidenheim, sollte ein kurzfristig während der Corona-Zeit aufpoppender Radweg auf der Clichystraße ab der Weststadtkreuzung über den Eugen-Jaekle-Platz bis über die Bahnhofstraße hinaus realisiert werden. Dies ist eine Strecke von rund zwei Kilometern, auf der Radler und Fußgänger mehr Platz bekämen und sich sicherer fühlen könnten.

Für mehr Sicherheit in der Innenstadt

„Das Gefühl von subjektiver Sicherheit ist bei der Förderung des Radverkehrs von entscheidender Bedeutung“, sagt der Vorsitzende des ADFC Heidenheim, Johannes Metzger. Als sicher gelte ein Radweg, auf dem Eltern ihre Sprösslinge ab zehn Jahren gerne fahren lassen. Er muss breit genug sein, so dass genügend Abstand zu vorbeifahrenden Lastwagen besteht. „Trotz dem sichtbaren Bemühen der Stadt, die Fahrradwege auszubauen, hapert es da noch in der Heidenheimer Innenstadt“, so Metzger.

Mit Beginn der Corona-Zeit habe der Radverkehr auch in Heidenheim deutlich zugenommen, der Autoverkehr sei stark zurückgegangen und der ÖPNV fast zum Erliegen gekommen. Das Fahrrad habe offenbar als das coronasicherste Fortbewegungsmittel gegolten und diejenigen, die bisher noch selten das Fahrrad für Besorgungen in der Stadt genutzt hätten, hätten sich offensichtlich im damals ruhigeren Verkehr sicher genug gefühlt, resümiert Metzger.

Engste und gefährlichste Strecke für Radfahrer

„Inzwischen hat der Autoverkehr wieder zugenommen. Der Fahrradverkehr ist zwar etwas zurückgegangen, aber immer noch relativ stark“, sagt der ADFC-Vorsitzende. „Das hat dazu geführt, dass sich unsere Radverkehrsgruppe für einen Popup-Radweg stark machen will, der die für Radfahrer engste und gefährlichste Strecke entlang der B 466 ersetzen soll. Damit bekämen auch die Füßgänger mehr Platz“.

Der ADFC sieht dies auch als Chance, den Verkehr insgesamt zu beruhigen. Die Aufenthaltsqualität in der Stadt habe sich während der Anfangsmonate der Corona-Pandemie spürbar verbessert. Dieser Zustand könne wieder erreicht werden, wenn der Autoverkehr im Zuge der Popup-Bike-Lane einspurig werde, so Metzger. Nervöse Beschleunigungen und das Ausreizen der innerorts erlaubten Geschwindigkeit würden aufhören und der Verkehr würde ruhiger fließen.

Zweispurigkeit sei nicht notwendig

„Der gewiss höherrangigen B 19 wird nirgends im engeren Stadtgebiet Zweispurigkeit eingeräumt wird, der Verkehr fließt aber trotzdem. Ausgerechnet in der Innenstadt werde aber der B 466 dieser Vorzug gegönnt“, sagt der ADFC-Vorsitzende. Diese vor Jahren getroffene Entscheidung hält der Fahrradclub nicht mehr für zeitgemäß. Man habe die Heidenheimer Theodor-Heuss-Straße weitgehend einspurig zurückgebaut, ohne dass es dort zu Staus gekommen wäre. Außer für Auffächerungen vor Kreuzungen ist die Zweispurigkeit nicht notwendig.

„Die Autofahrer werden mit der Einspurigkeit umgehen können und vielleicht dann eher aufs Fahrrad zurückgreifen, vorausgesetzt dass dafür die Rahmenbedingungen stimmen“, sagt Metzger. Von der Einspurigkeit profitieren würden die Radfahrenden außerdem, weil damit das Linksabbiegen möglich wird, was bei einer zweispurigen Verkehrsführung so gut wie ausgeschlossen ist. Damit erhielte das Fahrrad in der Innenstadt einen seiner größten Vorzüge zurück: seine Wendigkeit.

„Der Schlüssel zur Förderung des Radverkehrs als dem bei weitem umweltfreundlichsten und klimaschonendsten Verkehr liegt in der Innenstadt. Wenn dort mehr Platz und Sicherheit für Fußgänger und Radfahrer geschaffen würde, würden sich sicher auch mehr Leute mit dem Rad in die Stadt trauen“, betont Johannes Metzger. „Eine Chance für Heidenheim wäre dabei, die Verkehrsentwicklung und die Wirkung eines Popup-Radwegs begleitend untersuchen zu können“.

Popup-Radweg in Heidenheim: Eingehende Prüfung steht bevor


Der ADFC ist wegen eines Popup-Radwegs bereits mehrfach mit der Stadtverwaltung im Austausch gewesen, sagt der städtische Pressesprecher Stephan Knies. Im Rahmen des Verkehrsentwicklungsplanes seien Vertreter des ADFC nun für die anstehenden Expertengespräche geladen worden.

Eine Einschränkung des Verkehrsflusses und damit nicht nur des privaten Verkehrs sondern auch des ÖPNV durch einen Schnellschuss ohne eingehende Prüfung der Auswirkungen wäre aus Sicht der Stadtverwaltung verantwortungslos.

„Und natürlich muss in Hinblick auf das gerade in den Medien präsente negative Gerichtsurteil zu den Pop-up-Radwegen in Berlin gut geprüft werden, wie die spezifische Lage in Heidenheim ist“, sagt Knies.

Das hieße nicht, dass die Stadtverwaltung einem Pop-up-Radweg prinzipiell negativ gegenüber stehe. „Aber wenn das zu verspäteten Bussen oder mehr Staus oder eben zu einem juristischen Verbot führt, weil nicht seriös vorbereitet wurde, wäre das auch dem Anliegen des ADFC nicht dienlich“, so Knies.