Die Fußballweltmeisterschaft ist nicht nur ein großes sportliches Ereignis, sondern in der Regel auch ein großes Fest. Die Spiele in Katar sind aber anders. Zuletzt schlossen sich FCH-Fans einem bundesweiten Fanprotest an und zeigten beim Spiel gegen Paderborn ein Banner mit der Aufschrift „Boycott Qatar 2022“, in der Gäste-Kurve das gleiche Bild. Zugleich wird aus großen Städten von Wirte-Initiativen berichtet, die Spiele nicht zu zeigen.

Ein solcher Boykott zeichnet sich in Heidenheim nicht ab, wenngleich es keine große Freiluft-Sause wie sonst bei Welt- und Europameisterschaften geben wird, wie eine Stichproben-Umfrage unter Wirten gezeigt hat. Nur eine Außen-Übertragung ist sicher.

Außenbewirtung während der WM

Dabei hat die Stadt Heidenheim eigens für die WM ihre Regelung für die Außenbewirtung auf öffentlichen Flächen geändert. Denn eigentlich ist mit der Freiluft-Saison seit einigen Tagen Schluss. Die Stadt erlaubt den Außenbetrieb in der Regel nur von Anfang März bis Ende Oktober. Für die WM in Katar konnten Gastronomen gegen Gebühr eine Verlängerung beantragen bis zum Finale der WM am 18. Dezember.

Diese zwei Kneipen haben die längere Außenbewirtung beantragt

Zwei Wirte haben das nach Auskunft der Stadtverwaltung genutzt. Einer davon ist Frank Zeger, der das Café Melange in der Hinteren Gasse betreibt und schon wie schon zuvor im Warsteiner eine Anlaufstelle für Fußballfans ist. Er ist der einzige, der alle Deutschland-Spiele auf einer Außenleinwand zeigen wird. Analog zu den Übertragungen besonderer FCH-Spiele, oder der Europameisterschaft oder Frauen-Weltmeisterschaft. Ist das nicht zu kalt? „Ich gehe ja auch ins Stadion oder auf den Fußballplatz, da ist es genauso kalt“, sagt er. Zudem habe er eine große Markise und könne auch Schirme aufstellen als Schutz. Im Boykott-Aufruf gegen die Spiele sieht Zeger eine Doppelmoral. Da müssten sich viele beim eigenen Konsumverhalten selbst an die Nase fassen, er nennt Handys aus China oder Billig-Bekleidung aus fragwürdigen Herstellungsstätten. Wie viele Leute kommen werden, das warte er ab. Bestuhlen werde er erst einmal für rund 40 Gäste.

Der zweite mit der Lizenz für die Außenübertragung ist Michael Weihreter, Betreiber der Bar und Kneipe König Wilhelm in der Fußgängerzone. „Vorsichtshalber“ habe er das beantragt, fügt er hinzu. Denn sicher ist, dass er alle WM-Spiele drinnen laufen lassen wird. „Bei guter Witterung ist aber ein Fernseher draußen schnell aufgestellt“, sagt er. Stehtische stehen auch ohne Fußball-Spiele unter dem Vordach und bei Bedarf unter großen Schirmen.

Public Viewing im Innenbereich

Andere Freiluft-Bühnen werden diesmal leer sein. Zum Beispiel die vor dem Populär am Eugen-Jaekle-Platz, wo bereits abgestuhlt ist. „Ich glaube nicht, dass die Leute im Kalten stehen wollen zum Fußballschauen“. sagt Mathias Nimführ, einer der beiden Populär-Inhaber. Im Innenraum würde womöglich auf einem Fernseher Fußball laufen, doch ein großes Fußball-Event bewerben wollten sie eher nicht. Die Fußball-Zurückhaltung ist im Populär eher ungewöhnlich, denn auch dort war bei Weltmeister- und Europameisterschaften zuletzt ein gut besuchter Treffpunkt, selbst Handball wird gezeigt und die beiden Betreiber sind selbst Sponsoren bei diversen Sportveranstaltungen. „Wenn die Nachfrage vonseiten der Gäste groß sein sollte, kann es auch sein, dass wir offensiver werden.“

Ein weiterer großer Public-Viewing-Treffpunkt ist sonst auch immer der Friedrich-Degeler-Platz vor dem Piazza. Dort kann man auch diesmal die Spiele gemeinsam anschauen, allerdings nur auf den Bildschirmen in den Innenräumen. „Wir haben genug Platz innen“, sagt Betreiber Savvas Theofilaktidis. „Draußen ist es zu kalt, und Heizstrahler dürfen nicht aufgestellt werden“, so sein Argument gegen die Außenbewirtung. Ebenfalls aufs Innere verlegt ist die Übertragung der Spiele im Gesellschaftsgarten Munzur, wo laut Orhan Dal alle Spiele vom Auftakt bis zum Finale auf großen Fernseh-Bildschirmen gezeigt werden.

Erweiterungsmöglichkeit je nach Resonanz der Fußballfans

Beamer und Großbild-Leinwand werden im Stattgarten für die Partien mit deutscher Beteiligung aufgebaut. Abhängig von der Resonanz der Gäste könne er auch draußen aufbauen, berichtet Betreiber Manfred Laun, und auch der Nebenraum, der Kultursalong, könnte bei Bedarf zum WM-Studio werden. Wie groß die Nachfrage sein wird, müsse man abwarten, zumal die WM auch negativ im Gespräch sei. Doch es ändere sich nichts an den Verhältnissen, egal ob Fans die Partien anschauen oder nicht, meint Laun. „Wir sind keine reine Fußball-Kneipe und müssen deshalb auch Rücksicht auf die Gäste nehmen, die Fußball nicht interessiert“, sagt Laun. Deshalb könne es sein, dass andere Spiele zwar auf den Bildschirmen laufen, jedoch ohne Ton.

In der Kleinen Heilen Welt plant Stefan Schaefer zu den Deutschland-Spielen Public Viewing, das zunächst drinnen sattfinden soll. Da sein Biergarten keine öffentliche Fläche ist, sondern zur Kneipe gehört, kann er spontan entscheiden, ob er die Übertragungen auch draußen zeigen wird. „Allerdings nur, wenn sich der Bedarf ergibt“, sagt er mit einiger Skepsis. Denn eigentlich sei die Fußball-WM ein Sommer-Event. „Dass allerdings viele Fans die WM boykottieren werden, diese Wahrscheinlichkeit halte ich für gering.“ Sehen konnte man in der Kleinen Heilen Welt sonst auch immer die Italien-Spiele, doch das ist diesmal hinfällig, nachdem die Mannschaft die Qualifikation verpasst hat.

Kleiner als sonst und im Raucherraum

Kleiner als sonst wird die WM-Übertragung im Café Swing gehalten. „In uns schlagen zwei Herzen“, sagt Wirt Michel Kneule. „Einerseits finde ich Fußball total cool, auf der anderen Seite ist es fragwürdig, dass die WM nach Katar vergaben wurde“, sagt er. „Das macht alles unsympathisch, was mir leidtut.“

Im Swing werden auf einem kleinen Fernseher im Raucherbereich die Spiele laufen, aber es gibt keinen Beamer und eine Leinwand wie sonst. Wie groß die Euphorie sein wird, werde vom Erfolg der Nationalmannschaft abhängig sein, sagt Kneule. „Doch Stand jetzt werden wir kein größeres Event machen.“

Im Wari steht Entscheidung noch aus

Noch unentschlossen sind die Betreiber des Wari. „Wir sind noch in der Diskussion und haben die finale Entscheidung noch nicht getroffen“, berichtet Angelo Bianco, der die Kneipe an der Olgastraße zusammen mit dem früheren FCH-Spieler Marc Schnatterer und Timo Zimmer, Stürmer bei den Sportfreunden Dorfmerkingen, betreibt. Eine Außenbewirtung gibt es im Wari nicht, sodass sich ein Antrag bei der Stadt erübrigt habe.

Beim FCH ist die Frage bereits entschieden

Schwarz werden die öffentlichen Bildschirme in der Voith-Arena bleiben. „Wir planen, anlässlich der FIFA Fußball-Weltmeisterschaft in Katar, auf Initiative unseres FCH Fanbeirats, keine Public-Viewing-Veranstaltungen in der Voith-Arena“, teilt Pressesprecher Markus Gamm mit. Dies gelte auch für das Albstüble und werde rechtzeitig vor der WM nochmals über die FCH-Kanäle kommuniziert. Bei vergangenen Turnieren hatten immer mal wieder Public-Viewing-Veranstaltungen im Sparkassen Business-Club der Voith-Arena stattgefunden.

Bundeskabinett macht Weg frei für Public Viewing

Während der Weltmeisterschaft ist in Deutschland Public Viewing im Freien auch nach 22 Uhr möglich. Das hat das Bundeskabinett bereits im September beschlossen. Demnach können Fußball-Fans abendliche WM-Spiele auch dann im Freien verfolgen, wenn die Begegnungen in die Verlängerung gehen oder erst spät im Elf-Meter-Schießen entschieden werden.

Die späteste Anstoßzeit wird 20 Uhr sein. In der Vorrunde betrifft das die Partien der deutschen Elf gegen Spanien am 27. November und Costa Rica (1. Dezember), die jeweils um 20 Uhr angepfiffen werden. Das Auftaktspiel der deutschen Mannschaft gegen Japan findet am 23. November schon um 14 Uhr statt. Ob und wie die Nationalmannschaft in den weiteren Runden spielen werden, steht erst nach der Vorrunde fest. Das WM-Endspiel beginnt am 18. Dezember bereits um 16 Uhr.