Corona, der Lockdown, die Kontaktbeschränkungen nerven nicht nur, sie können auch krank machen - psychisch krank. Viele Menschen leiden auf Grund der Ausnahmesituation vermehrt unter Ängsten, Depression, Einsamkeit oder auch Antriebslosigkeit auf Grund mangelnder Perspektiven.

Erste Anzeichen dieser Entwicklungen sollten in jedem Fall ernst genommen werden. Für Betroffene gibt es eine Vielzahl an Hilfsangeboten. Hier ein Überblick, aufgegliedert nach den wichtigsten Fragen und den dazugehörenden Angeboten und Antworten:

Wo melde ich mich, wenn ich sofort Hilfe brauche?

  • Im Fall einer akuten, potenziell lebensbedrohlichen Notlage, wie akuter Suizidgefahr oder häuslicher Gewalt, wählen Sie die Notrufnummer 110 für die Polizei oder die 112 für Rettungsdienst und Feuerwehr.
  • In akuten Notsituationen außerhalb der Sprechzeiten können Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter der Rufnummer 116 117 erreichen.
  • Als Sofortmaßnahme in einer psychischen Notsituation können Sie auch ein nahegelegenes Krankenhaus oder eine Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie aufsuchen.
  • Die TelefonSeelsorge ist kostenfrei und anonym unter der Nummer 0800.1110111 , 0800.1110222 oder 116123 oder per Mail und Chat rund um die Uhr erreichbar.

Wie überstehe ich häusliche Isolation und Quarantäne?

Frustration, Langeweile und Isolation können Stressreaktionen hervorrufen und dazu führen, dass wir uns niedergeschlagen und einsam fühlen. Die Deutsche Gesellschaft für Psychologie e.V. hat deshalb eine Checkliste zur Bewältigung von Isolation und Einsamkeit zusammengestellt. Außerdem finden Sie hier zahlreiche Tipps und Strategien zur Vermeidung von Lagerkoller in der Familie.

Besonders in großen Haushalten sollte darauf geachtet werden, die Bedürfnisse aller zu berücksichtigen. Gerade im Umgang mit Kindern und Jugendlichen ist besondere Rücksicht geboten. Ratsuchende können sich an das Elterntelefon des Vereins „Nummer gegen Kummer“ 0800.1110550 wenden.

Wo können sich Kinder melden, wenn sie Probleme haben?

Kinder und Jugendliche jeden Alters können Sich ans Kinder- und Jugendtelefon des Vereins „Nummer gegen Kummer“ 116111 wenden. Die Berater helfen dabei, Situationen, Probleme und Entwicklungsaufgaben besser zu bewältigen.

Auch die Jugend Notmail gibt es eine vertrauliche, kostenlose und professionelle Online-Beratung. Berater aus den Bereichen Psychologie und Sozialpädagogik bieten Hilfe bei Themen wie Depression, Selbstverletzung, Suizidgedanken, Gewalt, Mobbing, Missbrauch, familiäre Probleme oder Essstörungen.

Hier gibt es weitere Anlaufstellen für Kinder und Jugendliche in Notlagen.

Nummern für den Notfall
Nummern für den Notfall
© Foto: Land Baden-Württemberg

Was, wenn ich oder andere an Depressionen leiden?

Die Deutsche Depressionshilfe gibt einfache Tipps zur Aufrechterhaltung des Alltags. Das bundesweite Info-Telefon Depression hilft Betroffenen und Angehörigen beim Finden von Anlaufstellen und gibt Auskunft über krankheitsbezogene Informationen unter der Nummer 0800.3344533.

Zudem kann man sich mit anderen Betroffenen digital austauschen, z.B. im fachlich moderierten Online-Forum.

Junge Menschen können sich außerdem per Mail bei [U25] Deutschland oder Jugend Notmail beraten lassen.

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Wo bekomme ich Informationen bei häuslicher Gewalt?

Räumliche Enge kann zu Konflikten führen. Wichtig ist, dass aus Konflikten nie Aggression oder Gewalt resultieren.

Kostenlose telefonische Beratung und Hilfe bei häuslicher Gewalt findet man beim Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen 0800.116016, beim Hilfetelefon Gewalt an Männern 0800.1239900. Wenn man vorübergehend eine sichere Unterkunft benötigt, kann man trotz Kontaktbeschränkungen jederzeit ein Frauenhaus in der Nähe aufsuchen.

Auch Angehörige, Freunde, und Nachbarn können sich an die genannten telefonischen Beratungsstellen wenden – auch wenn sie sich unsicher sind, ob ein Verdacht auf häusliche Gewalt berechtigt ist.

Wie schaffe ich es, nicht den Mut zu verlieren?

Die aktuelle Situation kann überfordern und Angst- und Stressreaktionen hervorrufen. Das ist normal, denn die Pandemie bedeutet eine historisch einmalige Situation. Es ist wichtig, andere um Hilfe zu bitten und über Sorgen und Ängste zu sprechen. Nur wenn Mitmenschen wissen, wie es einem geht, können sie helfen.

Das Bundesministerium für Gesundheit gibt Auskunft darüber, wie man es schaffen kann, psychisch stabil zu bleiben und Gedanken und Gefühle zu bewältigen.

Die Deutsche Gesellschaft für Psychologie e.V. hat einige Schritte zur Überwindung negativer Gefühle und depressiver Verstimmungen zusammengestellt. Das Leibniz-Institut für Resilienzforschung gibt zudem weitere nützliche Tipps für ein besseres psychisches Wohlbefinden.

Was kann ich gegen Einsamkeit tun?

Viele Menschen leben allein oder haben durch Corona und die damit verbundenen Einschränkungen ihre sozialen Kontakte weitgehend oder womöglich komplett eingestellt.

Gerade wer älter ist und keinen Zugang zu digitalen Medien hat, kann schnell ein Gefühl von Einsamkeit bekommen. Einsamkeit schmerzt, denn sie geht mit Traurigkeit und Kontrollverlust einher. Und wenn der Zustand zu lange andauert, kann die Einsamkeit chronisch werden.

Die Deutsche Gesellschaft für Psychologie hat deshalb einige Tipps zusammengestellt, die helfen können, wenn man sich in der Corona-Zeit einsam fühlt oder eine von Einsamkeit betroffene Person kennt.

Versuchen Sie, den Kontakt zu anderen Menschen aufrechtzuerhalten, zum Beispiel über digitale Wege, Telefonanrufe und Briefe. Achten Sie auch auf Ihre Mitmenschen, wenn Sie das Gefühl haben, dass diese unter der Isolierung leiden. Einsamkeit ist ein Tabuthema und Betroffene trauen sich oftmals nicht, nach Unterstützung zu fragen.

Menschen über 60 können sich auch an das kostenlose und anonyme Silbertelefon wenden 0800 4 70 80 90 und Silbernetzfreundschaften mit anderen Senioren aufbauen. Weitere Informationen für ältere Menschen gibt es zudem beim Bundesgesundheitsministerium.

Benachbarte Menschen können sich in der Corona-Krise vernetzen und gegenseitig helfen. Wer bei der Hotline der Nachbarschaftshilfe anruft, kann seine Telefonnummer und Adresse angeben sowie die Art der benötigten Hilfe (z.B. Einkäufe erledigen, Spaziergänge mit dem Hund).

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Was tun, wenn ich Symptome verspüre?

Verfallen Sie nicht in Panik, wenn Sie Symptome verspüren, sondern gehen Sie schrittweise vor.

Nicht jedes Krankheitszeichen bedeutet eine Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung erklärt hier, wie Sie sich im Verdachtsfall verhalten sollten.

In seltenen Fällen können große Sorgen und Angst vor einer Ansteckung psychosomatische Symptome auslösen. Holen Sie sich in jedem Fall medizinischen Rat, zum Beispiel beim Hausarzt oder dem ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117.

Wie bewältige ich Existenz- und Zukunftsängste?

Die Folgen der Einschränkungen für die Wirtschaft sind groß. Auch wenn es viele finanzielle Hilfsmaßnahmen und -programme von Bund und Land gibt, bangen viele Menschen derzeit um ihre Existenz. Sich immer wieder auf neue Maßnahmen einstellen zu müssen, verstärkt das Gefühl der Unsicherheit, denn uns fehlen Planungssicherheit und Struktur.

Nummern für den Notfall
Nummern für den Notfall
© Foto: Land Baden-Württemberg

Informieren Sie sich genau über alle Hilfs- und Unterstützungsprogramme, um sich einen Überblick zu verschaffen und Perspektiven zu entwickeln. Diese finden Sie in den FAQ für Unternehmen und Beschäftigte alle Unterstützungsmaßnahmen für Arbeitnehmer, (Solo-)Selbstständige und Unternehmen.

Das Bundesministerium für Gesundheit empfiehlt darüber hinaus, Sorgen „zu Ende“ zu denken. Denn wenn wir uns sorgen, drehen wir uns häufig im Kreis und kommen nicht weiter. Was genau kann uns passieren und was können wir dann konkret tun? Welche Schritte können wir einleiten? So können Sie Bedenken gegebenenfalls entkräften und Perspektiven entwickeln.

Wie kann ich andere Menschen unterstützen?

Vielleicht merken Sie, dass die Situation für andere Menschen in Ihrem Umfeld besonders belastend ist. Gehen Sie auf Betroffene zu und fragen Sie gezielt, wie Sie helfen können.

Vielleicht können Sie bei der Strukturierung des Alltags unterstützen oder mit einem offenen Ohr zur Seite stehen. Das Bundesgesundheitsministerium gibt deshalb einige Anhaltspunkte zur Unterstützung besonders belasteter Personen.

Wenn Sie unsicher sind, ob und wie Sie helfen können und wenn Sie der Zustand Ihnen nahestehender Personen selbst belastet, können Sie sich beispielsweise beim „SeeleFon“ des Bundesverbands der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen per Email oder telefonisch (022871.002424) beraten lassen.

Wie finde ich Entlastung bei der Pflege von Angehörigen?

Pflegende Angehörige stehen in Zeiten der Pandemie unter hohem Druck, denn sie machen sich nicht nur Sorgen um die eigene Gesundheit, sondern sind sich auch der besonderen Verantwortung gegenüber pflegebedürftiger Angehörigen bewusst.

Sie finden bei der Deutschen Gesellschaft für Psychologie wertvolle Tipps zum Umgang mit Problemen pflegebedürftiger Menschen und Angehörigen in der Corona-Krise.

Das Pflegetelefon des Bundesfamilienministeriums berät anonym und vertraulich unter 030.20179131 und per Mail. Außerdem unterstützt das Projekt Pausentaste junge Pflegende mit gezielter Beratung und Information. Zahlreiche Tipps zum Schutz von pflegebedürftigen Angehörigen vor dem Coronavirus finden Sie bei der Stiftung Zentrum für Qualität in der Pflege.

Sie können sich auch bei der Interessenvertretung und Selbsthilfe pflegender Angehöriger „wir pflegen e.V.“ über eine App mit anderen pflegenden Angehörigen austauschen und sich vernetzen.

Beim Beratungstelefon der Alzheimer Gesellschaft Baden-Württemberg e.V. 0711.24849663 können Angehörige von Demenz-Patienten Entlastung finden. Betroffene haben oftmals Schwierigkeiten, die aktuelle Situation und die Kontaktbeschränkungen zu verstehen. Angehörige haben nur unter erschwerten Bedingungen Kontakt zum Pflegeheim. Dies führt zu vielfältigen Spannungen und die Sorgen nehmen zu.