Heidenheim / Karin Fuchs Nach einem Rekordjahr wird die Arbeitslosigkeit im Kreis Heidenheim weiter sinken, allerdings nicht mehr im gleichen Tempo. Welche Herausforderungen es gibt, beschreibt Agenturchef Elmar Zillert.

Rekorde hatte Elmar Zillert, Leiter der Agentur für Arbeit Aalen, parat, als er gestern die Bilanz über das Arbeitsmarktjahr 2018 zog. Ob sozialversicherungspflichtig Beschäftigte (im Landkreis Heidenheim 51286), neue Stellenangebote (4560) oder die durchschnittliche Arbeitslosenquote (3,8 Prozent): Die Zahlen waren noch nie so gut.

Um es anschaulich zu machen: In den vergangenen zehn Jahren wurden in Ostwürttemberg rund 25000 Stellen geschaffen. „Das sind mehr Einwohner als Ellwangen hat“, so Zillert. Am größten war der Anstieg der Beschäftigung im Ostalbkreis, allein im vorigen Jahr fast 3400 neue Beschäftigt. Im Landkreis Heidenheim war die Entwicklung etwas verhaltener mit nicht ganz 1000 sozialversicherungspflichtigen neu hinzu gekommenen Beschäftigten. „Aber immerhin noch positiv“, so Zillert.

Umso spannender ist die Frage, wie es 2019 weitergehen wird. Kurz gesagt: weiterhin positiv, wenn auch mit kleinen Dämpfern. „2019 werden wir erstmals den Fachkräftemangel merken“, so Zillert. Die Betriebe würden Aufträge nicht mehr annehmen können, weil sie das Personal nicht hätten.

Für das laufende Jahr erwarte die Agentur für Arbeit für Ostwürttemberg ein wirtschaftliches Wachstum von 1,6 bis 1,8 Prozent – nach von 1,9 Prozent im vorigen Jahr. Die Konsumnachfrage bleibe hoch, die Auftragsbücher voll. „Doch es gibt auch ein paar dunkle Flecken“, sagt Zillert und verweist auf die drohenden Handelsbeschränkungen und den Brexit.

Wie wirkt sich das auf neue Stellen aus? Einen erneuten Rekord werde es nicht mehr geben, so Zillert, dennoch rechne die Agentur mit 2500 bis 2700 neuen Stellen. Gleichzeitig wird die Zahl der Arbeitslosen um 300 bis 500 weiter sinken. „Ich denke, eher um 300, weil gleichzeitig die Flüchtlinge auf den Arbeitsmarkt kommen.“

Zum Vergleich: Im Kreis Heidenheim ist die Arbeitslosigkeit im Jahr 2018 um 600 gesunken. – so stark wie nirgendwo sonst in der Region. Wenig profitieren konnten allerdings die Arbeitslosen am Job-Center. 2700 Menschen in Heidenheim waren im Jahresmittel arbeitslos. In der gesamten Region ist der Bestand an Arbeitslosen um 13,4 Prozent gesunken, in Ellwangen gilt Vollbeschäftigung.

Was plant die die Agentur für Arbeit? Diese will, so Zillert, noch mehr nachfrageorientiert qualifizieren. Potenzial sieht Zillert zudem in Berufsrückkehrerinnen oder beim Aufstocken von Teilzeitkräften. Als drittes schaut man bei der Agentur auch auf Fachkräfte aus dem Ausland, wobei Zillert hier die Erwartungen dämpft: „Das Zuwanderungsgesetz allein wird nicht ausreichen.“ Denn Deutschland stehe im starken Wettbewerb mit anderen Ländern wie Schweden oder Norwegen. „Und wir sind nicht die Beliebtesten.“

Jeder dritte Job ersetzbar durch Automation

Der Strukturwandel durch die Digitalisierung nimmt laut Agentur für Arbeit an Dynamik zu. Die Region ist dabei besonders stark betroffen. Das ist das Ergebnis von Berechnungen eines Instituts der Agentur für Arbeit

35,4 Prozent der Beschäftigten im Landkreis Heidenheim könnten demnach schon jetzt durch Automation und Digitalisierung ersetzt werden. Im Ostalbkreis sind es 31,3 Prozent. Unterm Strich jedoch deutlich mehr als im Land, wo diese Kennzahl bei 27 Prozent liegt.

Das heißt jedoch nicht, so Agenturchef Elmer Zillert, dass diese Jobs wirklich wegfallen. Letztendlich spielten auch andere Fragen eine Rolle, ganz vorne die Wirtschaftlichkeit.