Heidenheim / Michael Brendel Das Jahr 1958 verabschiedet sich mit einem modischen Feuerwerk, 1959 beginnt mit einem Knalleffekt. Ein Blick ins Archiv der HZ.

60 Pfennig mehr als im Vorjahr verlangen die Weihnachtsbaumverkäufer im Dezember 1958. Zwischen einer und sechs Mark kosten die überwiegend aus der Gegend um Gmünd und aus dem Welzheimer Wald stammenden Exemplare. In geringerer Zahl werden sie auf dem Härtsfeld und in Privatwäldern rund um Heidenheim geschlagen. Alles andere als geneigt, den Markt zu bedienen, zeigt sich die staatliche Forstverwaltung. An den mühsam aufgepäppelten Fichten soll nicht schon nach wenigen Jahren die Axt angesetzt werden.

Der Preisanstieg ist in erster Linie auf höhere Löhne der Holzarbeiter zurückzuführen. Erwartungsgemäß will sich so mancher nicht damit abfinden und schickt sich deshalb an, sich bei Nacht und Nebel einen Baum im Wald zu besorgen. Ein unter Umständen teurer Spaß, drohen doch Strafen von bis zu 40 Mark. Und ein Schlag mit der moralischen Keule: „Interessant ist, dass die Baumdiebe oft zu den Leuten zählen“, ist in der Heidenheimer Zeitung zu lesen, „die es sich leisten können, einen Christbaum gut zu bezahlen.“

Bäckereien bleiben zu

Eine noch so hohe Summe könnte nichts an der Entscheidung ändern, am 27. Dezember, einem Samstag, die Bäckereien in Heidenheim und Giengen geschlossen zu halten. Damit soll auf die Überbeanspruchung der Mitarbeiter und ihrer Familien vor den Feiertagen regiert werden. Richtig so, kommentiert die HZ: In Anbetracht der großen Kuchen- und Gebäckmengen, die die Hausfrauen üblicherweise an Weihnachten backen, „sollte es möglich sein, vier Tage ohne frisches Brot zu überleben“.

Die Kreishandwerkerschaft bittet ihrerseits um Nachsicht, dass an Silvester Bäckereien, Metzgereien und Milchgeschäfte um 16 Uhr schließen. Dem auswärtigen Personal soll somit Gelegenheit gegeben werden, die Gottesdienste zu besuchen. Ohnehin prägt in diesen Tagen Nachsicht den Umgang miteinander. So kündigt Oberinspektor Maier vom Amt für öffentliche Ordnung an, man werde hinsichtlich des bevorstehenden Feuerwerks nicht päpstlicher sein als der Papst und etwa hinsichtlich der zeitlichen Beschränkungen Ausnahmen zulassen.

Diese Kulanz vermag freilich nicht zu verhindern, dass in der Hinteren Gasse ein Kanonenschlag die Alarmanlage der Stadtkasse auslöst. Kurz darauf ist ein Streifenwagen mit vier schwerbewaffneten Polizisten vor Ort. Zu ihrer Erleichterung ist der Geldschrank unversehrt, und auf den Straßen haben die Feiernden ihr Pulver alsbald verschossen.

Erst gar nicht Gebrauch machen zwei 15-Jährige, die am 29. Dezember ein Lebensmittelgeschäft in Mergelstetten überfallen, von ihrer mitgebrachten Scheintodpistole. Gegen 14 Uhr betreten sie den Laden und fordern von einer der Inhaberinnen Geld. Als diese nach ihrer Schwester ruft, verlässt die verhinderten Räuber der Mut, und sie nehmen Reißaus. Wenig später werden sie von der Polizei in einem Waldstück geschnappt. Seinen Eltern gegenüber hat einer der Jugendlichen zuvor angekündigt, ins Kino gehen zu wollen. Seinen Freunden berichtete er hingegen, er wolle sich Geld verschaffen, um in den bevorstehenden Osterferien nach Paris fahren zu können.

Aus der Reise in die Stadt der Liebe und der Mode wird nun nichts. Schade eigentlich, hätte sich der 15-Jährige stattdessen doch modische Tipps bei einer heiteren Runde holen können, die sich traditionell am ersten Weihnachtsfeiertag trifft: Die TSB-Krawattenschau führt auch diesmal im Jahnhaus zahlreiche Vereinsmitglieder und Prominente zusammen, und mit dem originellsten Schlips aus Eigenproduktion weiß Fritz Schmoll aufzuwarten. Sein aus Tannenzapfen zusammengesetzter Binder wird von der Jury mit dem ersten Platz und einem geräucherten Schweineschinken bedacht.

Krawatte aus Edelstahl

Auch nicht schlecht: die Collage von Heinz Pfeiffenberger aus Zigarrenbauchbinden, Zigarettenschachteln und dergleichen. Zum Lohn gibt's eine Flasche Wein. Dritter wird Karl Maier mit einer Edelstahlkrawatte, auf die er einen mit Armen und Beinen wackelnden Gartenzwerg genietet hat. Sein Preis: eine Wurst.

Völlig zufrieden mit einer Mütze Schlaf ist hingegen das erste Baby, das 1959 im Kreiskrankenhaus das Licht der Welt erblickt: Der neue Erdenbürger heißt Joseph, ist sieben Pfund schwer und hat bemerkenswerterweise am gleichen Tag Geburtstag wie seine Mutter.

Weshalb gerade 60?

Im Dezember 2008 war der Lokschuppen Schauplatz einer Festveranstaltung, bei der eine damals seit 60 Jahren bestehende freie und unabhängige Presse in Heidenheim im Mittelpunkt stand. An jenem Abend mischten sich Aus- und Rückblicke, und unter anderem wurde die Idee geboren, in regelmäßigen Abständen in Erinnerung zu rufen, worüber die HZ jeweils 60 Jahre zuvor berichtet hatte. Die Serie startete mit der Rückschau auf 1949, mittlerweile gilt das Augenmerk schon dem Jahr 1959. Und ein Ende ist nicht in Sicht.