Es ist dunkel, von überall kommen klingelnde Geräusche und der nächste Gewinn ist vermeintlich nur einen Knopfdruck entfernt. So in etwa ist die Atmosphäre in Spielhallen. Wer eintaucht, verbringt oft Stunden vor dem Automaten. Nicht nur die Zeit rinnt davon, auch das Geld wird immer weniger.

Im Podcast „Unterm Dach“ führt das Gespräch diesmal – im übertragenen Sinn – an diesen Ort.

Zwei Experten zum Thema Spielsucht am Mikrofon

Am Mikrofon sitzen zwei, die sich mit der Hölle der Spielhöllen auskennen: Im Interview mit HZ-Redakteurin Catrin Weykopf berichten Jürgen Sendermann, Psychologe in der Beratungs- und ambulanten Behandlungsstelle für Suchtkranke und Suchtgefährdete der Diakonie Heidenheim, sowie Harald aus der Heidenheimer Selbsthilfegruppe „Game over“, der seinen Nachnamen nicht in der Zeitung nennen möchte, weil er selbst gespielt hat und sich daraus eine Sucht entwickelte.

Jürgen Sendermann ist Suchtberater beim Diakonischen Werk Heidenheim. Er hat schon viele Spieler aus der Sucht herausbegleitet. Im Podcast berichtet er von typischen Verhaltensweisen von Spielern.
Jürgen Sendermann ist Suchtberater beim Diakonischen Werk Heidenheim. Er hat schon viele Spieler aus der Sucht herausbegleitet. Im Podcast berichtet er von typischen Verhaltensweisen von Spielern.
© Foto: Rudi Penk

Eine Dreiviertelstunde lang sprechen die drei im Podcast über den Reiz am Spielen und Gewinnen, über die Probleme, die dabei entstehen, über die Möglichkeiten, wie Angehörige damit umgehen können und welche Hilfsangebote es gibt.

Harald weiß als Betroffener, worunter Spielsüchtige leiden und welchen Wert ein Gewinn hat. Im Podcast berichtet er unter anderem, wie die Treffen der Heidenheimer Selbsthilfegruppe Game over ablaufen.
Harald weiß als Betroffener, worunter Spielsüchtige leiden und welchen Wert ein Gewinn hat. Im Podcast berichtet er unter anderem, wie die Treffen der Heidenheimer Selbsthilfegruppe Game over ablaufen.
© Foto: Rudi Penk

Hier den HZ-Podcast zum Thema Spielsucht in voller Länge anhören:

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Hier Auszüge aus dem Gespräch.

Catrin Weykopf: Wie ist das Gefühl beim ersten Gewinn? Und verändert sich das nach dem zweiten, dritten, vierten Mal?

Harald: Am Anfang ist es etwas ganz Besonderes, wirklich viel zu gewinnen. Es ist ja tatsächlich möglich, mit 500 Euro rauszugehen, wenn man vorher mit 50 Euro reingegangen ist. Aber man verliert später den Bezug dazu. Später steckt man das gewonnene Geld einfach wieder von Neuem in den Automaten. Man hat das Geld dann nur, um weiterspielen zu können.

Weykopf: Woran habe ich als Angehöriger denn die Chance zu erkennen, dass jemand spielt? Gibt es typische Anzeichen?

Sendermann: Außenstehende können den Eindruck bekommen, dass sich der Bekannte verändert. Man sieht ihn nicht mehr so oft. Spezifischer noch wird es, wenn jemand sich Geld leihen möchte. Oder wenn jemand sagt: Ich kann dies und das nicht bezahlen.

Weykopf: Ist das Fragen nach Geld typisch?

Sendermann: Ja. Nach Geld zu fragen, ist erst mal das Einfachste. Es kommt aber auch vor, dass Betroffene an fremdes Geld gehen. Zum Beispiel ans Portemonnaie der Partnerin. Spieler leihen sich aber auch Geld von anderen Spielern.

Harald: Ich würde sagen, das Nach-Geld-Fragen ist wirklich typisch. Bei fast allen. Besonders das kurzzeitige Fragen nach Geld, so nach dem Motto: „Ich zahle es dir dann zurück.“ Das ist wirklich sehr typisch.

Weykopf: Wie können Angehörige reagieren? Wie können sie auf den Spielenden zugehen? Sollen sie sagen: „Wir sehen uns kaum noch, wir waren ja schon so lange kein Bier mehr trinken oder haben schon so lange keinen Ausflug mehr gemacht“?

Sendermann: Es geht nicht darum, eine Beweisführung zu machen. Es geht eher darum, in einem positiven Sinne zum Ausdruck zu bringen, dass man sich Sorgen macht. Und es ist wichtig, dass ein Angehöriger das Signal gibt, dass die Beziehung deswegen nicht auf dem Spiel steht. Viele Spieler haben Angst, dass der Partner sich trennt oder die Freundschaft endet.

Harald: Ich denke auch, es ist definitiv eine Scham da, sobald Geld geflossen ist. Beispielsweise wenn man sich Geld geliehen hat bei demjenigen.

Weykopf: Kostet es etwas, in eine Beratung oder Selbsthilfegruppe zu gehen?

Sendermann und Harald: Nein. Das das ist kostenlos.

Spielsucht: Hilfe für Betroffene und Angehörige in Heidenheim:

Die Heidenheimer Selbsthilfegruppe „Game over“, Kontakt: Margrit Fuchs, Tel. 07324.6817 oder Tel. 0152.29233242, E-Mail: margrit@gamoever.jetzt, Web: www.gameover.jetzt

Beratungsstelle bei der Diakonie: Psychosoziale Beratungs- und ambulante Behandlungsstelle für Suchtkranke und Suchtgefährdete, Diakonisches Werk im evangelischen Kirchenbezirk Heidenheim,

Bahnhofstraße 33, 89518 Heidenheim, Tel. 07321.3594-21, E-Mail: psb@diakonie-heidenheim.de, Web: www.diakonie-heidenheim.de

Hilfe für Angehörige: Sowohl die Beratung der Diakonie als auch die Selbsthilfegruppe bieten auch Hilfe für Angehörige an.

Wege aus der Spielsucht: Hier gibt es Hilfe


Die Heidenheimer Selbsthilfegruppe „Game over“, Kontakt: Margrit Fuchs, Tel. 07324.6817, E-Mail: margrit@gamoever.jetzt, Web: www.gameover.jetzt

Beratungsstelle bei der Diakonie: Psychosoziale Beratungs- und ambulante Behandlungsstelle für Suchtkranke und Suchtgefährdete, Diakonisches Werk im evangelischen Kirchenbezirk Heidenheim,

Bahnhofstraße 33, 89518 Heidenheim, Tel. 07321.3594-2, E-Mail: psb@diakonie-heidenheim.de, Web: www.diakonie-heidenheim.de

Hilfe für Angehörige: Sowohl die Beratung der Diakonie als auch die Selbsthilfegruppe bieten auch Hilfe für Angehörige an.