Mit der Zucht seines Holsteiner-Hengstes Limbridge hat der Oggenhausener Ralf Pawlowski ein überaus glückliches Händchen bewiesen: Das Pferd wurde unter Springreiterin Jana Wargers ins Nationalteam berufen und tritt in dieser Woche bei den Weltmeisterschaften in Dänemark an.

Als die erste Stute von Ralf Pawlowski trächtig war und das Fohlen zur Welt brachte war er fasziniert und widmete sich von da an verstärkt der Zucht. Besonders begeistert war er von den Holsteinern. „Diese Pferde haben eine absolute Weltklassegenetik unter den Springpferden“, sagt der 53-Jährige.

Immer wieder wurde dem Züchter deshalb auch Limbridges Mutter, die Holsteiner Stute Ulla XV von Cambridge, zum Kauf angeboten. „Ich wusste aus welchem Stamm sie kommt, habe sie vor dem Kauf aber nicht gesehen“, sagt der Vorsitzende des Pferdezuchtvereins Heidenheim. Ulla sei in keinem besonders guten Zustand gewesen, als Pawlowski sie abholte. „Als wir im Frühjahr das zottelige Winterfell entfernt haben, kam eine ganz annehmbare Stute zum Vorschein“, erinnert er sich. Nach der Deckung durch den Holsteiner Hengst Limbus zeigte Christoph Kaufmann, der einen Ausbildungs- und Verkaufsstall bei Jettingen-Scheppach führt, Interesse an dem ungeborenen Fohlen.

„Limbridge kam an einen Sonntagmorgen zu Welt, am nächsten Tag kam Christoph Kaufmann und hat ihn mir abgekauft“, so Pawlowski, der auch Regionalsprecher des Pferdezuchtverbandes Baden-Württemberg ist. Über die Jahre hinweg verfolgte Pawlowski den Werdegang seines Hengstes genau und stand, so oft es eben ging, an seiner Seite.

Schon früh Erfolge erzielt

Kaufmann setzte sein ganzes Vertrauen in den brauen Hengst. So erzielte Limbridge bereits als junges Springpferd große Erfolge bei den Bundeschampionaten und platzierte sich auch auf internationalen Turnieren. „Christoph Kaufmann hat ihn sukzessive aufgebaut“, sagt Pawlowski. Der Weg führte den jungen Hengst auf die belgische Ashford Farm, auf der er von Jos Lansink entdeckt wurde, seines Zeichens Bundestrainer der niederländischen Springreiter. Danach kam der Holsteiner in prominente Hände: Zwischenzeitlich übernahm Eve Jobs, Tochter des verstorbenen Apple-Gründers Steve Jobs, den Hengst.

Großen Preis von Budapest gewonnen

Während der Corona-Pandemie kehrte Limbridge jedoch auf die Ashford Farm zurück. Seit vergangenem Jahr bilden er und seine deutsche Reiterin Wargers, die auf der Ashford Farm lebt und arbeitet und der Limbridge zur Hälfte gehört, ein Team. Mit Jana Wargers im Sattel gewann der Hengst den Großen Preis von Budapest, wurde Zweiter in Rom und war bei den Nationenpreisen immer bestes deutsches Pferd. Ein absoluter Glückgriff für Ross und Reiter. „Die beiden ergänzen sich wunderbar“, sagt Pawlowski, der mit Jana Wargers regelmäßig in Kontakt steht. „Limbridge ist bei ihr im Stall der König. Das genießt er natürlich.“

In der deutschen Nationalmannschaft

Ein Höhepunkt für Ralf Pawlowski war der CHIO Aachen. „Es ist eines der schwersten Turniere der Welt und Limbridge war in der Equipe der deutschen Nationalmannschaft“, sagt der 53-Jährige und ergänzt: „Es war ein absoluter Gänsehautmoment für mich, als Limbridge im Parcours war und mit dem deutschen Team den Nationenpreis gewonnen hat.“

In Aachen hatte er auch die Gelegenheit den Hengst, der nach seiner Geburt noch rund ein halbes Jahr in seinem Stall in Oggenhausen lebte, wiederzusehen und ihn zu streicheln. „Viele Züchter träumen von so einem Pferd. Ich kann ja am wenigsten dafür, dass er da steht, wo er jetzt ist, aber er ist trotzdem meine Zucht“, sagt Pawlowski stolz und wischt sich die Tränen aus den Augen.

Heute züchtet der 53-Jährige Dressurpferde. Einer seiner Hengste, der derzeit in Dänemark steht und ausgebildet wird, gilt als hoffungsvolles Talent. Jetzt steht für Ralf Pawlowski aber erst einmal die WM in Dänemark an. „Das wird geil.“

xxx


Jana Wargers und Limbridge treten am Donnerstag, 11. August, ab 13 Uhr zum ersten Umlauf des Nationenpreises an, der zweite Umlauf findet am Freitag, 12. August, um 21 Uhr statt. Das Finale der Einzelwertung im Springen folgt am Sonntag, 14. August, um 14 Uhr.

Schätzungen seines Züchters Ralf Pawlowski zufolge beträgt der Marktwert von Limbridge derzeit rund vier bis fünf Millionen Euro.

Pawlowski ist Vorsitzender des Pferdezuchtvereins Heidenheim und hat die Zahl der Mitglieder seit der Übernahme des Vereins vor sechs Jahren auf heute 180 verdoppelt.