Kreis Heidenheim / Arthur Penk Man müsste schon viele Zehntausend Euro im Autohaus liegen lassen, um derart viele Blicke auf sich zu ziehen, wie in diesem Gefährt:

Es steht samt Fahrer an der Ampel am Pressehaus, der nebenan schaut. Während er losfährt, schaut er immer noch. Man könnte drauf wetten: Er schaut sogar noch, obwohl er längst vorbeigezogen ist – durch den Rückspiegel.

Der Grund: Das knallrote Gefährt, das die Blicke derart anzieht, hat man im Kreis Heidenheim so wohl noch nicht gesehen. Das Ding heißt Packster, es wird vom Vertrieb der Heidenheimer Zeitung getestet. Was er kann, steht rechts unten. Was er könnte, folgt jetzt:

Und nein, dies ist nicht der xte Elektroauto-Fahrbericht, in dem es um entweder schier unerschwingliche, dafür schier perfekte Edelkarossen wie Tesla geht oder alternativ um Kompromiss-Kleinwagen, deren Reichweite – für viele immer noch – zu klein und deren Preis dafür noch zu hoch ist. Hier geht es um ein Thema, das bisher kaum auf dem Schirm ist: E-Nutzfahrzeuge. Doch wo der Rubel rollt, da entscheidet meistens die Vernunft. Und genau hier ist der akkubetriebene Paxster mit seinen niedrigen Betriebskosten unschlagbar.

Täglich fahren Hunderte Lieferwagen durch die Städte und Gemeinden im Kreis. Nicht alle transportieren gleich ein Sofa oder übergroße Pakete. Im Gegenteil: Es fahren unzählige Autos, die mit kleineren Dingen, wie Post, Pizza oder eben Zeitungen unterwegs sind, und zwar innerorts. Sie alle produzieren gesundheitsschädliche Stickoxide und CO2. Muss das sein?

Bis all diese transportierten Dinge mit Drohnen durch die Lande fliegen, wird es wohl noch dauern. Die Erfahrung zeigt schließlich, dass Innovationen aus dem Silicon Valley nicht unbedingt sofort ihren Weg ins Brenztal finden. Die Alternative also: E-Transporter. Kompakt, leise, für den kleinen Lieferverkehr geräumig genug. Das könnte zur Abwechslung tatsächlich mal die nächste Zukunft sein. Zumindest bei der HZ.

Wie fährt er sich? Zunächst Gewöhnungsbedürftig: Eine Mischung aus Motorroller und Quad. Das Fahrwerk ist starr, somit muss sich der Fahrer wie bei einem Zweirad in die Kurve legen, um nicht seitlich von der Sitzbank zu rutschen. Sobald man das beherrscht, kann der Spaß schon losgehen. Das Dach schützt vor Fahrtwind und Niederschlag. Für die kalte Jahreszeit hat der Paxster sogar beheizte Lenkergriffe. In Sachen Beschleunigung hat man zumindest gegenüber Zweitaktern gute Chancen. Bleibt man nämlich hinter so einem Stinker, merkt man erst, wie unangenehm deren Abgase duften. Und: Man kann durchaus zügig „Vollgas“ geben, vor Blitzern in 50er-Bereichen ist man sicher. Bei 47,3 km/h ist nämlich Schluss. Mehr braucht man aber auch nicht in der Stadt.

Nach knapp 80 Kilometern ist die Fahrt an diesem Tag zu Ende, der Akku zeigt nur noch einen von fünf Strichen. Schade. Steckdose anschließen und noch einen Blick auf das Gefährt das die Blicke anzieht – und das obwohl es weder edel noch teuer ist, sondern einfach nur ein praktischer, total vernünftiger Mini-Lieferwagen.

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Paxster: Alle wichtigen technischen Daten

Führerschein: Moped (ab 16), Helmpflicht

Höchstgeschwindigkeit: 45 km/h

Länge: 2320 mm

Breite: 1180 mm

Höhe: 1860 mm

Zuladung: 200 kg

Motorleistung: 4 kW

Reichweite: 40 – 100 km

Reifen: 145/70 R13

Batterien: Lithium-Ionen-Polymer

Netto-Preis: ab 14 500 Euro

Es sind drei Batterietypen erhältlich:

1. 100 Ah – 5,1 kW/h 40 – 60 km Reichweite

2. 180 Ah – 8,2 kW/h 55 – 85 km Reichweite

3. 180 Ah – 9,2 kW/h 60 – 100 km Reichweite

Bis zu 81 % geringere Verbrauchskosten

Bis zu 12 % geringere Lohnkosten

Der Paxster rühmt sich als „Wunder an Arbeitsergonomie“: Das bedeutet zum Beispiel einfaches Ein- und Aussteigen ohne Stufen oder Türen, das Zustellgut ist immer griffbereit ohne Bücken oder Strecken.

Mit 200 kg Zuladung sind die Touren länger und günstiger, verspricht der Hersteller. Vor dem Fahrer sind drei Boxen mit je 15 kg. Der Laderaum mit 670 Litern Stauraum im Heck gibt's auf Wunsch maßgeschneidert.

Die Fahrerkabine sorgt für sichere und komfortable Fahrt, mit großen Rädern und langen Federwegen steckt er auch Bordsteine locker weg. So kommt der Paxster fast überall hin. Aussteigen ist an vielen Briefkästen nicht mehr nötig.

Alle Angaben: DDV Mediengruppe