Der öffentliche Nahverkehr in Stadt und Kreis Heidenheim ist besser als sein Ruf, zumindest was den Busverkehr angeht. Zu diesem Schluss kommt eine Untersuchung des Kreisseniorenrats Heidenheim.

Rund 30 Mitglieder des Vereins hatten auf verschiedenen Routen des HVG-Streckennetzes im Dezember 2017 und Januar 2018 eine Reihe von Testfahrten unternommen. Die dabei gewonnenen Erfahrungen wurden in Fragebögen eingetragen, deren Auswertung jetzt der Heidenheimer Verkehrsgesellschaft vorgestellt worden ist. Dort zeigt man sich interessiert – und auch erfreut, denn das Resultat des ÖPNV-Checks bestätigt eine von dem Busunternehmen selbst vor Jahren vorgenommenen Zufriedenheits-Studie. In Schulnoten gerechnet, kam die Note 2,1 heraus, womit dem Busverkehr in Stadt und Kreis Heidenheim also ein insgesamt gutes Zeugnis ausgestellt wird.

„Der öffentliche Personennahverkehr ist besser als der Ruf, der durch die Beschwerden vermutet wurde,“ konstatiert Ingwald Schüßler vom Beirat des Kreisseniorenrates und wertet dies in Zeiten angedachter Fahrverbote als ein gutes, an viele Autofahrer gerichtetes Signal, doch darüber nachzudenken, öfter mal – auch für die Fahrt zum Arbeitsplatz – den Bus zu benutzen. Ausdrücklich freuen würde man sich, wenn man bei der Deutschen Bahn zu ähnlichen Ergebnissen kommen würde: „Aber das scheint in weiter Ferne zu liegen.“

Wenn die Bahn doch auch...

Also der Blick auf den Busverkehr. Der hat offenbar wenig Schwachstellen und ist nach Erkenntnissen der Testfahrgäste in der Regel pünktlich. Verzögerungen waren die Ausnahmen und blieben im überschaubaren Minutenbereich. Gut bis befriedigend wird die Barrierefreiheit beurteilt. In Einzelfällen erlebt man den Aus- und Einstieg mit Rollatoren trotz Absenkung des Busses als eher schwierig, und bemängelt wird, dass Busse der Beobachtung zufolge nur auf Verlangen abgesenkt werden. Die Busfahrer wurden als überwiegend freundlich und hilfsbereit bezeichnet; der Fahrstil bekam die Note Gut, und auch die Sauberkeit im Omnibus stieß fast durchweg auf Lob.

Im Blick auf die Haltestellen wünschen sich die Senioren mehr Sitzgelegenheiten, eine bessere Wetterfestigkeit – und überhaupt mehr von den Bushäuschen. Das Preis-Leistungs-Verhältnis wird im Wesentlichen als angemessen empfunden; einfache Fahrten hingegen wurden als zu teuer beurteilt. Mit eins bis zwei wurde die Routenfreundlichkeit der HVG benotet, die der Erfahrung zufolge auch abgelegene Stellen anfährt. Ausnahmen bestätigen die Regel: In Königsbronn müsse man bei mehreren Fahrtrouten umsteigen. Attestiert wurde, dass Stellplätze für Kinderwagen, Rollstühle und Rollatoren vorhanden sind, doch werden Feststellmöglichkeiten vermisst.

Gemischte Erlebnisse

Und dann gab's noch ganz persönliche Erlebnisse. „Selbst als ich nach einem Oberschenkelhalsbruch mit Krücken unterwegs war, wurde der Bus beim Aus- und Einstiegen nicht abgesenkt,“ so ein Kommentar. Ein anderer Fahrgast hingegen erlebte, wie sich ein Busfahrer vorbildlich um ein Kind gekümmert und so lange mit anderen Fahrern telefoniert hat, bis die Mutter gefunden war.

Auch wenn beim Testergebnis viel Subjektives mitschwingt, nimmt die Heidenheimer Verkehrsgesellschaft das ihr jetzt vom Kreisseniorenrat präsentierte Resultat sehr ernst. „Auf diese Weise lässt sich Potenzial herausfinden, wo wir noch besser werden können und worauf gerade ältere Fahrgäste Wert legen“, erklärt HVG Betriebsleiter Ralf Kuschel.

Die HVG in Kürze

Die Geburtsstunde der HVG schlug 1987. Sie wurde von der heute zur Transdev-Gruppe gehörenden Württembergischen Eisenbahn-Gesellschaft und dem Landkreis Heidenheim gegründet. Seit dieser Zeit erbringt die HVG rund 65Prozent der Nahverkehrsleistungen im Kreis.

Jedes Jahr befördert die HVG mit ihren 100 Mitarbeitern um die sechs Millionen Fahrgäste. Mit elf Regionallinien verbindet sie das Umland mit den Städten Heidenheim, Herbrechtingen und Giengen.

Der Fuhrpark umfasst aktuell 58 Omnibusse. Mit diesen 30 Solo-, 24 Gelenk- und vier Reisebussen werden im Laufe eines Jahres mehr als 2,4 Millionen Kilometer zurückgelegt.