Auch mit dem Kinderwagen oder Rollstuhl problemlos in den Bus einsteigen: Das soll an zehn weiteren Bushaltestellen im Heidenheimer Stadtgebiet ermöglicht werden. Der Technische Ausschuss des Gemeinderats hat dafür einen Auftrag über rund 244 000 Euro an die Firma Eckle aus Langenau vergeben. Die Stadt erwartet, dass die Hälfe der Kosten vom Land übernommen werden. Ein Förderantrag dafür wurde gestellt. Vom Regierungspräsidium wurde signalisiert, dass mit dem Bau begonnen werden kann, obwohl der Antrag noch nicht formal genehmigt ist.

Bis 2022 alles barrierefrei?

Gerhard Horlacher, Fachbereichsleiter Bauen bei der Stadtverwaltung, erläuterte, dass die Stadt eigentlich gesetzlich verpflichtet ist, alle 232 Bushaltestellen im Stadtgebiet bis 2022 barrierefrei umzubauen. Bei 74 ist das bereits geschehen, 30 kommen jetzt noch dazu. „Dann sind wir bei knapp der Hälfte“, so Horlacher. Allerdings gehe es den anderen Gemeinden auch so: „Ich kenne keine Stadt, die das schafft.“

Lage berücksichtigt

Die Prioritäten, welche Haltestellen zuerst umgebaut werden, seien zusammen mit dem Busbetreiber gesetzt worden. „Da geht es dann darum, ob beispielsweise ein Altenheim in der Nähe der Bushaltestelle ist“, erläuterte der Fachbereichsleiter. Auch das Einzugsgebiet der jeweiligen Haltestelle, deren Lage zu öffentlichen Einrichtungen, die Anzahl der anfahrenden Buslinien sowie das Fahrgastaufkommen wurden berücksichtigt. Die Planungen wurden außerdem mit der kommunalen Behindertenbeauftragten des Landkreises Heidenheim abgestimmt.

Außerdem wurden solche Bushaltestellen ausgewählt, die ohne extremen Planungsaufwand umgebaut werden können, da der Förderaufruf des Landes zum barrierefreien und behindertengerechten Umbau von Bushaltestellen sehr kurzfristig erfolgte.

Rillen für Sehbehinderte

An den Bushaltestellen wird ein sogenanntes Kasseler Sonderbord installiert, an das dann die Niederflurfahrzeuge sehr nah heranfahren. Deshalb muss auch die Einfahrtsspur für die Busse verlängert werden. Außerdem werden taktile Elemente mit vertieften Rillen in den Boden der Bushaltestelle eingebaut, an denen sich sehbehinderte Menschen orientieren können.

Der Umbau weiterer Bushaltestellen sei in Planung, so Birgit Baumann, Sprecherin der Stadt. Diese seien jedoch mit massiven Umbaumaßnahmen und extremem Planungs- und Abstimmungsaufwand verbunden. So müssen beispielsweise auch Bushaltestellen komplett verlegt werden, da an bestehenden Standorten ein Umbau höhenbedingt nicht möglich ist. Ein Megaprojekt im Umbau stellt der Zentrale Omnibusbahnhof (ZOB) dar.

Bordstein gegen Reifenverschleiß


Beim Einsatz von niederflurigen Bussen im öffentlichen Nahverkehr mit Einstiegsplattformen hat sich gezeigt, dass der Verschleiß der Reifen sich durch den Kontakt mit dem Bordstein extrem erhöht. Deshalb wurde in der Stadt Kassel eine Sonderbauform des Bordsteinprofils entwickelt, das Kasseler Sonderbord. Beim Kasseler Design ist der Bordstein besonders glatt und außerdem im Querschnitt gekrümmt, sodass ein Bus mit seinen Reifen ohne allzu großen Verschleiß darauf auflaufen kann. Die Oberseite des Profils ist rutschfest strukturiert und kann von Blinden und Sehbehinderten gut ertastet werden. Der helle Beton erzeugt einen hohen Kontrast zur Gehwegbefestigung und ist deshalb auch besser zu erkennen. Weil die Busse extrem dicht heranfahren können und das Bord die richtige Höhe hat, wird ein barrierefreier Zugang möglich.