Das Naturtheater war am Dienstag Schauplatz einer Premiere und zugleich einer Dernière: Zum ersten und voraussichtlich letzten Mal saßen die vier Kandidaten für den Posten des Oberbürgermeisters nebeneinander auf einem Podium. Trotz zeitweiliger Tonprobleme wurde dem Publikum dort weder ein Drama noch eine Tragödie geboten.

Zu sehen bekamen die rund 260 Anwesenden vielmehr einen über weite Strecken informativen Einakter mit einigen humoristischen Elementen.

Youtube Eindrücke von der OB-Kandidatenvorstellung im Heidenheimer Naturtheater

Für diese zeichnete vor allem Matthias Förster verantwortlich. Der 38-jährige IT-Berater fühlte sich nach anfänglicher Nervosität erkennbar wohl in seiner Rolle und nutzte das Eingeständnis, über keine politische Erfahrung zu verfügen, zu einer simplen Werbung in eigener Sache: „Sollten Sie vor der Urne stehen und nicht wissen, wen Sie wählen sollen, dann wählen Sie doch einfach mich.“

Die Befürchtung mancher Zuschauer, sie könnten es mit einem der scheinbar unvermeidlichen Spaßbewerber zu tun haben, zerstreute Förster schnell mit dem Hinweis auf den Grund seiner Kandidatur: Zum einen habe er als Zweiter seinen Hut in den Ring geworfen, um die anstehende Wahl überhaupt erst zu einer solchen zu machen. Zum anderen sollte sich seiner Überzeugung zufolge auch ein Heidenheimer um die Nachfolge von OB Bernhard Ilg bewerben, der die Veranstaltung leitete.

OB-Kandidat Matthias Förster
OB-Kandidat Matthias Förster
© Foto: Rudi Penk

Förster formulierte den Appell, möglichst viele sollten von ihrem Stimmrecht Gebrauch machen, denn eine Wahlbeteiligung von 26 Prozent wie bei der OB-Wahl 2015 seien „für eine so große Stadt wie Heidenheim erbärmlich“.

Gemeinschaftsgefühl soll wiederbelebt werden

Am Herzen liegt Förster, das durch Corona beeinträchtigte Gemeinschaftsgefühl zu beleben. Erreichen will er das durch Spielmöglichkeiten und gemeinnützige Einrichtungen in der enger mit der Hinteren Gasse verzahnten Fußgängerzone, die Wiederbelebung früherer Feste und den Ausbau der Infrastruktur im Schloss sowie den Ausbau digitaler Angebote mit Informationen über die Stadt.

Zupackend und entschlossen präsentierte sich Dr.Klaus Nopper (53). Der Fachanwalt für Steuerrecht spielte bewusst die Karte Bürgernähe. Er sagte regelmäßige Sprechstunden zu, denn eine Einbeziehung der Bürgerschaft sei Voraussetzung für erfolgreiche Kommunalpolitik. Politik sei seine Leidenschaft, und er gehe gerne auf Menschen zu.

Oberbürgermeisterwahl in Heidenheim Der erste Kandidat ist da: Dr. Klaus Nopper

Heidenheim

Und weshalb kandidiert er ausgerechnet in Heidenheim? Die Entscheidung sei keine Verlegenheitslösung, so Nopper: „Ich muss nicht, ich will.“ Heidenheim habe er sich bewusst ausgesucht, weil es sich um eine besondere Stadt handele, die im Verhältnis zu ihrer Größe überproportional viel biete und durch die Menschen geprägt werde. Diese seien „Schaffer, ehrlich und direkt.“

OB-Kandidat Dr. Klaus Nopper
OB-Kandidat Dr. Klaus Nopper
© Foto: Rudi Penk

Darüber hinaus wartete Nopper mit einer langen Liste von Absichtserklärungen auf. Breiten Raum nahm die Neuausrichtung der Innenstadt mit einer verbesserten Aufenthaltsqualität ein.

Im Detail nannte Nopper die Beseitigung von Leerständen, ein Beleuchtungskonzept, Spielflächen, flexibles Handeln in Bezug auf Außenbewirtung, Ausgehmöglichkeiten für die Jugend, ein gastronomisches Angebot im Schloss, ausreichend Wohnraum für alle Einkommen sowie Sicherheit und Sauberkeit einschließlich einer erweiterten Schulsozialarbeit.

Augenmerk gilt der Nachhaltigkeit

Besonderes Augenmerk will er der Nachhaltigkeit zukommen lassen. Dazu gehörten Technologieoffenheit beim Klimaschutz, der Einsatz regenerativer Energien und ein Miteinander aller Verkehrsträger.

Michael Salomo gab sich souverän und routiniert. Er betonte seine einschlägige Erfahrung aus gut siebenjähriger Bürgermeistertätigkeit in Haßmersheim. Zugleich verwies der 32-Jährige immer wieder auf die Vielzahl seiner in Heidenheim geführten Gespräche und stellte Detailkenntnis hinsichtlich der örtlichen Gegebenheiten unter Beweis.

Dem an Oberbürgermeister Bernhard Ilg gerichteten Dank für das in den vergangenen beiden Jahrzehnten Geleistete ließ Salomo die Zielsetzung folgen, die Vorreiterrolle der Stadt weiter auszubauen. Auch er legte Wert darauf, dabei auf die Beteiligung der Bürger zu setzen und ihre Gedanken zu berücksichtigen: „Ich möchte Ihnen das Angebot machen, dass wir zusammen auf Augenhöhe diese Stadt voranbringen.“

OB-Kandidat Michael Salomo
OB-Kandidat Michael Salomo
© Foto: Rudi Penk

Eine wichtige Rolle in dem Bemühen, jeden Einzelnen ein Leben lang an der Gesellschaft teilhaben zu lassen, misst er den Vereinen zu, da sie Identität und Heimat stifteten. Eine Belebung der Innenstadt sieht Salomo untrennbar mit bezahlbarem Wohnraum verbunden, „weil die Menschen nur dann hier auch Geld ausgeben und den Einzelhandel unterstützen können“. Unter diesem Aspekt müssten auch Entscheidungen zur Lenkung der Verkehrsströme gesehen werden, denn weniger Verkehr an gewissen Stellen bedeute möglicherweise weniger Kaufkraft.

Jugendliche sollen Treffpunkt erhalten

Salomo will ausdrücklich auch Jugendlichen eine Heimat bieten und „sie nicht von Parkplätzen vertreiben, sondern ihnen einen Platz zur Verfügung stellen, an dem sie sich treffen können“.

Möbelproduzent Matthias Ludewig versprach für den Fall seiner Wahl eine „Politik des offenen Ohrs“, die darauf abziele, die Spaltung der Gesellschaft zu überwinden und auch Minderheiten zu hören. Im Diskurs mit den Bürgern müssten Lösungen für die drängendsten Probleme gefunden werden, sagte der 43-Jährige.

Oberbürgermeisterwahl in Heidenheim Matthias Ludewig ist der vierte Mann im Rennen

Heidenheim

Zur Aufwertung der Innenstadt schlug er eine Markthalle mit regionalem Angebot, preiswerte Parkmöglichkeiten, einen kostenlosen ÖPNV, einen Stadtbach und Spielgelegenheiten vor. Hinzukommen müssten „bezahlbarer Wohnraum, um den sozialen Frieden zu wahren“, Mietzuschüsse für kleine Läden und Verhandlungen mit Gebäudeeigentümern, um Mietnachlässe zu erwirken. Finanzieren möchte Ludewig das über Steuereinnahmen und eine wachsende überregionale Attraktivität Heidenheims.

OB-Kandidat Matthias Ludewig
OB-Kandidat Matthias Ludewig
© Foto: Rudi Penk

Fragen aus dem Publikum und aus dem Netz

Die Gäste aus dem Publikum im Naturtheater wie auch die Online-Teilnehmer hatten die Möglichkeit, den Bewerbern Fragen zu stellen. Unter anderem ging es darum, wie und wo Gewerbegrundstücke geschaffen werden könnten und wie die Kandidaten sich vorstellen, Unternehmen nach Heidenheim zu ziehen.

Für Nopper ist es wichtig, Augen und Ohren offenzuhalten nach attraktiven Unternehmen, die neue Standorte suchen. Als mögliche Fläche brachte er das Stowe-Woodward- Areal zur Sprache. Förster betonte, dass es wichtig sei, die Stadt attraktiv zu machen, damit sich die Mitarbeiter der Firmen hier wohlfühlten.

Salomo ist der Ansicht, dass es hilfreich sein könnte, wenn die Stadt Flächen kauft und erschließt, um sie Gewerbetreibenden anzubieten. In diesem Kontext sei auch eine durchdachte Verkehrsstrategie gefragt. Ludewig würde sich innerorts nach freien verfügbaren Flächen umschauen und sie der Wirtschaft anbieten.

Klares Votum für ein Kinderfest

Ein Thema, das viele Heidenheimer noch immer beschäftigt, ist das Kinderfest. Salomo betonte, dass die Abschaffung des zentralen Festes auf Wunsch der Schulen wegen organisatorischer Probleme beschlossen worden sei. Er würde auf die Schulen zugehen und nach neuen Wegen suchen. Für Ludewig sind Kinderfeste ebenfalls sehr wichtig, er könnte sich vorstellen, die Bürger bei der Organisation mit einzubeziehen.

Nopper schlug vor, nach neuen Formaten zu suchen, um Kinder und Familien wieder dafür zu begeistern. Auch Förster ist der Ansicht, dass es wieder ein solches Fest geben sollte, weil es auch Sicht der Kinder wichtig sei.

Nach dem Unterschied zu den anderen Kandidaten befragt, antwortete Ludewig, er wolle auf jeden Fall mehr Bürgerbeteiligung auf basisdemokratische Art und Weise einführen. Außerdem habe er ein gutes Gespür für die Stadt und den Einzelhandel. Nopper sieht seine Vorteile in der Kombination aus beruflicher Erfahrung und Kontaktfreude.

Unterschiedliche Selbsteinschätzung der Kandidaten

Förster nannte als Plus, Heidenheimer zu sein. Auch er führte seine beruflichen Erfahrungen in unterschiedlichen Bereichen ins Feld, die es ihm ermöglichten, Vieles aus unterschiedlichen Blickwinkeln anzugehen. Salomo will in erster Linie mit seiner Verwaltungserfahrung und seinem guten Netzwerk überzeugen. Er führte auch die menschliche Komponente ins Feld, denn er habe als Rettungssanitäter viele Erfahrungen gemacht.

Angesprochen auf die Ortschaften Oggenhausen und Großkuchen sagte Förster, er würde versuchen, die Infrastruktur zu verbessern, sowohl was Läden, als auch was Busverbindungen betrifft. Beide Orte seien sehr schön, böten für Familien aber zu wenig.

Salomo betonte, dass er die unechte Teilortswahl für wichtig hält, damit die Ortschaften auch im Gemeinderat vertreten sind. Er könnte sich vorstellen, in jedem Teilort die Vorteile herauszuarbeiten und so Attraktionen für Besucher zu schaffen. Die Ideen müssten jedoch aus den Ortschaften kommen. Ludewig würde sich die Belange und Wünsche der Bewohner anhören und Gespräche führen, um nach Verbesserungen zu suchen.

Auch Nopper steht positiv zur unechten Teilortswahl und bezeichnete die Ortschaften als kleine Paradiese. Jedoch müsse wieder für Einzelhandel vor Ort gesorgt werden.

OB-Kandidatenvorstellung im Heidenheimer Naturtheater

Bildergalerie OB-Kandidatenvorstellung im Heidenheimer Naturtheater

Beseitigung von Leerständen als wichtige Aufgabe

Nach möglichen Maßnahmen gegen die vielen Leerstände in der Stadt befragt, antwortete Salomo, dass ein Konzept erarbeitet werden könnte, in dem unterschiedliche Gastronomen zusammenarbeiten, um die Attraktivität der Innenstadt zu erhöhen. Er könnte sich auch vorstellen, den Vereinen leerstehende Räume anzubieten.

Ludewig würde auf spezielle, kleinere und regionale Geschäfte und Gastronomie setzten und auf diese Weise ein neues Zentrum entstehen lassen, in dem sich die Menschen wohlfühlen, in dem sie sich aber auch etwas leisten können.

Nopper hält eine moderne, ansprechende Architektur für notwendig und würde das gesetzliche Vorkaufsrecht der Stadt nutzen. Außerdem gelte es, Nutzungskonzepte mit den Gebäudeeigentümern zu erarbeiten und damit Vermieter und potenzielle Mieter zusammenzubringen. Förster könnte sich vorstellen, die Fußgängerzone zu verkürzen, um so ein Zentrum zu schaffen, in dem es attraktive Läden und Fassaden gibt.

Forderung nach bezahlbarem Wohnraum

Was sie sich unter bezahlbarem Wohnen vorstellen und wie es finanziert werden könnte, war eine weitere Frage. Försters Ansicht nach sollte sich jeder entsprechend seinem Einkommen ein Haus oder eine Wohnung leisten können. Die Verwaltung könne Wohnraum bereitstellen, die Stadt müsse dafür Immobilien kaufen und soziale Wohnbauprojekte fördern und initiieren.

Salomo zufolge könnte es helfen, wenn der Wohnungsmarkt ein eigener Wirtschaftskreislauf sei, also wenn die Stadt aus Mieteinnahmen eigener bezahlbarer Wohnungen weiteren Wohnraum schafft. Ludewig betonte, die Mieten müssten in einem angemessenen Verhältnis zu den Einkommen stehen. Dafür müsse die Stadt geförderte Wohnungen schaffen.

Nopper sieht Heidenheim, was die Mietpreise betrifft, noch verhältnismäßig gut aufgestellt, doch müsse es anteilsmäßig geförderte Wohnungen geben. Der Durchschnittsverdiener müsse sich Wohnraum nach seiner Vorstellung leisten können, die Stadt habe bei Neubauprojekten verpflichtend einen Anteil an geförderten Wohnungen einzufordern.

Integration genießt hohen Stellenwert

Die Förderung der Integration ist für Ludewig ein wichtiges Thema. Er will Zuwanderern die bestmögliche Unterstützung bieten. Nopper sagte, man habe keine andere Wahl als aufeinander zuzugehen. Wichtig seien die Bildungseinrichtungen für Kinder, der Dialog müsse verstärkt werden, aber Integration brauche auch klare Regeln, an die sich alle halten.

Für Förster ist es wichtig, die unterschiedlichen Nationalitäten und Gruppen in die Gesellschaft einzubinden, auch über die Vereine. Es gebe in Heidenheim Menschen aus vielen Nationen und denen müsse man signalisieren, dass sie willkommen seien, wenn sie mitmachen wollen. Salomo sprach ebenfalls von der großen Bedeutung der Integration für die Gesellschaft. Er betonte, dass dabei alle nach den gleichen Regeln spielen müssten.

Aufzeichnung der Kandidatenvorstellung im Internet


Öffentliche Termine, bei denen die OB-Kandidaten auf sich und ihre Programme aufmerksam machen können, finden aktuell überwiegend in kleinerem Rahmen statt. Dafür sind die Bewerber mit zahlreichen Plakaten im Stadtbild präsent. Das Ordnungsamt genehmigte für Dr. Klaus Nopper wie auch für Michael Salomo jeweils 300 Exemplare, bei Matthias Ludewig sind es 200, bei Matthias Förster 60. Hinzu kommen acht Großflächenplakate von Nopper und deren sieben von Salomo.

Eine Aufzeichnung der Kandidatenvorstellung ist bis zur Wahl eines neuen OB auf dem Youtube-Kanal der Stadt zu sehen. Ein Link auf der Internetseite heidenheim.de/obwahl führt direkt zum Video.

Die HZ bietet einen kostenlosen Newsletter zur Heidenheimer OB-Wahl am 20. Juni wie auch zu weiteren Wahlen mit regionalem Bezug an. Anmeldung unter hz.de/newsletter.