Kreis Heidenheim / cat Es ist ein wichtiger Etappensieg bei der Eindämmung der Corona-Pandemie: Der Kreis Heidenheim hat aktuell keine amtlich gemeldeten infizierten Covid-19-Patienten mehr.

Am 4. März 2020 wurde im Kreis Heidenheim der erste Covid-19-Patient gemeldet. Damit war das Coronavirus in Heidenheim angekommen. Mehr als vier Monate später, am Freitag, 10. Juli, meldet das Landratsamt nun: keine aktiven Fälle mehr. Zumindest, was die Zahl der amtlich bekannten Infektionen angeht, gibt es somit aktuell und vorläufig keine Person mehr, die mit Sars-Cov-2 infiziert ist.

Insgesamt mehr als vier Monate hat es somit gedauert, die Pandemie im Landkreis fürs Erste einzudämmen. Insgesamt waren seit 4. März 514 Personen seitens des Gesundheitsamts als inifiziert gemeldet worden. 41 Personen sind in Zusammenhang mit dem Virus gestorben.

  • Einen Überblick über die Gesamtzahlen, aufgeschlüsselt nach Gemeinden sowie die Verlauf der Infektionskurve finden Sie hier:

Nahezu täglich verändert sich die Zahl der vom Landratsamt bestätigten Coronavirus-Infektionen im Kreis Heidenheim. Hier der aktuelle Stand, die Entwicklung der Gesamtzahl sowie die Aufschlüsselung nach Gemeinden:

  • Einen Vergleich zwischen dem bisherigen Verlauf des Coronavirus und der Grippewelle 2019/20 im Kreis Heidenheim finden Sie hier:

Wie viele Menschen sind 2019/20 an Influenza und wie viele an Corona erkrankt? Wie alt waren sie? An welcher Krankheit sind mehr Menschen gestorben und wie alt waren sie? Der große Überblick:

  • Den langen Weg, seit Corona seine ersten Schatten auf den Landkreis warf, bis es zum Lockdown kam und dieser schließlich gelockert wurde, können Sie in dieser ausführlichen Chronologie nachverfolgen:

Ein Virus hält die Welt in Atem. Auch im Kreis Heidenheim waren und sind die Auswirkungen von Covid-19 zu spüren. Ein Überblick über die bisherigen Ereignisse – vom ersten Corona-Fall in Heidenheim im März 2020 bis heute.

  • Eine erste Bilanz des Heidenheimer Gesundheitsamts zur ersten Infektionswelle des Coronavirus im Kreis Heidenheim lesen Sie hier:

Leiter des Heidenheimer Gesundheitsamts im Interview Was passiert, wenn die zweite Corona-Welle kommt?

Christoph Bauer, Leiter des Heidenheimer Gesundheitsamtes, berichtet, was man aus der Corona-Pandemie bisher gelernt hat und welche Maßnahmen aktuell laufen.

Die baden-württembergische Landesregierung hat am Freitag, 19. Juni, zudem eine Art vorläufige Bilanz gezogen, wo man sich aktuell insgesamt landesweit mit den Infektionszahlen befindet und was das für die weiteren Schutzmaßnahmen bedeutet.

Hier ein Auszug aus der Bilanz, die hier in voller Länge zu finden ist:

Seitens des Landes bilanziert man: „Die Infektionszahlen sind glücklicherweise in Baden-Württemberg stabil im unteren zweistelligen Bereich.“

Warum gelten aber trotzdem weiter Maßnahmen wie die Maskenpflicht beim Einkaufen oder im Nahverkehr?

Die Antwort lautet: „Das Heimtückische an einer Virus-Epidemie ist, dass sie sich exponentiell verbreitet. Stark vereinfacht gesprochen bedeutet das, einer steckt zwei an, zwei stecken vier an, vier stecken acht an, acht stecken 16 an und so weiter. Das passiert vor allem dort, wo viele Menschen in geschlossenen Räumen zusammenkommen. Tanzen, Singen oder auch Sport – also Tätigkeiten bei denen es eine erhöhte Aerosol-Produktion gibt – steigern das Infektionsrisiko deutlich.“

Masken wie Unterwäsche behandeln

Daher müssten weiter auf Hygiene- und Abstandsregeln geachtet werden, so die Landesregierung. „Dort, wo wir keinen Abstand halten können, müssen wir leider auch weiter Masken tragen.“

Zahlreiche Studien hätten gerade in jüngster Zeit gezeigt, dass auch einfache Masken das Infektionsrisiko deutlich senken können (Hier geht’s zu den Links zu den Studien).

Auch hat das Land eine Empfehlung, wie mit Masken umzugehen ist: „Eine Faustregel: Behandeln Sie die Masken wie Unterwäsche. Lassen Sie nichts raushängen, wechseln Sie sie regelmäßig, legen sie getragene Masken nicht auf Tische oder Anrichten und zerknüllen Sie getragene Masken nicht in der Hand. Fassen Sie die Maske nur an den Trägern oder Haltebändern an.“

Nur wenige Personen haben das Virus nach Baden-Württemberg eingeschleppt

Die geringe Zahl von Infizierten bedeute zudem nicht, dass wir die Pandemie hinter uns haben und sie jetzt langsam von allein abklingt, heißt es weiter. „Denn am Anfang ging die weltweite Verbreitung von wahrscheinlich einer oder ein paar Personen aus. Auch nach Baden-Württemberg kam das Virus nur durch zur Bevölkerung gesehen vergleichsweise wenige Personen. Binnen kürzester Zeit hatten wir in Baden-Württemberg täglich vierstellige bestätigte neue Fälle“, so die Landesregierung.

Nur Kontaktbeschränkungen hätten Wirkung gezeigt

Diese Dynamik habe sich nur durch die zu Beginn sehr strikten Kontaktbeschränkungen und Schließungen in den Griff bekommen lassen.

Einen klaren Beleg dafür sieht die Landesregierung in der Rückschau auf die Entwicklung der Infektionszahlen.

In der Kalenderwoche (KW) 12 (16. bis 22. März) – also zu Beginn der Schulschließungen, des weitestgehenden Verbots jeglicher Veranstaltungen und der Kontaktbeschränkungen – habe es 22 420 Neuinfektionen in Deutschland gegeben.

  • KW 13 (23. bis 29. März): 34 000
  • KW 14 (30. März bis 5. April): 36 103
  • KW 15 (6. bis 12. April): 27 179
  • KW 16 (13. bis 19. April): 17 345
  • KW 17 (20. bis 26. April): 12 410
  • KW 18 (27. April bis 3. Mai): 7454
  • KW 19 (4. bis 10. Mai): 6235
  • KW 20 (11. bis 17. Mai): 4729
  • KW 21 (18. bis 24. Mai): 3605
  • KW 22 (25. bis 31. Mai): 3125

(Quelle: Robert Koch-Institut)

Hier zeige sich deutlich, dass bis zu Beginn der Kontaktbeschränkungen die Zahlen massiv angestiegen sind und erst ab der KW 15 wieder rückläufig waren, heißt es in der Bilanz der Landesregierung.

Durch die lange Inkubations- und Diagnosezeit von bis zu zwei bis drei Wochen, zeige sich die Wirkung einer Maßnahme nur mit eben dieser Verzögerung – die Personen, die in der KW 16 diagnostiziert wurden, hätten sich höchstwahrscheinlich in der KW 13 oder 14 angesteckt.

Es sei also eindeutig an den Zahlen abzulesen, so die Landesregierung in ihrer Bilanz, dass die Kontaktbeschränkungen einen erheblichen Teil dazu beigetragen haben, die Neuinfektionen zu reduzieren.

Auch gebe es schon erste Untersuchungen dazu, warum wir vergleichsweise gut durch die erste Phase der Krise gekommen sind. Eine Untersuchung in der renommierten Wissenschaftszeitschrift Science (englisch) kommt zum Ergebnis, dass nur wirksame Kontakteinschränkungen die positiven Ergebnisse ermöglicht haben: „Weniger starke Einschränkungen hätten die Ausbreitung des Virus nicht verhindert. Und ein späterer Beginn hätte eine Ausbreitung nicht mehr verhindert“, so heißt es abschließend.