Gemeinsam bilden Notfallseelsorge und Kriseninterventionsdienst die „Arbeitsgemeinschaft Psychosoziale Notfallversorgung“ (AG PSNV). 74 Einsätze wurden im Jahr 2019 im Landkreis gezählt, die Mehrzahl im Zusammenhang mit plötzlichen Todesfällen im häuslichen Bereich.

Doch auch die Begleitung der Polizei bei der Überbringung von Todesnachrichten, die Betreuung von Angehörigen und Betroffenen nach Verkehrsunfällen und Einsätze im Zusammenhang mit Suiziden haben die Notfallseelsorger und psychosozialen Helfer im vergangenen Jahr beschäftigt.

Pfarrer Rolf Wachter, Sprecher der Notfallseelsorge, stellt fest: „Der plötzliche und unerwartete Tod eines nahestehenden Menschen kann eine traumatische Erfahrung sein. Psychosoziale Unterstützung von Betroffenen hat sich mittlerweile zu einem Standard entwickelt. Während die Notfallseelsorge in den ersten Jahren ihres Bestehens jährlich etwa 30 bis 40 Einsätze hatte, haben sich die Einsatzzahlen in den letzten Jahren etwa verdoppelt.“

Die zunehmende Bedeutung der PSNV spiegelt sich auch darin wider, dass in den zurückliegenden Jahren zahlreiche Standards auf Bundes- und Länderebene gesetzt wurden, zum Beispiel zur Ausbildung von Ehrenamtlichen oder die Einbindung von PSNV-Kräften bei Großschadensereignissen.

Frage nach dauerhafter Finanzierung

Wachter weist darauf hin, dass dies auch mit einem steigenden finanziellen und personellen Aufwand verbunden sei: „Aktuell erhalten wir von der Evangelischen Landeskirche eine Anschubfinanzierung, auch die Diözese Rottenburg-Stuttgart unterstützt die Arbeit der Notfallseelsorge, ebenso wie das DRK den Kriseninterventionsdienst finanziell fördert. Auch der Landkreis Heidenheim zahlt uns einen Zuschuss.“ Auf Dauer werde man aber nochmals genau hinschauen müssen, wie die Arbeit finanziert werden kann.

Noch dringender als die Frage der Finanzierung aber sei personelle Unterstützung. Holger Loock, Leiter des Kriseninterventionsdienstes des DRK, berichtet: „Wir vom Kriseninterventionsdienst arbeiten alle ehrenamtlich. Im Gegensatz zu Feuerwehrangehörigen haben unsere Einsatzkräfte keinen Anspruch auf Freistellung von der Arbeit.“ Trotz Entgegenkommen der Arbeitgeber sei es manchmal eine große Herausforderung, einen lückenlosen Dienstplan zu erstellen.“

Ehrenamtliche Mitarbeiter gesucht

Bei der Notfallseelsorge sind aktuell die meisten Mitarbeiter hauptamtlich als Pfarrer oder Pastoralreferenten tätig. „Die Kirche hat ja ein Interesse, dass wir diese Aufgabe übernehmen, und stellt uns entsprechend frei“, sagt Wachter. Doch man merke die Stellenkürzungen der letzten Jahre. Daher wolle man nun verstärkt auch Ehrenamtliche für die Mitarbeit in der Notfallseelsorge gewinnen: „Ein erstes Konzept dazu haben wir schon vor Jahren erstellt“, ergänzt Pfarrer Michael Williamson, der ebenfalls dem Sprecherteam der Notfallseelsorge angehört. „Wir suchen Menschen, die gerne anderen helfen wollen, die gut zuhören können und körperlich und psychisch belastbar sind.“

Im kommenden Jahr solle erstmals im Landkreis Heidenheim ein Ausbildungskurs für Ehrenamtliche in der Notfallseelsorge stattfinden. Am Mittwoch, 14. Oktober, 19.30 Uhr, findet ein Infoabend im Haus der Evangelischen Kirche, Bahnhofstr. 33, statt.