Heidenheim / Andreas Uitz An der Heidenheimer Härtsfeldstraße beginnen noch vor Weihnachten die Bauarbeiten für ein Apartmenthaus. Es soll Mitte 2020 fertiggestellt sein.

Seit April ist die frühere Waldhorn-Brauerei Geschichte. Eigentlich ist sie des schon seit Jahrzehnten, doch die markanten, hochaufragenden Gebäude prägten noch viele Jahre nach der Schließung das Bild im Bereich der Härtsfeldstraße.

Über mehrere Monate hinweg war die Ruine abgerissen worden, nachdem das Gelände frei war, mussten Bodenuntersuchungen vorgenommen werden. Denn der Grund, auf dem die Brauerei stand, besteht im Wesentlichen aus Fels. Nachdem sich herausgestellt hatte, dass der Untergrund geeignet ist, gingen die Planungen für die künftige Nutzung richtig los.

Stadtwerke sind der Bauherr

Die Stadtwerke werden bei diesem Bauprojekt erste Schritte in einem neuen Segment wagen, das in den kommenden Jahren ein weiteres Standbein des Unternehmens werden soll: die Bauwirtschaft. Gemeinsam mit der fränkischen Unternehmensgruppe Kehrberger wollen die Stadtwerke an der Härtsfeldstraße einen große Komplex errichten, in dem insgesamt 135 moderne Studenten-Apartments entstehen sollen. Geplant sind 130 Einzel-Apartments mit einer Wohnfläche zwischen 25 und 30 Quadratmetern, hinzu kommen noch fünf Doppelapartments, die knapp 50 Quadratmeter aufweisen.

Die Bauherren setzten vor allen Dingen auf die räumliche Nähe zur Dualen Hochschule. Da diese auch in Zukunft weiter wachsen wird, und auch die Errichtung eines Campus und eines zweiten DH-Gebäudes geplant ist, steigt sicherlich auch der Bedarf an studentischem Wohnraum.

Das Grundstück, das rund 4700 Quadratmeter groß ist, wird in weiten Teilen überbaut. Nach Auskunft der Stadtwerke sollen in den drei separaten Gebäuden, die miteinander verbunden sind, insgesamt mehr als 4000 Quadratmeter reine Wohnfläche geschaffen werden. Die Geschossfläche beträgt 5970 Quadratmeter. In dem Apartment-Gebäude sind neben den kleinen Wohnungen auch Gemeinschaftsflächen vorgesehen.

In zwei Untergeschossen sollen diese Gemeinschaftsflächen sowie eine Tiefgarage untergebracht werden. Im Erdgeschoss sowie in drei Obergeschossen werden die Apartments entstehen, außerdem in einem vierten Obergeschoss, das sich lediglich über den Mittelteil des Gebäudes erstreckt. Insgesamt sollen den Bewohnern 76 Stellplätze in der Tiefgarage sowie überdachte Fahrradstellplätze hinter dem Gebäudekomplex zur Verfügung stehen.

Entwurf
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Die vorbereitenden Erdarbeiten sind inzwischen abgeschlossen. Außerdem liegt seit Kurzem auch die Baugenehmigung vor. In der vergangenen Woche wurde ein Kran auf dem Gelände aufgestellt. Nach Auskunft der Stadtwerke sind die Ausschreibungen für die nächsten Gewerke, die den Rohbau und die Sanitärarbeiten betreffen, erfolgt. Deshalb rechnen die Verantwortlichen mit einem Baubeginn noch vor Weihnachten.

14,5 Millionen werden investiert

In Erinnerung an die frühere Brauerei werden die Gebäude „Waldhorn-Apartments“ genannt. Nach den derzeitigen Planungen ist mit einer Fertigstellung der Wohnungen Mitte des Jahres 2020 zu rechnen. Eigenen Angaben zufolge investieren die Stadtwerke in das Projekt rund 14,5 Millionen Euro. Betrieben werden soll das Apartment-Haus jedoch nicht von den Investoren selbst. Doch es gebe bereits Interessenten, mit denen schon jetzt Gespräche geführt werden, heißt es von den Stadtwerken.

Nur 20 Jahre gebraut

Härtsfeldstraße lautet die Adresse offiziell – doch viele ältere Heidenheimer reden bei der einstigen Brauerei wie bei den umliegenden Gebäuden bis heute vom „Gambrinus“.

Tatsächlich wurde die Dampfbrauerei 1903 weit vor den Toren des damaligen Heidenheim erbaut. Der Grund: Ein Eisweiher gegenüber (heute Teil des Brenzparks) und der massive Fels des Schmittenbergs im Rücken, in dem man schon lange vor den Luftschutzstollen des Zweiten Weltkriegs (der Gambrinusstollen ist über 180 Meter lang) mehrere Bier- und Eiskeller anlegte.

Als späteres Stadtviertel hatte das Gambrinus aber einen reichlich schlechten Ruf. Einfachhäuser und ab den 1950ern die städtische Übernachtungsstelle für Wohnsitzlose brachten die Gegend in Verruf.

Nur rund 20 Jahre lang wurde in der Waldhorn-Brauerei gebraut.

Youtube Letzter Blick in die Waldhorn-Brauerei