Heidenheim / Manfred F. Kubiak „My Fair Lady“ und „Der Zauberer von Oz“ lockten heuer 43 396 Zuschauer. 2018 stehen „Frühstück bei Tiffany“ und „Der Prinz und der Bettelknabe“ auf dem Spielplan.

Im Stück fällt der Regen in Spanien, inzwischen tut er dies allerdings auch in Heidenheim. Was die Witterung anbelangt offenbar gerade rechtzeitig endete am vergangenen Wochenende die Spielzeit im Naturtheater. Nicht nur für „My Fair Lady“, sondern auch für den „Zauberer von Oz“. Und wieder einmal konnten sich, ob vor, hinter oder auf der Bühne, die Akteure mit Erfolg im Rücken in das bisschen Sommerferien verabschieden, das ihnen nach einer langen Saison noch bleibt.

Nicht nur die künstlerische Seite der Medaille glänzte einmal mehr. Auch die wirtschaftliche: Mit insgesamt 43 396 Besuchern rangiert die Spielzeit 2017 in dieser Hinsicht auf Rang sechs der „ewigen Bestenliste“, bei deren Betrachtung zu bedenken ist, dass die Statistiken des Naturtheaters erst seit 32 Jahren archiviert werden.

Kein Wunder also, wenn Norbert Pfisterer angesichts dieser Bilanz von einem „höchst erfolgreichen Jahr“ spricht. Denn eine Auslastungsquote von knapp 100,7 Prozent legt auch Zeugnis dafür ab, „dass das Theater“, wie es der Vereinsvorsitzende formuliert, „bei jeder Vorstellung bis zum Stehkragen gefüllt war“. Das Naturtheater gilt als ausverkauft, wenn die regulär verfügbaren 1026 Plätze besetzt sind; zusätzlich stehen bei enormem Andrang noch 64 „Notplätze“ zur Verfügung.

„Bis zum Stehkragen gefüllt“

Diese Plätze wurden während der gerade beendeten Spielzeit von der Kundschaft nicht zuletzt gern in Kauf genommen, um das Kinderstück „Der Zauberer von Oz“ miterleben zu können. Die 22 Vorstellungen des von Oliver von Fürich inszenierten Stücks sahen 22 940 Besucher, was einem Schnitt von 1043 Besuchern pro Vorstellung und einer Auslastung von 101,6 Prozent entspricht.

Die 20 Vorstellungen von „My Fair Lady“, dem von Marita Kasischke und Petra Pfisterer in Szene gesetzten Hauptstück der Saison, wurden im Schnitt von 1023 Zuschauern besucht, was einer Auslastung von 99,7 Prozent entspricht. Insgesamt wurden hier 20 495 Besucher gezählt.

Nicht nur der Erfolg der Saison macht den Vereinsvorsitzenden stolz. „Mir hat in diesem Jahr insbesondere noch die große Gelassenheit gefallen, mit der die beiden Regisseurinnen ans Werk gegangen sind, und die sich dann auch aufs Ensemble übertragen hat“, bemerkt Norbert Pfisterer. „Was mich umso mehr gefreut hat, weil den beiden Damen, die als Regie-Novizinnen angetreten waren, deshalb innerhalb des Vereins zunächst eine gewisse Skepsis entgegengebracht worden war.“

Darüber hinaus spart Pfisterer nicht mit Lob für die Darsteller auf der einen und die zahlreichen unsichtbaren Akteure auf der anderen Seite. „Wie sich etwa die mit Bühnenbild, Kostümen oder der Technik allgemein beschäftigten Vereinsmitglieder wieder eingebracht haben, kann man nicht hoch genug schätzen.“

2019 wird der Verein 100

Und apropos Verein: der floriert und zählt inzwischen 550 Mitglieder. „Was sich hier allein in den vergangenen paar Jahren getan hat, ist enorm“, sagt Norbert Pfisterer, dem besonder guttut, dass unter den Mitgliedern überdurchschnittlich viele Jugendliche zu finden sind. Nachwuchsprobleme kennt der Verein, der 2019 sein 100-jähriges Bestehen feiern wird, nicht. Vielleicht auch deshalb, weil man sich auf dem Schlossberg, wie es Pfisterer formuliert, „nicht nur als Kulturverein, sondern auch als Sozialverein“ versteht.

„Der Zusammenhalt ist groß“, sagt der Vorsitzende. „Sonst wäre vieles so nicht möglich gewesen, vor allem in dieser Spielzeit, in der wir durch unsere großen Umbaumaßnahmen zusätzlich gefordert waren und hinter den Kulissen ohne wichtige Teile unserer gewohnten Infrastruktur auskommen mussten.“

Nicht angetastet wurde auf dem neben dem Spielgelände liegenden Verwaltungstrakt des Naturtheaters lediglich der Theatersaal. Neu gestaltet wurden binnen eines Jahres die Küche, die Maske, die Duschen, die Schneiderei, die Gaststätte und der Kostümverleih. Nächste Woche werden die neuen Räume bezogen, als Kosten veranschlagt waren dafür 1,2 Millionen Euro, die vom Verein und von der Stadt als Grundstücks- und Immobilienbesitzerin gemeinsam gestemmt wurden.

Und weil nach der Saison auch schon wieder vor der Saison ist, weiß man im Naturtheater selbstverständlich bereits, was im kommenden Jahr auf dem Spielplan stehen wird: Als Hauptstück erwartet die Besucher „Frühstück bei Tiffany“. Kerstin Keppler wird bei dem auf Truman Capotes Roman basierenden und vor allem durch den Film mit Audrey Hepburn bekannt gewordenen Stück Regie führen. Als Kinderstück wird Max Barth Mark Twains historischen Roman „Der Prinz und der Bettelknabe“ in Szene setzen.