Dass Besucher mit Decke ins Naturtheater kommen, das ist normal. Dass man aber auch mit Decke zur Mitgliederversammlung des Vereins kommt, das ist noch nie da gewesen.

Am Samstagnachmittag fand diese statt, und zwar im Freien in der Zuschauerhalle, wo die entsprechend den Corona-Verordnungen notwendigen Abstände eingehalten werden können, wo allerdings auch die eisigen Temperaturen Winterkleidung und Decken bei den erschienenen 129 Mitgliedern erforderlich machten.

Ausfall der Sommersaison und die finanziellen Folgen

Die Mitgliederversammlung passte damit ins insgesamt ungewöhnliche Jahr des Vereins, von dem Vorstand und Beirat berichteten. Das Jahr, in dem die Sommersaison ausfallen musste, hat auch finanziell Spuren hinterlassen: Zum 31. Juli musste ein Verlust von 214 000 Euro hingenommen werden, was überwiegend auf die Fixkosten Personal, Pacht, Strom, Reinigung und dergleichen zurückzuführen ist.

Immerhin spülten die Reihen „Kultur im Café“ und „Kultur – aber sicher“, die einzigen Veranstaltungen, die in diesem Jahr stattfinden konnten, ein Sümmchen von rund 18 000 Euro in die Kasse.

Das Wort Corona durchzog denn auch die Berichte des Beirats, Jugendbeirats und der Vorstände Petra Pfisterer, Lara Tschabrun, Dirk Steffens, Tobias Vetter und auch das des Vorsitzenden Norbert Pfisterer, der in seiner letzten Mitgliederversammlung auch Bilanz zog über die sechs Jahre seiner Vorstandschaft.

Was die Jubiläumsfeier den Verein kostete

In diese Zeit fiel auch das Jubiläum im vorigen Jahr, der 100. Geburtstag des Vereins, der gebührend begangen worden war. Auch das schlug jedoch zu Buche: Insgesamt war im Jahr 2019 ein Verlust von rund 168 000 Euro hinzunehmen. Die erfolgreichen Produktionen im Sommer „West Side Story“ und „Herr der Diebe“, aber auch das Herbststück „Noch ist Polen nicht verloren“ und das Wintermärchen „Peterchens Mondfahrt“ mit ihren Gewinnen konnten dabei nicht alle Kosten auffangen.

War sechs Jahr lang Vorsitzender: Norbert Pfisterer.

Norbert Pfisterer . Foto: Markus Brandhuber
War sechs Jahr lang Vorsitzender: Norbert Pfisterer. Norbert Pfisterer . Foto: Markus Brandhuber
© Foto: Archiv/Markus Brandhuber

Damit war aber auch im Vorfeld des Vereinsjubiläums nicht gerechnet worden. Hätte man ahnen können, so war zu hören, dass Corona einen so deutlichen Strich durch die Rechnung machen würde, wäre das sicherlich anders ausgefallen.

Was bringt die Sommersaison 2021?

Sparen heißt also jetzt die Devise im Verein, worauf auch Beirat Bernd Hummel in seinem Ausblick hinwies. Denn noch bleibt abzuwarten, ob und gegebenenfalls wie die Sommersaison 2021 stattfinden kann. Deswegen sei insbesondere das Engagement im Ehrenamt gefragt. „Wir brauchen jeden Einzelnen im Verein“, so appellierte auch Stefan Benz an die Mitglieder, der als Nachfolger für Norbert Pfisterer für das Amt des Vorstands kandidierte.

Das neue Vorstandsteam im Naturtheater

Mit großer Stimmenmehrheit wurde Stefan Benz schließlich in dieses Amt gewählt und übernahm sodann die Leitung der Versammlung. Dass diese mit rund vier Stunden ungewöhnlich lange dauerte, passte ebenso in dieses ungewöhnliche Jahr. Zurückzuführen war die Dauer auf die mit neun Kandidaten für die vier Beiratsämter ungewöhnlich umfangreiche Wahlliste, sodass Wahlleiter Rechtsanwalt Alexander Schneider und sein Wahlhelferteam, bestehend aus Gabi Freudenmann, Caroline Frey, Silke Hummel sowie Karsten und Yvonne Tanzmann, alle Hände voll zu tun hatten. Schließlich stand das Ergebnis fest: In den Beirat gewählt wurden Bernd Hummel, Stephan Fritz, Alwis Michalk und Thomas Schirm.

Norbert Pfisterer ist jetzt Ehrenvorsitzender


In der letzten von ihm geleiteten Mitgliederversammlung wurde Norbert Pfisterer als Vorstand des Naturtheaters verabschiedet. In den sechs Jahren seiner Amtszeit habe er nicht nur die nötige Zeit und das Verantwortungsbewusstsein für diesen Posten eingebracht, indem er nahezu jeden Tag im Verein nach dem Rechten gesehen habe. „Mit deiner ruhigen und ausgleichenden Art hast du so manche Wogen geglättet“, hieß es in den Abschiedsworten, und „mit deinem Blick für das Wesentliche und die Zusammenhänge, deiner Leidenschaft für das Theater mit deinem Standing und deinem Netzwerk warst du die Idealbesetzung für diese Rolle“.

Als Dank für sein großes Engagement, zu dem auch die 20-jährige Vorstandschaft des Fördervereins gehört, erhielt Norbert Pfisterer nicht nur einen großen Geschenkkorb, sondern auch ein ganz besonderes Geschenk der Mitglieder, die ihn zum Ehrenvorsitzenden wählten. Dies und der Applaus im Stehen der Mitglieder zeigten die hohe Wertschätzung, die Norbert Pfisterer bei den Mitgliedern genoss und genießt, und Pfisterer war denn auch sichtlich gerührt. Seinem Nachfolger wünschte er viel Erfolg und ein glückliches Händchen, das „sicherlich in diesen Zeiten gebraucht wird“.