Als am Freitagabend die Voith-Stiftungspreise vergeben wurden und Dr. Michael Rogowski bei der Veranstaltung fehlte, machten sich etliche der Anwesenden bereits große Sorgen um den 82-Jährigen. Wenige Stunden später war es traurige Gewissheit: Der frühere Voith- und BDI-Chef starb überraschend nach einer kurzen schweren Erkrankung.

Mehr als 40 Jahre war Rogowski überzeugter Voithianer. Mehr als zwei Jahrzehnte lenkte er das Unternehmen in verschiedenen Funktionen. Keiner der Manager, die ihm folgten, schaffte es bisher in dieser Form mit Voith identifiziert zu werden. Der Wirtschaftsingenieur galt als Ziehsohn von Hugo Rupf und machte vieles wie er. Er grüßte seine Voithianer wie Nachbarn und ließ es sich nicht nehmen, neuen Azubis im Stammwerk zum Start persönlich die Hand zu schütteln. Zuletzt wohnte Rogowski in der früheren Rupf-Villa am Firmengelände, gemeinsam mit seiner Frau Gabriele.

Rogowski war ein Freund der klaren Worte und eindeutigen Positionen. Er machte sich dadurch manchmal angreifbar, war aber stets hoch geachtet.

Einiger bei Voith

Seine große Stunde schlug in den 1990ern im legendären „Stämmekrieg“: Als sich die Eigentümerfamilien zerstritten, war Voith in seiner Existenz bedroht. Rogowski wagte einen radikalen Schritt, einte dank exzellenter Beziehungen zu den Eigentümern die Nachkommen von Hanns Voith und riskierte die Realteilung: Die Erben von Hermann Voith wurden ausbezahlt, und das Unternehmen war gerettet.

Acht Jahre lang stand Rogowski an der Spitze des Konzerns, war danach fast zehn Jahre lang Chef des Aufsichtsrats und Vorsitzender des Gesellschafterausschusses, der bis heute ebenso diskret wie mächtig über das Unternehmen wacht. Die Rogowski-Jahre waren gute Jahre für Voith. Die Firma war schon vorher weltweit tätig gewesen, doch nun entstand ein Weltkonzern. Den Stil des Hauses änderte das nicht, und auch das machte Michael Rogowski zu einer Legende, nicht nur im Werk.

Gegen Ende seiner beruflichen Laufbahn zählte Rogowski zu den bekanntesten Managern Deutschlands. Auch als Präsident des Bundesverbands der Industrie war Rogowski nicht um klare Worte verlegen. Er schrieb Bücher und Kolumnen, unter anderem für die Heidenheimer Zeitung. Er war Stammgast in Talkshows, moderierte gar seine eigene Fernsehsendung ("Chefsache" beim Nachrichtensender n-tv), wurde in den Lenkungsrat des milliardenschweren Deutschland-Fonds berufen. Reihenweise verließen sich große Unternehmen auf seine Expertise und machten ihn zum Aufsichtsrat. Und es gab Auszeichnungen: Ob Bundesverdienstkreuz oder der japanische „Order of the Rising Sun“, ob das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich oder der Ehrensenator der Universität Tübingen. Heidenheim machte Rogowski sogar zum Ehrenbürger.

Wenn man sich mit ihm unterhielt, war schnell zu merken, wie stolz er auf seine Familie war. Dass er das Großwerden seiner beiden Kinder einst fast nur nebenbei erleben konnte, bedauerte er sehr - bei den sechs Enkeln war das anders. Zuletzt blieb auch mehr Zeit für das unzertrennliche Team Rogowski aus Michael und Gabriele: Sie entdeckten das gemeinsame Kochen für sich. Die Gerichte konnten dann bei Abenden mit Freunden und Bekannten probiert werden. Dabei konnte er auf unterhaltsame Weise Menschen verschiedenster Herkunft und mit unterschiedlichen Interessen zusammenbringen.

Wichtiger Vermittler

Auch wenn Rogowski ein harter Chef sein konnte, wer mit einer Notlage auf ihn zukam, hatte einen Helfer. Ohne ein Aufheben zu machen oder darüber zu reden, unterstützten er und seine Frau viele soziale Einrichtungen. Rogowski engagierte sich auch für die Region. So stand er dem Stiftungsrat der Hanns-Voith-Stiftung vor und konnte darüber viele Projekte auch im Kreis Heidenheim voranbringen. Auch der Förderung und Ausstattung des Archäopark hatte er sich verschrieben.  Als „Klinkenputzer“ und Vermittler vieler Kontakte machte er vieles möglich.

Zuletzt hatte sich der begeisterte Skifahrer auf sein erstes Skiwochenende in diesem Jahr gefreut. Daraus wurde nun leider nichts mehr. Die Region Heidenheim verliert mit Michael Rogowski weit mehr als einen früheren Voith-Chef oder Ehrenbürger. Sein Ideenreichtum, sein Engagement für soziale und kulturelle Projekte, sowie sein wohlwollender Umgang mit seinen Mitmenschen werden künftig schmerzlich vermisst werden.