Heidenheim / Thomas Zeller Sie war nicht nur Verleger-Gattin: Sie engagierte sich auch für soziale Zwecke und zeigte großes Interesse am Sport. Am Donnerstag ist Hannerose Wilhelm im Alter von 96 Jahren verstorben.

Als älteste Tochter des „Grenzboten“-Verlegers Curt Rees wurde Hannerose Wilhelm am 15. November 1923 geboren – just an dem Tag, als die Einführung der Rentenmark die schlimmsten Jahre der Inflation beendete.

Und Zeitung war von Anfang an Teil ihres Lebens, es konnte gar nicht anders sein. Noch im hohen Alter erzählte sie gern davon, wie sie als Kind nicht immer zur Freude ihrer Eltern an den Setzkästen spielte.

Und von Druckerei und Zeitung blieb Hannerose Wilhelm geprägt: Nach der Schulzeit an der Bergschule und dem Schiller-Gymnasium zog es sie nach Leipzig an die Staatliche Akademie für die graphischen Künste. „Ich wollte immer bibliophil arbeiten“, erinnerte sie sich bei einem Gespräch mit der HZ anlässlich ihres 90. Geburtstags. Sie wurde Graphikerin und Kalligraphin, Gestalterin.

Doch die Zeit in Leipzig war für ihr Leben noch in ganz anderer Weise entscheidend: In den Kriegsjahren nämlich lernte sie dort Karl-Heinz Wilhelm kennen. Im März 1945 heiratete das Paar. Während des Zusammenbruchs des „Dritten Reichs“ kam Hannerose Wilhelm wieder ins heimatliche Heidenheim – sie fuhr die Strecke mit dem Fahrrad.

Im September 1945 kam auch ihr Mann nach Heidenheim – gezeichnet von einem Lungendurchschuss, aber mit zwei großen Zielen: sein Diplom als Kaufmann abzuschließen und den Heidenheimer Zeitungsverlag in den Händen seiner Eigentümerfamilie zu halten. Die folgenden Jahre schrieben Pressegeschichte: Karl-Heinz Wilhelm verhandelte erfolgreich, 1948 wurde die Heidenheimer Zeitung aus der Taufe gehoben, Wilhelm wurde Geschäftsführer, später Verleger.

Die Rolle, die seine Gattin spielte, ist kaum zu unterschätzen: Sie begleitete den Zeitungs-Neuling in die Branche, führte den Neu-Heidenheimer vor Ort ein. Ganz nebenbei hat sie auch als Grafikerin gearbeitet, Kalligraphie-Unterricht gegeben – und drei Kinder geboren.

Engagement in vielen Bereichen

Ob der Aufbau der Zeitung, die schwierige Suche nach geeigneten Redakteuren, der Wettbewerb mit konkurrierenden Blättern: Hannerose Wilhelm war stets hautnah dabei. „Es war nie leicht“, erinnerte sie sich bei einem Interview im Jahr 2013: Auch in den Jahren des Aufschwungs nach dem Krieg machte sich das Geschäft nicht von alleine. Über 50 Jahre war sie die „Frau Verleger“, begleitete auch karitative Tätigkeiten wie die HZ-Notrufsäulen. Der Kultur- und Sozialstiftung ihres 2001 verstorbenen Mannes stand sie bis zuletzt als Beiratsmitglied zur Seite. Und nicht nur als Mutter von HZ-Verleger Hans-Jörg Wilhelm und Großmutter von HZ-Geschäftsführer Martin Wilhelm blieb sie auf Tuchfühlung mit der Zeitung. Ohne eine HZ war ihr Tag nicht vorstellbar, und auch wenn sie selbst lieber in der gedruckten Zeitung blätterte als im Internet klickte, verfolgte sie die digitalen Angebote mit viel Interesse.

Zuletzt fand sie zwar seltener den Weg ins Pressehaus, meldete sich dafür aber gelegentlich per Telefon, um den Austausch mit einigen Mitarbeitern zu pflegen. Gern erzählte sie dann auch von ihrer Leidenschaft für den Sport. So blieb sie dem Heidenheimer Sportbund mehr als 80 Jahre als Mitglied verbunden.

Am Donnerstag starb Hannerose Wilhelm im Alter von 96 Jahren. Ihr Wirken für das Pressehaus wird unvergessen bleiben.