Heidenheim / Günter Trittner Der Heidenheimer Landrat Thomas Reinhardt ist im Alter von 60 Jahren verstorben. Er erlag einer kurzen, schweren Erkrankung. Im März hatte sich Reinhardt aus der Öffentlichkeit zurückgezogen.

Es ist eine traurige Nachricht nicht nur für die Menschen, die ihm persönlich nahestanden. Im Alter von 60 Jahren ist am Freitag Landrat Thomas Reinhardt im Klinikum Heidenheim verstorben. Mitte März dieses Jahres hatte Reinhardt infolge einer akuten Erkrankung seine Dienstgeschäfte ruhen lassen müssen.

Reinhardt war beliebt: bei den Mitarbeitern in der Landkreisverwaltung, in seinem politischen Gremium, dem Kreistag, und bei all den Menschen, die dienstlich oder privat mit ihm zu tun hatten. Bescheiden im Auftreten, freundlich im Umgang, kein Freund lauter Töne, dafür im Stillen ein versierter Arbeiter. Ein Verwaltungsfachmann mit tiefer Sachkenntnis, guten Kontakten ins politische Stuttgart und mit einem Bündel von Aufgaben, das er gerne auf seine Schultern genommen hatte.

An vielen Stellen Projekte angeschoben

2009 war Reinhardt zur Kreisverwaltung gekommen. Damals als Erster Landesbeamter. Als er sich 2012 um die Nachfolge von Hermann Mader als Landrat bewarb, wusste er, worauf er sich einließ.

Im November 2011 wurde Thomas Reinhardt vom Kreistag zum Nachfolger von Hermann Mader als Landrat gewählt. Im Februar 2012 trat er das Amt an.
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Reinhardt hat an vielen Seiten geschoben und gedrückt, damit der in seinen Strukturdaten schwache Landkreis mehr Gesicht und Ansehen gewinnt, damit der Landkreis Heidenheim als lebenswerte Region wahrgenommen wird.

Entwickelt unter seiner Regie wurden Konzepte für die Tourismusförderung, für ein Radwegenetz oder den Nahverkehr mit besseren Busverbindungen. Eingestellt wurde ein Klimaschutzmanager und erst jüngst holte sich der Kreis den Zuschlag für eine Biomusterregion.

Bahngipfel im Februar 2013: Bahnchef Dr. Rüdiger Grube (Mitte) war zum Gespräch in den Kreis Heidenheim gekommen. Der Gipfel markierte den Auftakt zum teilweise zweigleisigen Ausbau der Brenzbahn.
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Noch deutlich dickere Striche hat Reinhardt auf der Habenseite im Bereich der Bildung gezogen. Die beruflichen Schulen im Landkreis stehen auf der Höhe der Zeit. Ihr Grad der Digitalisierung ist sogar beispielgebend.

Flüchtlinge: Keine Notsituation im Kreis Heidenheim

Auch bei der Aufnahme von Flüchtlingen hat die Landkreisverwaltung mit Reinhardt an der Spitze exzellente Arbeit geleistet. Von Notsituationen musste hier im Landkreis nie gesprochen werden.

Sogar bei den Sozialausgaben, welche den Etat des Landkreises schwer belasten, zeichnete sich zum Ende eine Wende zum Besseren ab, ohne dass Hilfen gestrichen werden mussten. In der Jugendhilfe wurden die Leistungen erweitert. Eltern können ab der Geburt eines Kindes darauf bauen, dass sie bei Problemen nicht im Stich gelassen werden.

Dass Reinhardt als gebürtiger Ulmer einen Bezug zur benachbarten Großstadt hatte, überrascht nicht. Er hat versucht, diesen auch für den Landkreis fruchtbar zu machen. Besonders beim Ausbau der Brenzbahn sollte das Andocken an das angestrebte S-Bahn-Netz um Ulm helfen.

Doch es gibt Aufgaben, die mehr Zeit brauchen als eine Amtsperiode hergibt. Dies gilt auch für die Modernisierung des Klinikums: die finanziell aufwendigste Anstrengung in der gesamten Geschichte des Landkreises.

Thomas Reinhardt bei der Feier zur Grundsteinlegung für den Klinik-Neubau „Haus K“ im Juni 2018.
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Bei aller Leidenschaft, die Reinhardt dafür hatte und aller Arbeit, die er für beide Vorhaben auf sich nahm, er hinterlässt wie seine Vorgänger im Amt hier Unvollendetes. Man hätte ihm anderes gewünscht.

Geboren in Ulm, seit 2012 Landrat in Heidenheim

Thomas Reinhardt wurde 1958 in Ulm geboren. Nach dem Abitur studierte er Jura an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg und arbeitete als Rechtsreferendar am Landgericht Baden-Baden sowie anschließend als Rechtsanwalt in Ulm. 1988 wechselte er ans Regierungspräsidium Stuttgart.

Seitdem war Thomas Reinhardt im Landesdienst tätig und sammelte Erfahrungen auf allen Verwaltungsebenen, unter anderem in zwei Ministerien (Ministerium für Umwelt und Innenministerium). In den Jahren 2009 bis 2012 war er Erster Landesbeamter im Landkreis Heidenheim, seit dem 1. Februar 2012 Landrat. Als dieser war Reinhardt Vorsitzender des Kreistags, Vorgesetzter der 720 Beschäftigten des Landratsamts und zugleich Vertreter des Landkreises nach außen.

Thomas Reinhardt, der als Kind Architekt werden wollte, wollte weiter am Haus des Landkreises bauen, und ihm so ein zukunftssicheres Fundament verleihen.

Reinhardt war der siebte Landrat

Landräte gibt es im Kreis Heidenheim seit 1938. Thomas Reinhardt war seither der siebte Landrat nach Hermann Ebner, Max Fetzer (kommissarisch), Max von Zabern, Albert Wild, Roland Würz und Hermann Mader. Von 1803 bis 1938 hieß das Kreisgebiet Oberamt Heidenheim, dem stand der Oberamtmann vor.

Der Kreistag tritt am Montag, 15. Juli, um 15 Uhr zu einer Sitzung in der Gemeindehalle Nattheim zusammen. Dabei werden die neuen Kreisräte ins Amt eingeführt. Die Festlegung eines Termins für die Wahl des neuen Landrates, die ohnehin turnusmäßig angestanden wäre, steht noch aus. Der Erste Landesbeamte Peter Polta vertritt den Landrat schon seit Beginn seiner Erkrankung.