Heidenheim / Andreas Uitz Ein Kommentar von Andreas Uitz: Im Haintal sollen völlig neue Formen des Bauens ausprobiert werden. Ein mutiger Versuch.

Seit mehr als einem Jahrzehnt gehört das ehemalige Viertel Klein Zürich der Vergangenheit an, ist die Fläche an der Giengener Straße Brachland. Nachdem 2017 ein städteplanerischer Wettbewerb mit einem vielversprechenden Ergebnis zu Ende ging, kam bei vielen Hoffnung auf, dass hier ein neues Viertel entstehen wird. Dann herrschte monatelanger Stillstand, aus dem Rathaus war nichts mehr zu hören. Grund dafür war, dass sich einfach kein Investor finden wollte, der den Vorstellungen der Verwaltung und des Gemeinderats, hier völlig neue Wohnformen auszuprobieren, gerecht wurde.

„Ich sehe kein Licht leuchten im Haintal“, hatte OB Bernhard Ilg im vergangenen Juli seiner Enttäuschung darüber Ausdruck verliehen. Dass er und die Verwaltung daraufhin nicht beleidigt den Kopf in den Sand gesteckt und das fünf Hektar große Gelände inklusive des heutigen Integrationszentrums als ganz normale Bauplätze zur Verfügung gestellt haben, war eine gute Entscheidung. Denn das, was die beiden Tübinger Architekten jetzt als mögliches Modell für das neue Quartier vorgestellt haben, klingt mehr als vielversprechend.

Sollte alles so umgesetzt werden können, wie es in den Köpfen der Planer erscheint, dann könnte an der Giengener Straße wirklich ein völlig neues und einzigartiges Quartier entstehen. Keines von denen im Stil des Ploucquet-Areals, das sicherlich auch seinen Reiz hat, aber inzwischen in nahezu allen Städten zu finden ist. Sondern ein völlig neuer Stadtteil mit unterschiedlichen Wohnformen und einer gesellschaftlichen Durchmischung.

Dass die Stadtverwaltung den Mut hat, sich auf diese Vorgehensweise einzulassen, von den gängigen Verfahren abzuweichen und einmal völlig neue Wege zu gehen, ist beachtenswert. Würde man an der Giengener Straße mit strengen Vorgaben und Auflagen vorgehen, könnte nichts städtebaulich Neues, nichts Kreatives entstehen.

Dadurch, dass Bauträger und private Bauherren völlig gleich behandelt werden sollen, kann tatsächlich eine gute gesellschaftliche Vielfalt entstehen in einem Viertel, das ein Eigenleben entwickelt, und mit dem sich seine Bewohner identifizieren können.

Warum sollte, was in anderen, zugegebenermaßen größeren und anders geprägten Städten wie Tübingen und Freiburg funktioniert, nicht auch in Heidenheim funktionieren? Wenn Verwaltung und Gemeinderat alles so umsetzen, wie es derzeit geplant ist, liegt es einzig an den Investoren, Bauträgern, Bauherren und der Kreativität der Architekten, im Haintal beispielhafte neue Wohnformen zu etablieren.