Heidenheim / Manuela Wolf Siggi Schwarz, Markus Engelstädter und die Nürnberger Symphoniker ließen es am Wochenende im Heidenheimer Congress-Centrum ordentlich krachen.

Siggi Schwarz. Den Namen des Gitarristen kennen Musiker auf der ganzen Welt. Er spielte schon Konzerteröffnungen bei Santana und den Scorpions, diesen Sommer begleitet er ZZ Top auf deren Deutschland-Tour. Und so weiter, und so fort.

Aber Heidenheim. Das ist Heimat. Grinsend stand Siggi Schwarz also Freitag und Samstag am Abend im Foyer des Congress-Centrums und schüttelte Hände zur Begrüßung, grinsend umarmte er später Freunde und Bekannte zum Abschied. Beiläufig erzählte er, dass er sämtliche Arrangements für sein Projekt „Milestones of Rock“ gemeinsam mit Freunden erarbeitet hat, über Jahre hinweg. Anfangs sei Orchester Neuland gewesen.

Inzwischen habe er ein Gespür bekommen für Streicher, Bläser, Percussionisten. Nun schlage der Erfolg Wellen. Ein Ruf aus Hamburg habe ihn ereilt. Ein Mammut-Konzert sei geplant mit Orchester und Chor, insgesamt fast 200 Mitwirkende. Und er.

Großes Vorbild: Eric Clapton

Es ist keine Prahlerei, die es aus Siggi Schwarz heraussprudeln lässt. Es ist die Liebe zur Musik. Sie ist ihm auf der Bühne in jeder Sekunde anzusehen, immer noch. Nicht ohne Sentimentalität in der Stimme kündigte er etwa „Leyla“ an, den Song, den er 1970 bis zum Abwinken geübt hatte. Der Plattenspieler sei damals quasi rund um die Uhr gelaufen, und er, „ein junger, aufstrebender Gitarrist“, habe nicht lockergelassen: „Ich wollte genauso gut spielen können wie mein großes Vorbild Eric Clapton.“

Hunderte Male hat Schwarz diesen Titel schon gespielt. Trotzdem war von gelangweilter Routine keine Spur. Gedankenversunken spielte er seine Riffs, mit geschlossenen Augen, der ganze Mann in Bewegung. Und obwohl das Publikum textsicher mitbrüllte, blieb er stumm. Er sang keine einzige Liedzeile. Er ließ seine Gitarre singen und genoss, was da gerade passierte.

Tänze mit den Cellos

Und so ging es den rund 70 Mitwirkenden, die gleich an zwei Tagen in Folge im CC spielten, wohl auch. Die beiden Streicher in erster Reihe rockten mit ihren Instrumenten ab, es war, als würden sie tanzen mit ihren Cellos, wild, innig, glücklich. Als die Querflöten und all die anderen Bläser beim Toto-Hit „Rosanna“ ihren großen Einsatz hatten, bebten auf der Bühne die hinteren Reihen.

Großartig zu beobachten war auch Bassist Danny O`Sean, der „Men in Black aus Michigan“. Mit Hut und Sonnenbrille verlor er sich im Moment. Er tanzte, er lachte. Auch Dirigent Uwe Renz groovte mit. Als er nach dem Konzert von der Bühne ging, klebten die Haare auf seiner schweißnassen Stirn. Er sah erschöpft aus, richtig erschöpft. Aber glücklich.

Für ein paar Minuten gehörte die Bühne dem Heidenheimer Kultur-Förderer Stefan Doraszelski. Er hatte im Jahr 2010 die gleichnamige Stiftung gegründet „um einen Teil von dem, was ich in Heidenheim erreicht und von Heidenheim bekommen habe, zurückzugeben“. Künftig sollen Jahr für Jahr 100 000 Euro für verschiedenste Projekte in der Region ausgeschüttet werden.

Mit den Geldern werden unter anderem die Opernfestspiele, das Naturtheater, der Neue Kammerchor und die Brenzfestspiele unterstützt. Doraszelski: „Siggi Schwarz und ein Orchester, mir war vor vier Jahren klar, dass das klasse werden muss. Die Reihe hat sich im Rahmen der Opernfestspiele nicht so manifestiert wie erwartet. Also haben wir das auf eigene Faust gemacht. Damit solche Projekte auch in Zukunft gefördert werden können, brauchen wir Spenden.“

Mit Lob nicht genug überschütten kann man Sänger Markus Engelstädter. Der Regensburger schlüpfte einst im Queen-Musical in die Rolle des charismatischen Frontmans Freddie Mercury. Seine satte Stimme schafft mit Leichtigkeit vier Oktaven. Sein Lausbubengesicht freut sich über intensive Musik-Erlebnisse: „Als ich 17 Jahre alt war, bin ich zum ersten Mal mit einer Band aufgetreten. Unser erster Titel war ,Stairway to heaven‘ von Led Zeppelin und ich dachte damals, was das für eine wahnsinnig gute Komposition doch ist. Es gäbe keine bessere Gelegenheit, dieses Lied nochmal zu singen als heute Abend, in Begleitung eines großartigen Orchesters.“

Ob bei „It’s my live“ von Bon Jovi, das durch mächtige Paukenschläge an Kontur gewann, oder bei „Hotel California“ von den Eagles, er blieb stets eng am Original und ging doch selbstbewusst seinen ganz eigenen Weg. Kraftvoll bis zum Schluss rockte er mit Siggi Schwarz, dessen Band und den Nürnberger Symphonikern die Seelen der Musikliebhaber im Saal. Zugabe die Dritte, hieß es deshalb nach mehr als zwei Stunden Vollgas: „Imagine“ von John Lennon. Perfekte Wahl!

Gänsehautmoment zum Schluss

„Milestones of Rock“ steht für die guten alten Songs aus der guten alten Zeit. Siggi Schwarz versprach zu Konzertbeginn eine musikalische Zeitreise durch die Rockgeschichte, mit Emotionen und Erlebnissen, Melodien und Rhythmen, mitreißend und begeisternd. Doch die Ohrwurm-Hits von damals, gespielt und gesungen von Meistern ihres Faches, sind nur ein Teil der Erfolgsgeschichte. Jedes einzelne Lied war ein Hörgenuss.

Mal hatten die Streicher die Oberhand, mal überragte der Gesang, mal dominierte die E-Gitarre. Aber einige Male, da fanden die Akteure für ein paar Gänsehaut-Sekunden zu einem großen Ganzen zusammen, Seite an Seite, in der Musik vereint. Stehend applaudierte denn auch das Publikum für Queens „Bohemian Rhapsody“, minutenlang.

Siggi Schwarz: „Es ist gut, dass ich bei ,Milestones of Rock‘ nicht alleine auf der Bühne stehe. Gäbe es das Orchester nicht, es würde manches Mal mit mir durchgehen.“

Hier gibt’s Siggi Schwarz gratis

Siggi Schwarz und seine Band, die schlichtweg den Namen „Friends“ trägt, spielen am Donnerstag, 20. Juni ein Benefiz-Konzert in der Dischinger „Arche“. Von 15 bis 18 Uhr stehen bei der Veranstaltung für den Verein „Freunde schaffen Freude“ hauptsächlich Rock-Klassiker auf dem Programm mit Hits von The Who über Foreigner bis hin zu Led Zeppelin. Der Eintritt zum Konzert ist frei. Es wird gesammelt für bedürftige Menschen in der Region.

Am Sonntag, 1. September sind die Musiker zu Gast bei Sommer im Park. Von 15.30 bis 18 Uhr spielen Schwarz und Band auf dem kleinen Festplatz. Parkbesucher dürfen kostenlos zuhören. Auch hier wird gesammelt. mw