Heidenheim / Mathias Ostertag Die bereits in Heidenheim ansässige Mulfinger-Gruppe ist ab 1. April Eigentümer des Vertrags-Autohauses Kaufmann des Autoherstellers BMW im Giengener Ried.

Geplant war der Schritt von langer Hand. Schon seit zwei Jahren waren Paul und Irene Kaufmann in Verhandlungen, seit wenigen Wochen ist der Deal in trockenen Tüchern: die in Backnang ansässige Mulfinger-Gruppe übernimmt das familiengeführte BMW-Autohaus Kaufmann im Giengener Gewerbegebiet Ried.

Schon ab dem 1. April müssen sich somit Kaufmann-Kunden an einen neuen, in der Region aber ganz und gar nicht unbekannten Namen gewöhnen: Mulfinger statt Kaufmann. Denn einher geht mit der Übergabe des traditionsreichen Giengener BMW-Standorts auch das Ende der Ära Kaufmann. Vor 27 Jahren von Paul Kaufmann übernommen, geht der 68-Jährige nun gemeinsam mit seiner Frau Irene in den Ruhestand und gibt die Verantwortung weiter an Markus Mulfinger, der wiederum gemeinsam mit seinem Vater Ulrich die Geschäfte der gleichnamigen Mulfinger-Gruppe führt.

Zweiter Standort im Kreis

Zehn BMW-Standorte hat Mulfinger mittlerweile im württembergischen Raum, mit Giengen kommt nun der elfte hinzu. In der Region bekannt ist man natürlich vor allem auch durch den Standort in den Seewiesen in Heidenheim.

Der Wechsel von Kaufmann auf Mulfinger kommt auch deshalb zustande, weil die Kaufmanns innerfamiliär keine Nachfolger finden konnten (Paul Kaufmann: „Unsere Kinder leben nicht mehr hier und sind auch nicht in der Autobranche tätig). Aus Sicht der Familie habe man mit dem Autohaus Mulfinger einen guten Partner und Nachfolger gefunden, so Paul Kaufmann, man habe sich auf Anhieb verstanden und gebe das Autohaus guten Gewissens weiter.

Bis auf den Namen des Autohauses bleibt im Ried trotz des Wechsels vieles beim Alten: alle derzeit dort tätigen Mitarbeiter in Verkauf und Service werden weiterbeschäftigt. Geschäftsführer Markus Mulfinger gibt mit der Übernahme auch eine Standortgarantie für Giengen ab. „Wir legen Wert darauf, dass das bisherige Kaufmann-Team beieinander bleibt und sich somit aus personeller Sicht für die Kunden nichts ändert“, sagt Mulfinger.

Am Ende wechselt nur der Name

Es gehe alles weiter wie bisher, die internen Betriebsabläufe würden andere sein als zuvor, letzten Endes werde aber nur der Name des Autohauses künftig ein anderer sein, so der Geschäftsführer. Durch den neuen Standort wird es künftig in Giengen neben den benzin- und dieselbetriebenen BMW auch die elektrisch betriebenen I-Modelle und Fahrzeuge der Marke Mini im Angebot geben. In der Anfangszeit wird Markus Mulfinger im Ried die Geschäfte führen, ansonsten sind alle bisher aus dem Autohaus Kaufmann bekannten Ansprechpartner weiterhin vor Ort tätig.

Dass Mulfinger ab sofort auch den Giengener BMW-Standort betreut, ist Folge eines Konzentrationsprozesses, der bei BMW wie bei anderen Herstellern quasi Usus ist: die Betreuung mehrerer Standorte durch einen großen Händler.

So schließt der Münchener Automobilkonzern mit seinen Händlern immer wieder neue, befristete Verträge ab. Diese laufen nun im September aus, bei einigen Händlern stehen aber keine Verlängerungen mehr an. Das wäre auch bei den Kaufmanns der Fall gewesen, weshalb der Schritt zur Übergabe an den größeren Kollegen für die Autohaus-Besitzer kein großer war.

Die meisten kleineren Händler geben deshalb den Standort auf oder werden von größeren Kollegen übernommen. Das war auch vor knapp fünf Jahren in Bopfingen so, als das Autohaus Plöchl von der Mulfinger-Gruppe übernommen wurde. Die Autohäuser Reichert in Heidenheim und Essingen gingen nach der Insolvenz des BMW-Betriebs im Jahr 2012 ebenfalls an Mulfinger. Und jetzt zum 1. April also Giengen: „Wir finden einen gesunden, gut funktionierenden Betrieb vor, in dem ein sehr gutes Team tätig ist. Wir betreuen nun zusätzlich ein Gebiet, das gut zu unseren bisherigen Standorten passt“, so Markus Mulfinger.

Durch die Übernahme betreut die Mulfinger-Gruppe auf einen Schlag knapp 5000 Kunden zusätzlich und übernimmt einen Händler, der unter den BMW-Händlern mit 74 Prozent deutschlandweit den höchsten Stammkundenanteil hat. Und an dem will sich Markus Mulfinger künftig auch messen lassen.