Heidenheim / Türen, die normalerweise verschlossen sind – Orte, die man nicht einfach so besuchen darf: HZ-Redakteur Arthur Penk blickt mit seiner Videokamera hinter Schlösser, zu denen nur wenige den Schlüssel haben. Sein Einsatz diesmal: Das Müllheizkraftwerk im Donautal – wo der gesamte Restmüll aus dem Landkreis Heidenheim endet. Die Deutschen sind bekanntermaßen Weltmeister im Mülltrennen. Umweltschutz wird groß geschrieben, was allerdings nicht immer einfach ist. Der Satiriker Robert Gernhardt hat sich mal über ein Öko-Pärchen lustig gemacht, das die Entsorgung eines Teebeutels an die Grenzen bringt: Der Tee ist Bio, also braune Tonne. Der Zettel oben am Faden ist Papier, also ins Altpapier damit, das Metallklämmerchen müsste gesondert ins Altmetall – aber was ist mit dem Faden? Ist Schnur Bio- oder Restmüll oder gar Sondermüll? Brauchen wir bald eine Altschnurtonne? Schwierige Frage.

Was im Zweifelsfall in der grauen Restmülltonne landet, darüber muss man sich zumindest im Landkreis Heidenheim keine Sorgen machen. 18 500 Tonnen produzieren die Landkreisbewohner jährlich. Der Restabfall aus Heidenheim wird wöchentlich ins Donautal gebracht und dort verbrannt. Was zunächst archaisch klingt, ist aus Sicht der Betreiber nach Müllvermeidung das einzig Sinnvolle: 59 Mitarbeiter sind seit 1997 im Schichtbetrieb dabei, unsortierbaren und stinkenden Unrat in Energie zu verwandeln und ihm Verwertbares zu entlocken. Etwa 14 000 Haushalte in Ulm werden mit Strom und 12 000 mit Fernwärme versorgt. Produziert werden pro Jahr 67,6 Millionen Kilowattstunden Strom, zudem 165 Millionen Kilowattstunden für die Fernwärme.

Mit dem Mythos, dass der Müll aus dem Gelben Sack gänzlich verbrannt statt recycelt wird, räumt Geschäftsführer Stefan Zinsler gleich auf: 53 Prozent dessen, was bundesweit so eingesammelt werde, könne tatsächlich nicht mehr anders verwertet, als verbrannt zu werden. Allerdings nicht im Donautal, so Zinsler. Hier landen ausschließlich Rest- und Sperrmüll. Die durchschnittliche Energiekapazität des Abfalls entspricht der von Braunkohle, 1000 Kilogramm liefern so viel wie 300 Liter Heizöl. Nebenbei ist der Ofen eine gute Vorstufe fürs Recycling: Neben anderen Stoffen wird Metall herausgeholt, das sich durch hohe Qualität auszeichnet. 5000 Tonnen werden so pro Jahr gerettet. Anfallender Kies und Schlacke werden zudem als Füllstoff für Bergwerke verwendet.

Der im Donautal verbrannte Rest- und Sperrmüll gilt zu 50 Prozent als regenerativ. Ein durchschnittliches Sofa beispielsweise besteht teils aus Holz und Textilien, erklärt Zinsler, der Anteil nachwachsender Rohstoffe ist also relativ hoch, was auch die Ökobilanz der Müllverbrennung verbessert. Durch die hohen gesetzlichen Standards wird zudem dafür gesorgt, dass keine Giftstoffe in die Umwelt gelangen. Die Verbrennung ist optimal eingestellt, bei über 850 Grad werden auch die letzten Giftstoffe zersetzt und aus der Schlacke und den Rauchgasen gefiltert.

Übrigens: Die Anforderungen an die Umweltfreundlichkeit von Müllverbrennungsanlagen sind wesentlich höher als die an Blockheizkraftwerke. Dass die Anlage einwandfrei funktioniert und nichts unbemerkt vor sich hin kokelt, dafür sorgt ein Echtzeitmonitoring durch das Regierungspräsidium: Die Messdaten werden Tag und Nacht per Internet nach Stuttgart übertragen.

Die Lagerkapazität an Müll beträgt vier Tage, jede Charge brennt anders, daher müssen die Mitarbeiter erst eine homogene Mischung machen. Mit einem 3,5 Tonnen fassenden Greifer wird der angelieferte Abfall vorsortiert, gemischt und wandert dann direkt in die beiden Öfen. Der Durchsatz ist beeindruckend: 9,89 Tonnen an Müll, 50 000 Kubikmeter Luft pro Stunde.

Durch die Beigabe von Ammoniak wird Stickstoffoxid, das für den sauren Regen sorgt, neutralisiert. Die Rauchgase werden zunächst in einer „Dusche“ gewaschen, anschließend sorgt ein Schlauchfilter in Verbindung mit Kalk und Aktivkohle für die vollständige Reinigung. Emissionen sind nach Angaben der Betreiber nicht messbar. Ein Hightech-Fegefeuer also, das im Zweifel alles wieder sauber macht und der Landkreisverwaltung dabei hilft, Geld zu sparen: Seit Jahren nämlich sinken die Müllgebühren im Landkreis Heidenheim.