Diese Nachricht verbreitete am Mittwoch die „Bild“, wo sich der neue Zeuge nach Angaben des Boulevardblatts – neben der Ellwanger Staatsanwaltschaft – ebenfalls gemeldet hat. Demnach will der große Unbekannte höchstpersönlich die Kriminalpolizei über Pläne zur Vorbereitung der im Mai 2010 begangenen Bluttat informiert haben. Und als ob dies nicht überraschend genug wäre, setzt der Hinweisgeber noch eins drauf: Er behauptet, dass einer der Täter eine vertrauliche Person der Polizei sei.

Träfe dies zu, würde das bedeuten, dass die Kripo über ein eigenes Ermittlungsinstrument gestolpert ist, das insbesondere bei der Bekämpfung besonders gefährlicher und schwer aufklärbarer Kriminalität zum Einsatz kommt. Vertrauliche Personen, kurz VP genannt, gehören im Gegensatz zu verdeckten Ermittlern nicht einer Strafverfolgungsbehörde an, sondern agieren aufgrund ihrer Bereitschaft, die Polizei bei der Aufklärung von Straftaten auf längere Zeit vertraulich zu unterstützen. Die Identität dieser Informanten, die erfahrungsgemäß nicht selten dem Milieu angehören, in dem sie eingesetzt werden, wird grundsätzlich geheim gehalten. Als solche VP hatte sich der Polizei auch jener Mann aus Giengen angedient, der die im Mordfall Maria Bögerl ermittelnde Soko „Flagge“ über einen längeren Zeitraum mit Lügengeschichten beschäftigt hatte und deshalb Ende vergangenen Jahres zu einer Freiheitsstrafe verurteilt worden ist.

Zurück zum aktuellen Fall: Von der Staatsanwaltschaft Ellwangen werden die jüngst in Medienberichten zitierten Angaben des Zeugen weder bestätigt noch dementiert. „Wir können derzeit nichts dazu sagen,“ so Jens Weise, Pressesprecher der Behörde, die gestrigen Angaben zufolge weiter dabei ist, Fühlung mit dem Mann aufzunehmen, von dem offenbar nur bekannt ist, dass er sich gegenwärtig in den Niederlanden aufhält. Ob er zum Zeitpunkt des Mordes an Maria Bögerl in Neresheim gewesen ist oder gar aus der Region kommt, ist offen. Und: Im Gegensatz zu anderslautenden Medienberichten ist der Ermittlungsbehörde, so deren Aussage gegenüber unserer Zeitung, der Zeuge nicht schon länger bekannt.

Auf Anfrage wird in Ellwangen bestätigt, dass man in dieser Sache bereits mit einem Rechtsanwalt kommuniziert hat, der angibt, mit dem Hinweisgeber in ständigem Kontakt zu stehen. Dabei handelt es sich um den in verschiedenen Rechtsgebieten tätigen Augsburger Fachanwalt für Strafrecht, Ralf Schönauer, der auf Medienanfrage angegeben hat, den Aufenthaltsort seines Mandanten nicht nennen zu können.

Nach wie vor gilt die Annahme, dass sich der neu aufgetretene Zeuge mit seiner Aussagebereitschaft einen Vorteil in eigener Sache verschaffen will. Als gesichert gilt, dass gegen ihn selbst ein Strafverfahren wegen Untreue im Gang ist, und offenbar laufen alle Signale auf die Erwartung hinaus, dass ihm eine Minderung des Strafmaßes eingeräumt wird. In diesem Zusammenhang erhärten sich allerdings Hinweise der Staatsanwalt Ellwangen, dass man sich dahingehend auf keinen Deal einlassen wird können: schon deshalb, weil das gegen den Zeugen gerichtete Verfahren von einer anderen Anklagebehörde geführt wird.