Heidenheim/Ellwangen / erwin bachmann Keine heiße Spur, aber immerhin ein Ansatzpunkt, die seit Jahren betriebenen Ermittlungen im Mordfall Maria Bögerl doch noch weiterzuführen: Die Kriminalpolizei geht jetzt Auffälligkeiten nach, die sich im Zuge einer wiederholten Analyse zigtausender Handy-Verbindungsdaten ergeben haben.

12. Mai 2010. Fast sechs Jahre ist es her, seit Maria Bögerl aus ihrem Haus in Schnaitheim entführt und dann Anfang Juni tot an einem Waldrand bei Nietheim aufgefunden worden war. Die bisher mit einem immensen Aufwand geführten Ermittlungen sind allesamt ins Leere gelaufen – und wird sich in diesem Jahr nichts Entscheidendes tun, könnte es das gewesen sein.

Aber noch ist es nicht so weit. Die Hoffnung hat man nie aufgegeben, und jetzt klammert man sich erneut an einen Strohhalm, vielleicht den letzten. Den Ausgangspunkt bildet der riesige Funkzellen-Datenbestand, der vor allem aus den vom Tatzeitraum stammenden Mobilfunk-Verbindungsdaten besteht.

Die Crux bei der Sache: Die Handy-Nummern waren von den verschiedenen Providern damals in unterschiedlichen Systemen erfasst und in verschiedenen Mustern und Formaten angeliefert, somit auch in unterschiedlicher Qualität zur Verfügung gestellt worden – mit allen Fehlern, die dabei auftreten können.

Warten auf eine geeignete Software

Die vor fünf Jahren vorgenommene Auswertung geschah nach Stand der Technik, und schon damals wusste man, dass die alte Software das Durcheinander nicht richten konnte, und dass man es auch nicht schaffen würde, die in 600 000 Datensätzen versteckten Fehler allesamt von Hand zu korrigieren. Und so kam's, dass man warten musste, bis den seinerzeit in der Soko „Flagge“ versammelten Ermittlern eine auf den kriminalistischen Bedarf zugeschnittene Software zur Verfügung stand, um einen neuen Anlauf zu unternehmen und den Datenbestand zu bereinigen.

Im vergangenen Jahr endlich war es so weit: Es wurde ein Monate währendes Software-Update gestartet, um auf diese Weise endlich umfassend die Aufenthaltsorte aller ins damalige Raster genommenen Handy-Besitzer nachvollziehen und in der Gesamtbetrachtung auch detaillierte Bewegungsprofile erstellen zu können.

Jetzt ist diese Sisyphusarbeit vollbracht. Die erneute Auswertung hat nach Mitteilung der Staatsanwaltschaft Ellwangen zwar keinen Volltreffer, aber mehr als 150 Anhaltspunkte ergeben, die als neue Ermittlungsansätze gewertet werden. Gemeint sind Daten-Überschneidungen: wenn beispielsweise eine Handy-Nummer auftaucht, die in einem tatrelevanten Zeitraum sowohl am Entführungsort als auch im Klosterhof Neresheim eingebucht war, wo man später das Auto von Maria Bögerl gefunden hatte.

Daten noch dieses Jahr auswerten

„Das wird von der Kripo sukzessive abgearbeitet,“ teilt Presse-Staatsanwalt Armin Burger mit, der davon ausgeht, dass diese Arbeit in den nächsten Monaten, auf jeden Fall noch in diesem Jahr, erledigt sein wird: „Dann wird dieser Bereich ausermittelt sein“ – womit auch der Zeitpunkt gekommen sein wird, über das weitere Vorgehen zu entscheiden.

Erste Weichen waren bereits Anfang dieses Jahres gestellt worden, als die Soko „Flagge“ in eine Ermittlungsgruppe überführt worden war, deren Stärke auf aktuell sechs Angehörige zusammengeschmolzen ist.

Sollten die Ergebnisse der Massendatenauswertung nichts hergeben, sieht der jetzige Fahrplan vor, die dann noch in diesem Jahr mit der Abarbeitung von Restspuren befasste Ermittlungsgruppe aufzulösen – was bedeuten würde, dass nur noch ein Beamter des Polizeipräsidiums Ulm als Hauptsachbearbeiter am Fall dran bleibt. Schlussendlich wäre dann von Seiten der Staatsanwaltschaft die Frage zu stellen, ob das Ermittlungsverfahren, in dessen Lauf über 10 300 Spuren angesammelt worden sind, eingestellt wird.

Was erneut die Frage nach der Hoffnung stellt. Die Antwort gibt der Leitende Oberstaatsanwalt Andreas Freyberger selbst. „Die durch den Einsatzwillen gestärkte Hoffnung, dass dieser Fall aufgeklärt werden kann, haben wir nie verloren,“ so sein Statement. Wichtiger aber noch ist ihm der Hinweis, dass die Einsatzkräfte über alle die Jahre hinweg mit Hochdruck gearbeitet, nie ihre Ermittlungs-Motivation verloren haben – und die ist bis heute ungebrochen, ohne Abstriche.“