Schlechte Zugverbindungen, überfüllte Straßen, Staus und viel zu viel Verkehr prägen seit vielen Jahren die Situation insbesondere im Raum zwischen Aalen und Heidenheim. Das Problem ist schon lange erkannt, doch was kann man tun, um es zu beheben? Allein zu Zeiss in Oberkochen pendeln täglich rund 8000 Mitarbeiter ein, viele davon durch das Nadelöhr Königsbronn. Und das Unternehmen will in den kommenden Jahren weiter wachsen.

Alle müssen sich beteiligen

„Das ist eine prosperierende Region, aber es gibt viele Verkehrsprobleme“, sagte Landesverkehrsminister Winfried Hermann in einer Videobotschaft, die er zum Auftakt für einen Mobiliätspakt für Ostwürttemberg sandte. Eigentlich sollte die Veranstaltung bei Zeiss stattfinden, doch coronabedingt wurde sie als Videokonferenz abgehalten. „Es geht um die Zukunft der Mobilität und der Lebensqualität, wir müssen das ganzheitlich verbessern“, so der Minister. Nur wenn alle Beteiligten aus beiden Landkreisen, also Wirtschaft, Bürger und Politik, zusammenarbeiteten und sich gemeinsam Gedanken über die Lösung der Probleme machten, könne etwas erreicht werden. Das erfordere vernetztes Denken, man dürfe sich nicht auf einen oder zwei Verkehrswege beschränken, sondern müsse alles im Auge behalten, miteinander verbinden und auch nach neuen Lösungen Ausschau halten“, sagte Hermann und betonte, dass es dabei auch um Umwelt- und Klimaschutz geht.

Fünf Handlungsfelder

Regierungspräsident Wolfgang Reimer erläuterte, dass es in dem auf fünf Jahre angelegten Prozess fünf Handlungsfelder gibt: Öffentlicher Nahverkehr (ÖPNV), Radfahrer und Fußgänger, Autoverkehr/Straße, Güterverkehr/Schiene und betriebliches Mobilitätsmanagement. In verschiedenen Koordiniergungsgruppen sollen die Erkenntnisse und Ideen die von Arbeitsgruppen erarbeitet werden, gebündelt und abgestimmt werden. Einmal jährlich wird sich dann ein Steuerungskreis unter der Leitung des Verkehrsministers treffen, um konkrete Entscheidungen zu fällen.

In den Arbeitsgruppen sollen Vertreter aller Akteure landkreis- und gemeindeübergreifend zusammenarbeiten, um das große Ziel zu erreichen, die betroffenen Menschen und Ortschaften zu entlasten.

Die Zeit drängt

„Wir müssen endlich loslegen, das Thema ist brisanter und aktueller denn je“, betonte Dr. Joachim Bläse, Landrat des Ostalbkreises. Die Verkehrsinfrastruktur stehe schon lange unter sehr großem Druck. „Die Bürger sind müde, zu hören, wer wofür zuständig ist. Sie erwarten, dass wir die Probleme gemeinsam angehen und sie erwarten Erfolge.“ Deshalb sei die Unterzeichnung des Mobilitätspaktes, an dem das Land maßgeblich beteiligt ist, der erste Schritt hin zu Verbesserungen. „Jetzt liegt es an uns, die Themen gemeinsam und konkret anzugehen.“

Brenzbahnausbau ist besonders wichtig

Auch der Heidenheimer Landrat Peter Polta betonte, dass intelligente Konzepte notwendig sind, um die Situation nachhaltig zu verbessern. „Bei der B 19 muss über alternative Trassen nachgedacht werden, es geht um bessere Anbindungen an die Autobahn und um den dringenden Ausbau der Schienen-Infrastruktur auf der Brenzbahn“, so Polta. „Hier muss es endlich und schnell vorwärts gehen.“ Der Landrat fand zur Gründung des Paktes jedoch nicht nur lobende Worte und forderte auch vom Land, sich frühzeitiger finanziell an den Planungskosten zu beteiligen. „Wir brauchen die nachhaltige Unterstützung von Bund und Land“, betonte Polta.

Zeiss ist mit im Boot

„Das ist das erste Mal, dass sich alle Akteure aus der Region gemeinsam abstimmen, Ziele erklären und diese auch erreichen wollen“, sagte Dr. Matthias Metz, Mitglied des Vorstands der Zeiss-Gruppe. Er räumte ein, dass sein Unternehmen mitverantwortlich sei für die Verkehrsprobleme. „Deshalb liegt es Zeiss am Herzen, nachhaltige und alternative Verkehrswege zu finden und zu bauen.“ Dafür seien unterschiedliche Verkehrsträger nötig, denn auch Zeiss wolle, dass die Mitarbeiter entspannt und familienfreundlich an ihren Arbeitsplatz gelangen. „Wir haben uns alle zusammen große Ziele gesetzt, die Vorschläge liegen auf dem Tisch. Zeiss wird mit Engagement und Freunde dabei sei, die Punkte schnell abzuarbeiten und umzusetzen.“

Dass man möglichst bald zu ersten konkreten Verbesserungsmöglichkeiten kommen wolle, betonte auch Andreas Hollatz, Abteilungsleiter des Bereichs Straßenwesen im Verkehrsministerium. Doch könnten dies nicht nur die ganz großen, sondern parallel auch viele kleinere Schritte sein.

Bürger haben die Möglichkeit, sich unter aa-hdh.mobilitaetspakt-bw.de/de einzubringen und zu beteiligen.

Was bringt der Mobilitätspakt?


Bisher gibt es im Land bereits mehrere sogenannte Mobilitätspakte: In Heilbronn-Neckarsulm, Walldorf-Wiesloch, Rastatt, Böblingen-Sindelfingen sowie einen Dreiländerpakt zwischen Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz im Bereich Mannheim-Ludwigshafen.

Grundsatz eines Mobilitätspaktes ist, dass alle Beteiligten an einem Strang ziehen gemäß dem Motto „Jeder trägt Verantwortung, jeder leistet einen Beitrag“ Gemeint sind damit das Land, die Landkreise Ostalb und Heidenheim, die Kommunen Aalen, Heidenheim, Oberkochen und Königsbronn, die Unternehmen, darunter Zeiss, Deutsche Bahn und Voith, die Hochschulen und die Verbände.

Prioritäten auf Seiten des Landes Baden-Württemberg sind Verbesserungen auf der Brenzbahn und eine bessere und direktere Anbindung des Bereichs zwischen Königsbronn und Oberkochen an die Autobahn 7.