Heidenheim wird Musterregion für den neuen Mobilfunk-Standard 5G. Diese Ankündigung ist nicht nur ein Grund zur Freude, sondern für einige auch zur Sorge. Daher kamen mehr als 130 Zuhörer zum Talhof-Café Walden, um sich über Mobilfunk und Gesundheit zu informieren. Eingeladen hatte die Interessengemeinschaft 5G-frei Heidenheim in Kooperation mit der Attac-Gruppe sowie der ÖDP. Als Referent war der Freiburger Umweltmediziner Dr. Wolf Bergmann zu Gast mit seinem Thema: Wie der Mobilfunk dem Leben dazwischenfunkt.

Zwar sei unsere natürliche Umgebung voll von elektromagnetischer Strahlung wie zum Beispiel vom Licht, womit der Mensch gut zurecht komme. „Die Gefahr erwächst daraus, dass der Mobilfunk ausgerechnet die Frequenzen benützt, welche für die natürlichen Lebensvorgänge reserviert sind.“ Folge sei eine biologische Falschinformation und eine Fremdtaktung.

Nach Ansicht des Referenten wird der neue 5G-Standard die bisherigen Probleme noch vervielfachen. Die kurzwelligen Strahlen benötigen Kleinsendeanlagen alle 150 Meter, an Hauswänden, an Straßenlaternen, unter Gullydeckeln. Diese Belastung sei aber nicht erforscht. Außerdem berücksichtigen die bisherigen Grenzwerte einzig die thermische Belastung, also welche Wärmeenergie beim Körper eintrifft. Genauso wichtig seien die biologischen Wirkungen auf den Organismus, so die Ermahnung des Fachmanns.

Solange dies nicht untersucht sei, solle ein Moratorium für die Einführung von 5G gefordert werden. Bergmann führte als positives Beispiel das Verbot von 5G in der belgischen Hauptstadt Brüssel an, deren Oberbürgermeisterin dies prägnant begründete: „Die Brüsseler Bürger sind doch keine Labormäuse!“.

Das Risiko würde nicht nur von besorgten Bürgern als unkalkulierbar gesehen, die Versicherungswirtschaft in Form der weltgrößten Rückversicherer wie SwissRe oder Allianz sähen darin eine Höchstrisikotechnologie und lehnten sie als unversicherbar ab.

In der Diskussion kamen weitere Aspekte zur Sprache: nach Ansicht des Referenten seien für das Insektensterben nicht nur Pestizide verantwortlich, vielmehr reagierten die Insekten aufgrund ihrer Struktur extrem empfindlich auf die Mobilfunk-Frequenzen. Auch würde der Energieverbrauch durch die 5G-Technologie immens gesteigert.

Als Empfehlung an die veranstaltende Initiative nannte Bergmann eine Erfahrung aus seiner Heimatstadt Freiburg: Dort gab es eine Einwohnerversammlung, um weitere Aufklärung sowie ein 5G-Moratorium zu erwirken.