Heidenheim / Die Milchbauern stehen mit dem Rücken zur Wand. Diesen Eindruck gewann Kultusminister Andreas Stoch bei einem Milchbauern-Abend des Bundesverband Deutscher Milchviehhalter.

Karl-Eugen Kühnle, der Landesvorsitzende des Verbandes, bezeichnete die aktuelle Situation für die Bauern als unbefriedigend und nicht tragbar. Seit dem Ende der Milchquotenregelung sei bei stagnierendem Verbrauch die Milchproduktion EU-weit kontinuierlich angestiegen. Auf dem Weltmarkt sei diese Menge angesichts der Wirtschaftskrise in China und des Russland-Embargos nicht oder nur mit deutlichen Preisabschlägen unterzubringen. Experten erwarteten im Lauf des Jahres einen weiteren Rückgang des Milchpreises auf etwa 20 Cent.

Angesichts dieser düsteren Prognosen forderte Kühnle die sofortige Umsetzung des Krisenmanagement-Programms des BDM – der einzige Verband, der zur derzeitigen Krise überhaupt eine Lösungsmöglichkeit anbiete. Der Deutsche Bauernverband, die Lebensmittelindustrie und die Politik in Deutschland stemmten sich vehement gegen das Konzept, die Milchproduktion EU-weit zu verringern, bis ein Marktgleichgewicht hergestellt sei. Der SPD-Politiker Andreas Stoch sah die Probleme der Milchbauern ähnlich. Er plädierte ebenfalls für bessere Rahmenbedingungen, weil der einzelne Bauer mit seinem Verhalten den Markt nicht beeinflussen könne. Wenn der Erlös nicht auskömmlich sei, brauche man einen Ansatzpunkt, an dem die Politik eingreifen könne, damit der Markt wieder ins Gleichgewicht komme. Weil die Nöte der Milchbauern europaweit die gleichen seien, hielt er das Konzept des BDM für sinnvoll, vor allem auch weil keine zusätzlichen Steuermittel zu Umsetzung nötig seien. Er werde sich in der Landesregierung für eine Bundesratsinitiative einsetzen, in der auch eine Produktionsdrosselung zur Sprache kommen müsse.

Hans Ott, der Kreisvorsitzende des BDM, gab in seinem Statement zu bedenken, dass den Bauern „schon der Kittel brennt“. Viel Zeit dürfe bis zu einer Lösung nicht vergehen, sonst sei es für viele Betriebe zu spät. Ein Milchbauer im Kreis Heidenheim erlöse zur Zeit 2000 bis 3000 Euro im Monat weniger als noch vor zwei Jahren. Die Substanz sei aufgebraucht, eine politische Lösung dringend erforderlich.