Das Grundprinzip der Tafeln ist schnell erklärt: Die Tafeln sammeln überschüssige Lebensmittel, die nach den gesetzlichen Bestimmungen noch verwertbar sind, und geben diese an arme Menschen ab. So lautet der erste Grundsatz der Tafeln. Die Heidenheimer Tafel heißt „W52“, befindet sich in der Wilhelmstraße 52 und gehört zur Caritas. Von Montag bis Freitag hat der Laden täglich von 11 bis 15 Uhr geöffnet. Durch den Krieg in der Ukraine und die Energiekrise hat sich die Lage der Tafeln bundesweit verschärft.

Wie ist der Heidenheimer Tafelladen aufgebaut?

Der Tafelladen ist im Grunde ein kleiner Supermarkt, der Waren stark vergünstigt und teilweise umsonst anbietet. In erster Linie werden Lebensmittel angeboten. Es gibt eine Theke mit Backwaren und einen Bereich mit anderen Speisen und Getränken: vom frischen Salatkopf, über Milch und Eier bis zu lang haltbaren Nudeln oder Reis. Außerdem gibt es einen Kinderbereich mit Kleidung, Spielsachen und beispielsweise Kinderwagen. Auch verschiedene Hygieneartikel oder Blumen sind erhältlich.

Woher kommen die Produkte im Heidenheimer Tafelladen?

Bei einem großen Teil der Lebensmittel handelt es sich um gespendete Restware lokaler Supermärkte. Die Backwaren werden regelmäßig von zwei Bäckereien bereitgestellt. Privatpersonen spenden Kleidung und Spielsachen, aber auch länger haltbare Lebensmittel sind oft dabei. Meistens wird die Ware zum Laden gebracht, bei Bedarf kann sie aber auch abgeholt werden. Da die Tafel von Spendern abhängig ist, kann der Füllstand der Regale stark variieren.

Was hat sich aufgrund des Ukrainekriegs und der Energiekrise in letzter Zeit im Heidenheimer Tafelladen verändert?

„Wir haben aktuell pro Tag 90 bis 110 Kunden. Vor einem Jahr waren es halb so viele“, sagt Marktleiter Dietmar Wotsch. Um den Ansturm bei Ladenöffnung zu regulieren, müssen die Kunden Nummern ziehen. Je kleiner die Zahl, desto schneller darf man rein. Zudem würden die Supermärkte ihre Prozesse immer weiter optimieren, wodurch weniger Produkte für die Tafel übrig bleiben. Auf der anderen Seite sei jedoch klar zu beobachten, dass die Menschen große Solidarität mit den Bedürftigen zeigen, so Markus Mengemann, Regionalleiter der Caritas. Viele würden Lebensmittel und Kleidung spenden, aber auch Geld, das bei der noch anstehenden Energiekostenabrechnung des Tafelladens gut gebraucht werden kann. Trotz großer Hilfsbereitschaft der Menschen habe sich die Situation der Tafel durch den krassen Kundenanstieg insgesamt verschärft.

Wer darf im Heidenheimer Tafelladen einkaufen?

„Grundsätzlich nur Bedürftige. Dazu gehören etwa Menschen, die Hartz IV, Grundsicherung oder Geld durch das Asylbewerbergesetz bekommen. Auch Menschen mit einem sehr geringen Verdienst oder einer Rente unter der Pfändungsgrenze dürfen einkaufen“, sagt Wotsch. Wer erstmalig zum Laden kommt, muss einen Bescheid für seine Bedürftigkeit vorzeigen und bekommt im Anschluss einen Tafelausweis ausgestellt. Dieser muss regelmäßig verlängert werden. „Wir haben unter anderem Ukrainer, Syrer, alleinerziehende Mütter, ältere Menschen mit kleiner Rente oder auch Auszubildende mit einem sehr geringen Lohn“, so Wotsch über seine Kundschaft.

Wer arbeitet in der Heidenheimer Tafel?

Der einzige fest angestellte Mitarbeiter der Tafel ist Marktleiter Dietmar Wotsch. Der 41-Jährige ist seit gut einem Jahr Marktleiter und hat ein Team von 25 ehrenamtlichen Mitarbeitern um sich. Manche von ihnen sind eigentlich arbeitslos und helfen als Maßnahme vom Jobcenter in der Tafel mit. Andere sind in Rente, wieder andere Mitarbeiter haben noch Sprachprobleme in Deutschland. „Trotz mancher kleiner Probleme ist das Team absolut leistungswillig und leistungsfähig“, sagt der Marktleiter. Die Tafel sei nicht nur für die Kunden, sondern auch für die Mitarbeiter zur Begegnungsstätte geworden. Täglich werden im Laden acht bis zwölf Mitarbeiter gebraucht. Sie stehen hinter den Kassen und sorgen dafür, dass das Einkaufen geregelt abläuft.

Wie viel kosten die Produkte im Heidenheimer Tafelladen?

„Normalerweise wird die Ware für 20 bis 30 Prozent des normalen Preises verkauft“, sagt Wotsch. Das sei eine Vorgabe des Tafelverbunds für die circa 1000 Tafeln in Deutschland. Oft gebe es jedoch auch Angebote und manche Produkte werden umsonst abgegeben. Ein Liter Milch kostet beispielsweise 30 Cent, zehn Eier 80 Cent und ein Kilogramm Nudeln einen Euro.

Wie kann man helfen?

Selbstverständlich sind sowohl neue Mitarbeiter als auch Spenden jederzeit willkommen. Besonders Fahrer, die Ware bei Menschen abholen, die sie nicht selbst bringen können, seien gesucht. Wer kleinere Sachspenden beisteuern will, solle sich bei Wotsch melden. Dessen Kontaktdaten finden sich wie auch das Spendenkonto auf der Internetseite der Caritas www.caritas-ost-wuerttemberg.de.

Warum engagieren sich die ehrenamtlichen Mitarbeiter im Tafelladen?

Rosemarie Junginger arbeitet seit Juli 2021 zwei Mal pro Woche in der Heidenheimer Tafel. Die Rentnerin erzählt: „Meine erste Motivation war es, Lebensmittel zu retten, die man sonst wegwerfen würde.“ Die Arbeit mache ihr Spaß und sie habe vor, sie weiter zu machen.

Bereits seit neun Jahren bei der Tafel arbeitet Petra Herold. Die 62-Jährige war arbeitslos und bekam die Stelle bei der Tafel zugewiesen. Im Anschluss hat sie sich bereit erklärt, weiter zu machen. Aktuell arbeitet Herold etwa 15 Stunden pro Woche. Ans Aufhören denkt sie noch lange nicht: „Die ehrenamtliche Arbeit tut echt gut. Wenn ich Urlaub habe und zu Hause bin, geht es mir schlechter, als wenn ich arbeite.“

Diskussionsrunde über die Tafel

Am Dienstag, 24. Januar, um 19.30 Uhr wird im Mergelstetter Gemeindehaus Christkönig über Herausforderungen und Zukunftsperspektiven des Heidenheimer Tafelladens debattiert. Veranstaltet wird der Austausch vom Sozialausschuss der Seelsorgeeinheit Heidenheim. Von Seiten der Caritas wird es Impulsvorträge geben. Zudem sind alle Fraktionen des Stadtrats eingeladen.

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