Erst mal Flöte spielen, lautete Mamas Auftrag, als Max Spohn noch ein kleiner Junge war. Schließlich muss der Bub ja zuerst das Notenlesen lernen. Mit acht Jahren war es dann endlich soweit und Max durfte auf die Gitarre umsteigen. „Notenlesen kann ich zwar immer noch nicht, aber mit einem guten Gehör geht das auch so“, witzelt der inzwischen 21-jährige Heidenheimer.

Zweifellos ist er seinem damaligen Wunsch-Instrument auch heute noch sehr verbunden. Denn Spohn ist nicht nur Gitarrist beim „Brenztown Blues Club“, sondern hat sich auch beruflich voll und ganz der Gitarre verschrieben. In Markneukirchen im sächsischen Vogtland studiert er derzeit Gitarrenbau an der einzigen Hochschule für Musikinstrumentenbau, um sich danach selbstständig zu machen.

Denn schon während der Schule tauschte der junge Mann Tonabnehmer aus oder baute sich in der Schule seine eigene E-Gitarre. „Nach dem Abi wollte ich dann eigentlich Produktdesign studieren“, so Spohn. Doch beim Zusammenstellen der Bewerbungsmappe habe er schnell gemerkt, dass das reine Entwerfen nichts für ihn ist und er noch eine handwerkliche Komponente braucht. „Ich hab' immer lieber an meinen Gitarren rumgeschraubt.“

Und so landete Spohn schließlich in Bamberg bei Thomas Ochs, einem bekannten Gitarrenbauer. „Der hat mir in einem halben Jahr Praktikum alles beigebracht, was man eigentlich in drei Jahren Ausbildung lernt“, erklärt der 21-Jährige, der bei Ochs auch sein erstes Instrument baute. Und weil sein Meister zufällig auch Dozent an der Hochschule ist, an der Spohn jetzt studiert, war die Brücke in diese Richtung schnell geschlagen. „Thomas hat mir dann geraten, mich gleich an der Hochschule zu bewerben und nicht vorher noch eine Ausbildung zu machen.“ Denn das ist eigentlich Voraussetzung, um dort genommen zu werden.

Doch dank einer Aufnahmeprüfung, bei der Spohn in verschiedenen Aufgaben sein Geschick, vor allem aber seine saubere Arbeitsweise unter Beweis stellen konnte, wurde er auch so sofort genommen. Mittlerweile hat der Heidenheimer das vierte Semester hinter sich gebracht. Von Musikgeschichte über Akustik, Mechanik und Messtechnik bis hin zu Werkstoffkunde wurde viel theoretisches Wissen vermittelt. Aber auch die Praxis kam nie zu kurz, denn in jedem Semester muss ein neues Instrument gebaut werden.

Zwar waren laut Spohn auch nervenaufreibende Kurse wie der zum Anfertigen einer Lautenrosette dabei, in die letztlich rund 80 Arbeitsstunden flossen, doch jetzt beginnt die Phase der Projektarbeiten. Dabei kann sich der Künstler ganz auf sein Handwerk konzentrieren. „Das sechste Semester ist dann noch ein Praxissemester“, erklärt er. Und auch für dieses hat der Heidenheimer schon konkrete Pläne: „Da würde ich gerne zu einem Gitarrenbauer nach Oregon. Ob das klappt, entscheidet sich im Oktober.“

Für Spohn baut Raymond Kraut die besten Gitarren der Welt. „Die sind sehr sensibel, klingen voluminös, aber trotzdem ausgeglichen. Wenn man so eine in der Hand hat, ist das ein krasses Gefühl, weil sie auch ohne Kraft einen ganz intensiven Klang hat“, schwärmt er. Genau so versuche auch er, seine Gitarren zu bauen. Um „Guru“ Kraut einmal persönlich zu treffen, war Spohn vor einiger Zeit sogar extra zu einem Vortrag des Gitarrenbauers nach Brighton in England geflogen. „Da habe ich mit ihm geredet und wir sind in Kontakt geblieben.“

Im Oktober wird Spohn ihn auf einer Gitarrenshow in Berlin wiedertreffen, und da will er noch einmal persönlich nachfragen, ob er nun im Februar 2017 nach Oregon kommen darf. „Wenn nicht, dann hoffe ich, dass er andere Kontakte für mich hat.“ Amerika soll es unbedingt sein, weil hier in Deutschland keiner die Gitarren so baut, wie es Spohn gefällt. Denn der Heidenheimer baut ausschließlich Stahlsaitengitarren – keine klassischen und keine E-Gitarren. „In ihnen steckt so viel Potenzial“, sagt der 21-Jährige, der sich in Formensprache und Einlagen an den Instrumenten von Kraut orientiert.

„Für mich muss es warm klingen und einen fetten Bass haben“, erklärt er. Das aus dem Instrument herauszuholen, sei nicht leicht, weil Stahl an sich eher schrill klinge. Da komme es besonders auf die richtige Konstruktion des Körpers an.

An dieser feilt Spohn unaufhörlich in seiner Werkstatt an der Hochschule in Markneukirchen, die er sich mit einem Kommilitonen teilt. Dort entsteht auch seine neueste Projektarbeit: eine spezielle Rahmenkonstruktion. „Mehr will ich aber eigentlich nicht verraten, weil es so etwas auf dem Markt noch nicht gibt.“ Wenn sein Vorhaben klappt, könnte Spohn also Vorreiter auf diesem Gebiet werden.

Für ihn ist das Studium die optimale Möglichkeit, schon während der Ausbildung seine eigene Modellreihe zu entwickeln, die er hinterher gleich verkaufen kann. „Zwei Modelle hab' ich jetzt schon. Auf lange Sicht soll noch ein drittes dazukommen.“ Spohn baut gerne kleinere Gitarren, weil sie handlicher sind und „einer großen in nichts nachstehen“.

Wieviel Herzblut der junge Mann in seinen Beruf steckt, erkennt man nicht zuletzt an dem Holzlager, das er sich in seinem Heidenheimer Elternhaus angelegt hat. Immer wenn er Geld hat, kauft er sich neues Holz dazu. „Hier liegen vor allem Fichte für die Decke und Ahorn, Palisander und verschiedene Obsthölzer für Böden und Zargen“, erklärt er. Preislich liegen die Holzstücke zwischen 40 und 250 Euro. Auch wichtig: „Das muss hier jetzt erstmal zwei bis drei Jahre trocknen, bis ich es verarbeiten kann.“

Selbstsicher genug, um sich selbstständig zu machen, ist Spohn zweifellos auch. „Bisher war keines meiner Instrumente schlecht“, sagt er überzeugt. Und außerdem würde er schon heute nicht mehr für andere arbeiten wollen, weil er seiner Meinung nach jetzt schon bessere Instrumente baut als manch anderer.

Und wenn er nicht gerade Gitarren baut, dann spielt Spohn sie auch. Mit dem „Brenztown Blues Club“ hat er regelmäßig Auftritte und wie man schon daraus lesen kann, hat es ihm besonders der Blues angetan. „Ansonsten hab' ich eher wenige Hobbies. Freunde treffen, Bier trinken – was man halt so macht.“

 

Info Mehr über Max Spohn und seine Gitarren gibt es im Internet unter www.facebook.com/Spohn-Guitars-1644482145784892.