Für Thomas Born war es ein spannender Einstieg: Seit Herbst 2010 zeichnet der Vorsitzende der Geschäftsführung der Voith Dienstleistungen und Grundstücks GmbH für die Ausbildung, aber auch für die „Kindervilla“ und das künftige Bildungshaus verantwortlich – und unmittelbar nach seinem Start verkündete Voith-Chef Dr. Hubert Lienhard beim Voith-Ausbildungsjubiläum im November 2010 den Plan, die Ausbildung aus dem Haintal auf das Ploucquet-Areal ans Werk zu verlegen.

Für Voith ging es dabei von Anfang an um weit mehr als einen Neubau: Ab Dezember 2010 bildete sich eine Arbeitsgruppe, die eine komplette Neukonzeption der Ausbildung bei Voith in Angriff nahm. Im Blick standen Anforderungen, die ein Betrieb im Jahr 2020 an eine umfassende Berufsbildung zu stellen hat.

Bei Voith sprach man mit Ausbildern wie Auszubildenden, setzte sich mit Experten an den Tisch, besichtigte beispielhafte Berufsbildungsstätten wie die der Firma Würth in Künzelsau, ließ sich von bekannten Größen wie dem Schweizer Pädagogen Peter Fratton beraten.

Warum? Thomas Born verweist auf die renommierte Tradition der Voith-Ausbildung ebenso wie auf die sich ändernden Anforderungen: „Voith bildet heute in Heidenheim in über einem Dutzend Berufen aus“, sagt Born. Vorbei die Zeit, da man „beim Voith“ vor allem Schlosser, Elektriker oder Kaufmann wurde. Die Arbeitsgruppe feilte an Modellen, die Grundkompetenzen und Firmenwerte ebenso vermitteln sollte wie höchstes fachliches Know-how.

Die Ausbildung neuer Art wird bei Voith seit September 2011 umgesetzt. Heute verbringen die Voith-Azubis am Anfang bis zu fünf Monate in einer gemeinsamen „Grundausbildung“, in der man alle gebotenen Berufsbilder kennenlernt. Wöchentliche Tests gibt es, die Ausbilder selbst werden regelmäßig weitergebildet, Experten halten Vorträge – auch zu aktuellen Fragen der Politik. Und die Azubis sollen mehr im Betrieb sein: In der Produktion wurden verschiedene „Lerninseln“ eingerichtet, bei denen man dort lernt, wo auch gearbeitet wird.

Und schon dieses Konzept stieß an die Grenzen der altehrwürdigen Berufsbildungsstätte aus dem Jahr 1965. „Im Haintal kam es bisweilen zu einem Laborcharakter“, erklärt Thomas Born: „Manche Auszubildenden kamen erst nach zwei Jahren in den eigentlichen Betrieb.“ Zudem folgt das Haintal klassischen Ausbildungsmustern: Die einzelnen Lehrwerkstätten liegen getrennt voneinander und hindern so auch am nun gewünschten, spartenübergreifenden Lernen.

Neues Lernen also in einem neuen Gebäude – für Voith der grundlegende Ansatz für den Neubau: „Die Architektur des Gebäudes muss der Ausbildungskonzeption folgen, dann erst werden die Erwartungen erfüllt“, so Born. Ausbildungsstätten in ganz Deutschland wurden besichtigt, mit den sechs Architekturbüros, die sich am Wettbewerb für das neue Zentrum beteiligten, fanden Kolloquien statt – und auch die Azubis selbst wurden befragt. „Hell, kommunikativ, offen transparent“ solle der Neubau sein, hieß es dort: Und bitte zentral.

Das Preisgericht, dem auch Oberbürgermeister Bernhard Ilg angehörte, entschied sich am Ende für den Glasbau des Leinfelder Architekten Eberhardt Faecke: Der 60 auf 40 Meter große Bau ist betont transparent und bietet ein acht Meter hohes Erdgeschoss, in dem die Ausbildung buchstäblich im Mittelpunkt steht: „Die Werkstatt ist zentral und transparent, dort läuft auch jeder Besucher durch“, so Born. Fußgänger können in die Werkstatt und teils sogar durch das ganze Gebäude blicken. In den beiden Obergeschossen ziehen auch die Ausbilder und die Personalentwicklung und Fortbildung ein – der Neubau wird nicht nur den rund 200 Voith-Azubis, sondern auch 120 Angestellten eine Heimat sein. „Der Neubau ist kleiner als die Gebäude im Haintal, aber er ist intelligenter genützt“, so Thomas Born. Da Azubis häufiger im Werk seien braucht es weniger Platz, auch benötigt man keine eigene Kantine mehr – die Werkskantine liegt schließlich schräg gegenüber.

Ab September soll mit dem Bau des 16 Millionen Euro teuren Ausbildungszentrums begonnen werden, beauftragt ist der Stuttgarter Baukonzern Züblin. Nahe des Brenzufers sind Pfahlgründungen nötig, anschließend wird ein unterkellerter Betonkern gebaut, der freilich nicht die gesamte Größe des Baus umfasst. Das Gebäude nämlich wird in vier rund 20 Meter hohen Stahlpfeilern aufgehängt, deren Röhren auch als Klimakanäle dienen werden. Um den Betonkern herum besteht das Gebäude fast nur aus Glas und Metall. Der Eingang des Baus mit zwei Fahrstühlen und drei Treppenhäusern weist an der Ostseite in Richtung Brenzufer, an dieser Seite ist auch ein kleiner begrünter „Campus“ für die Auszubildenden geplant.

Das Brenzufer selbst bleibt öffentlich zugänglich, dort hatte die Stadtverwaltung im April 2011 eine terrassenartige Ufergestaltung mit Sitztreppen bis ans Wasser vorgestellt.

Für den Neubau wird Voith das Südende des Ploucquet-Areals erwerben: In der Vorwoche hat der Gemeinderat dem Verkauf des Geländes zugestimmt.

Bis Ende 2013 soll das neue Ausbildungszentrum in Betrieb genommen werden und die Ausbildung aus dem Haintal in die Stadt ziehen – was aus den Gebäuden im Haintal wird, ist noch unklar.

Für Thomas Born ist das neue Herz der Voith-Ausbildung schon jetzt eine Herzensangelegenheit: „Es ist das interessanteste und sinnvollste Projekt zugleich, an dem ich bisher mitarbeiten durfte“, sagt der Voithianer.