Kreis Heidenheim / Im Kreisklinikum nimmt man den Kampf gegen multiresistente Bakterien auf, gleichzeitig erregen sich die Gemüter über ein Bauvorhaben in Ziertheim, wo ein Geflügelmaststall mit knapp unter 40.000 Mastplätzen gebaut werden soll.

„Schuld hat nicht der Bauer“, so Margit Stumpp. Es seien zwei Meldungen aus dem Landkreis, die die Bürger aufschrecken: Im Kreisklinikum nimmt man den Kampf gegen multiresistente Bakterien auf, der „eigentlich nicht zu gewinnen“ ist, gleichzeitig erregen sich die Gemüter über ein Bauvorhaben in Ziertheim, wo ein Geflügelmaststall mit knapp unter 40 000 Mastplätzen gebaut werden soll.

„Der Ärger über Letzteres schlägt in Form empörter Mails bei der Kommunalpolitik auf: Warum lasst ihr das zu? Die Antwort ist simpel: Die Kommunalpolitik hat de facto keine Macht, einen solchen Stall zu verhindern. Im konkreten Fall, weil das Bauvorhaben im bayerischen Ziertheim bauplanungsrechtlich nicht beeinflussbar ist. Zum Anderen sind Bundesgesetze (§35 BauGB, BimSchG) zu befolgen, die solche Bauvorhaben erlauben. Weder Land noch Kommunen können das, wenn die gesetzlichen Bestimmungen eingehalten werden, verhindern.

Dabei sind die Vorbehalte gegen den Maststall durchaus begründet: Monokulturen, egal ob auf dem Feld oder im Stall, sind nur mit dem massiven Einsatz von Chemikalien bzw. Arzneimitteln „gesund“ zu halten. Behörden bestätigen neue Tests des Bund, wonach fast 90 Prozent der Mast-Puten in Deutschland keimtötende Medikamente erhalten und das Fleisch daher resistente Keime enthält. Damit ist die Brücke zum kostenträchtigen Kampf gegen multiresistente Bakterien geschlagen.“

Mit großem Aufwand müsse im Kreisklinikum wenigstens versucht werden, dieser Bakterien Herr zu werden, erklärt die Grünen-Fraktionsvorsitzende. Noch wichtiger als der Schutz vor den Erregern wäre der Verzicht auf Antibiotika. Leider werde es in der Massentierhaltung nicht nur in akuten Fällen, sondern vor allem zur Prophylaxe eingesetzt. Mit fatalen Folgen: Nicht nur beim Tier, auch beim Menschen seien im Krankheitsfall die gängigen Medikamente zunehmend unwirksam, scheinbar beherrschbare Krankheiten würden tödlich enden. Auf der anderen Seite sei der Markt für Geflügelfleisch laut Landesinstituten für Landwirtschaft übersättigt: „Deutschland liegt durch die Ausdehnung der Geflügel- und Fleischproduktion in den letzten Jahren mit einem Versorgungsgrad von 119 Prozent deutlich über dem EU-Durchschnitt.“

Und der Ausbau gehe weiter, so Margit Stumpp. „Die Folge: Zusätzliche Mengen können nur über Dumpingpreise verkauft werden. Der Mäster erzielt pro Hähnchen einen Gewinn von wenigen Cent, trotzdem geht er das wirtschaftliche Risiko ein. Wenn er für sich darin eine Zukunft sieht, wer will es ihm verwehren? Sind wir doch über jede bäuerliche Familie froh, die ihren Hof weiter betreibt. Sie hat sich ohnehin gegen beinahe übermächtige Konkurrenz zu behaupten: Im Osten Deutschlands gibt es Anlagen mit über 350 000 Tieren. Im europäischen Ausland ebenso, zudem sind dort die Auflagen niedriger. Noch schwieriger wird es, wenn demnächst CETA und TTIP den Import aus noch größeren Ställen mit noch niedrigeren Standards zulassen.“

Die Frage, wer das verhindern kann, sei so zu beantworten: „Auf kommunaler Ebene können Gemeinden eine Bauleitplanung erstellen, die mit Hähnchenmastställen unvereinbar ist. Die muss im Rat durchgesetzt werden und endet an der Gemeindegrenze. Der Gesetzgeber muss das privilegierte Bauen im Außenbereich an bäuerliche Landwirtschaft binden und keine andere als artgerechte Tierhaltung zulassen.“

Dort werde aber kein Handlungsbedarf gesehen. Die meisten Wähler interessiere das Thema nicht. Margit Stumpp: „Die größte Macht hat König Kunde. Wenn nur Preis-wertes Fleisch aus artgerechter Tierhaltung gekauft wird, verschwinden Billigprodukte. Letztlich bestimmt die Nachfrage Angebot und Produktion.“