Heidenheim/Hamburg / Investigativ recherchieren bei einer Lokalzeitung – geht das? Auch darum ging es bei der Jahrestagung des Netzwerks Recherche in Hamburg. Mit dabei: HZ-Redakteurin Silja Kummer, die aufgrund ihrer Serie zum Cross-Border-Leasing eingeladen wurde.
Das Netzwerk Recherche ist ein journalistischer Interessenverband mit rund 700 Mitgliedern, der sich für die Stärkung der Recherche in der Medienpraxis und der journalistischen Ausbildung einsetzt. Vorsitzender war bis zur Mitgliederversammlung am Wochenende Oliver Schröm, Leiter des Investigativ-Ressorts beim „Stern“, der seine journalistische Ausbildung bei der Heidenheimer Zeitung erhalten hat.

Mit Silja Kummer auf dem Podium saßen zwei weitere Kollegen, die für lokale Medien arbeiten: Daniel Gräber von „Der Sonntag“ aus Bad Säckingen und der freie Journalist Christian Schweppe. Begleitet wurden sie von Thomas Schuler aus München und Wolfgang Messner von der Stuttgarter Zeitung, die die Gründung einer Lehrredaktion „Prorecherche“ vorbereiten. Kummers Recherchen zum Cross-Border-Leasing war ein Seminar bei Thomas Schuler vorausgegangen, ihre Arbeit wurde von dem freien Journalisten und Recherchetrainer intensiv begleitet. „Das hilft vor allem dabei, an einem Thema dranzubleiben und auch nicht aufzugeben, wenn die Recherche ins Stocken gerät“, sagte Kummer auf dem Podium.

Nachdem die lokalen Recherchen der Heidenheimer Zeitung auch Aspekte zutage gefördert hatten, die in Bezug auf die Cross-Border-Leasing-Thematik überregional interessant waren, erschien vor zwei Wochen außerdem ein gemeinsamer Artikel von Wolfgang Messner, Thomas Schuler und Silja Kummer in der „Stuttgarter Zeitung“, in dem auch der Heidenheimer Fall eine Rolle spielte.

Aufwendige Recherche, so die von  Silja Kummer vertretene Meinung, lohne sich durchaus auch für Lokalzeitungen. Die daraus resultierenden Artikel werden von den Lesern positiv aufgenommen und fördern das Vertrauen in das Medium – auch wenn sie unbequem seien und man im lokalen Umfeld oftmals damit anecke.

Bei der zweitägigen Veranstaltung des Netzwerks Recherche beim NDR in Hamburg gab es mehr als 100 parallel laufende Veranstaltungen zu verschiedenen Aspekten der journalistischen Arbeit. Es waren namhafte Kollegen vertreten wie Hans Leyendecker („Süddeutsche Zeitung“), Alfred Weinzierl („Der Spiegel“) und der stellvertretende ZDF-Chefredakteur Elmar Theveßen.

Mit dem „Leuchtturm für besondere publizistische Leistungen“ wurde Ulrich Chaussy für seine jahrzehntelange Recherche zum Attentat auf dem Münchner Oktoberfest ausgezeichnet. Als Gesprächspartner saßen auch BND-Chef Gerhard Schindler und der Chef der Gewerkschaft deutscher Lokomotivführer Claus Weselsky auf dem Podium.