Klaus Pommerenke von „Blumen und mehr“ in der Heckentalstraße fühlt sich gewappnet für eine Öffnung am Montag. „Das wird wahrscheinlich auch wieder nur mit Hygieneplan gehen, so wie vor dem Lockdown. Wir hatten ja diese Situation schon vor dem 16. Dezember.“ Für ihn stellt eine Öffnung keine große Umstellung dar, aber er beklagt: „Es gibt immer noch keine klaren Bestimmungen. Erst am Freitag habe ich von unserem Fachverband eine E-Mail bekommen, dass es noch keinen genauen Plan gibt. Was mich wundert, denn heute ist Freitag und wir wissen nicht, wie es ab Montag funktionieren soll.“

Klaus Pommerenke von "Blumen und mehr" in der Heckentalstraße darf am Montag seines Ladens wieder öffnen.
Klaus Pommerenke von „Blumen und mehr“ in der Heckentalstraße darf am Montag seines Ladens wieder öffnen.
© Foto: René Rosin
Diese Unsicherheit macht sich in der gesamten Branche breit: „Ich war gestern in Stuttgart auf dem Großmarkt, wo sich meine Kollegen immer treffen. Und auch da war das ein Thema: Niemand wusste etwas Genaues.“

Großmarkt sehr gut besucht

Das Interesse der Kunden ist sehr groß, da ist sich Pommerenke sicher: „Wir sind ja jetzt schon zweimal in der Woche auf dem Heidenheimer Wochenmarkt. Und wir spüren, dass die Leute durstig nach Pflanzen, Blumen und Farben sind. Auf dem Großmarkt war der Teufel los, weil jeder Florist sich mit Ware eindeckt.“ Baulichen Veränderungen an seinen Geschäftsräumen wegen der Pandemie steht Pommerenke skeptisch gegenüber: „Das käme auf die Definition an, was eine bauliche Veränderung ist. Ich kann jetzt hier keine Wände ziehen oder Glasscheiben einfügen.“ Aber im Außenbereich Tische für den Verkauf aufzustellen, wäre für ihn möglich.

Notlösung: funkgesteuerter Klingelknopf

Auch für Claudia B. Schäfer und ihren Mann Matthias Schäfer-Hiller von „City Blume“ waren die letzten Wochen hart.

Auch für Claudia B. Schäfer und ihren Mann Matthias Schäfer-Hiller von "City Blume" waren die letzten Wochen hart. Vor ihrem Geschäfts haben die beiden eine Verkaufstheke improvisiert.
Auch für Claudia B. Schäfer und ihren Mann Matthias Schäfer-Hiller von „City Blume“ waren die letzten Wochen hart. Vor ihrem Geschäfts haben die beiden eine Verkaufstheke improvisiert.
© Foto: René Rosin
Seit Mitte Dezember hat kein Kunde mehr das Innere ihres Blumenladens in der Christianstraße betreten. Vor der Eingangstür ihres Geschäfts haben die beiden eine Verkaufstheke improvisiert: Auf einem kleinen Tisch liegt zwischen Topfpflanzen und einer Vase mit Nelken auf einem Holzbrett ein funkgesteuerter Klingelknopf: Wer einen Wunsch hat, muss nur kurz drücken und erhält dann seine Ware. Das größte Problem für die beiden ist die Unsicherheit, was die Vorgaben für die Lockerung ab heute betrifft: „Wir wissen noch nicht, auf was wir vorbereitet sein müssen. Die Rechtslage ist ja unklar. Aber wir haben natürlich noch das Hygienekonzept vom ersten Lockdown, das übernehmen wir erst einmal.“

Lockdown genutzt

Es fühle sich nicht schön an, wenn man so in der Luft hängt, so Schäfer. „Aber das kennen wir ja jetzt seit einem Jahr“, ergänzt ihr Mann. „Man lernt damit zu leben, das ist das unternehmerische Risiko.“ Die beiden haben die Zeit während des Lockdowns dafür genutzt, sich vor allem im Bereich Marketing und Service breiter aufzustellen. „Wir sind jetzt auf Instagram, auf Heidenheimerleben.de und haben ein Bonuskartensystem eingeführt“, so Claudia B. Schäfer. Ein weiterer Erfolg war die Erweiterung der Zahlungsmöglichkeiten: Ihre Kunden können jetzt auch mittels Kreditkarte oder Paypal ihre Rechnung begleichen. Für die Öffnung planen die beiden zudem eine Vergrößerung des Außenverkaufsbereiches inklusive einer Erweiterung des Sortiments.

Straßenverkauf ist möglich

Ali Erols Blumenladen „Schloss Blumen“ in der August-Lösch-Straße liegt wenige Schritte von dem der Schäfers entfernt. Er kommt gerade vom Großmarkt und lädt frische Ware aus. Die Kurzfristigkeit der Entscheidungen der Politik löst auch bei ihm Stress aus, aber er ist voller Hoffnung, dass es jetzt bald aufwärts geht: „Ich freue mich! Und ich wünsche allen, dass sie wieder öffnen können! Die Supermärkte durften Blumen verkaufen, aber den kleinen Geschäften war es verboten, das war unfair.“ Dass es noch keine klaren behördlichen Vorgaben für die Öffnung gibt: „Das ist halt so. Mit dem Risiko muss man leben. Man muss es nehmen wie es kommt.“ Platz genug für einen Straßenverkauf gäbe es auch bei ihm.

Fehlende Rechtssicherheit

Heike Huber von der Gärtnerei Huber vertritt als Kreisgärtnermeisterin des Gartenbauverbandes Baden-Württemberg-Hessen e. V. die Interessen der örtlichen Gärtner und Floristen gegenüber der Politik. Und dazu gehört auch die Öffnung der Gärtnereien und Blumenläden: „In Hinsicht auf diese Öffnung sind wir aktiv geworden und haben versucht, bei der Politik Gehör zu finden“, so Heike Huber. Offenbar mit Erfolg, aber auch sie bedauert die momentan noch fehlende Rechtssicherheit: „Die Landesregierung hat noch nichts Neues in die Verordnung reingeschrieben.“  Und das wird auch noch einige Tage so bleiben: Mit einem Ende dieser Unsicherheit ist wohl vor dem 2. März 2021 nicht zu rechnen, so Heike Huber.

Bei Kreisgärtnermeisterin Heike Huber sind die Gewächshäuser voll Warum Gärtnereibetriebe im Corona-Lockdown um ihre Existenz fürchten

Heidenheim

Diese Regeln gelten beim Blumenkauf


Stand Samstag, 27. Februar, erfolgt die Öffnung der Gärtnereien und Blumenläden zum 1. März zu denselben Voraussetzungen, wie sie vor dem 16. Dezember gültig waren: Maskenpflicht, Einhaltung der Abstandsregel, Plexiglasscheiben im Kassenbereich und maximal ein Kunde pro 20 Quadratmeter Verkaufsfläche. rr