Endlich ist es soweit, das neue Versandlager kann ausliefern. Die gestern bestellte Waschmaschine, die neue Anbauwand oder der dringend benötigte Rasenmäher kommen jetzt noch schneller zum Kunden.

20 Jahre nach Investor gesucht

Endlich wurde eine sinnvolle Nutzung dieser, schon lange als Gewerbegebiet ausgewiesene Fläche gefunden. Bemühungen einen Investor zu finden, waren über 20 Jahre gescheitert.

Endlich konnten 200 neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Und sogar werden als Einstiegsgehalt zwölf Euro pro Stunde vergütet (entspricht dem geplanten Mindestlohn der neuen Bundesregierung). Ein gigantisches Bauwerk auf dem Luftbild in der HZ.

Der Preis für diese Investitionen

War früher der Bahnanschluss für den wirtschaftlichen Wettbewerb von Vorteil, ist es heute die Nähe zur Autobahn. Doch was ist der Preis für diese Investitionen? 10 Hektar Wald wurden in einer Nacht- und Nebelaktion abgeholzt. 53.000 Quadratmeter Lagerfläche zugebaut (die dazugehörige Verkehrserschließung nicht mitgerechnet). 190 LKW und 60 weitere Lieferfahrzeuge werden pro Tag erwartet. Vermutlich weitgehend besetzt mit Fahrer aus Osteuropa.

Konstrukt an Subunternehmen

Unter welchen tollen Bedingungen bei Amazon gearbeitet wird, soll eine große Werbeaktion in den Tageszeitungen unterstreichen. Die Realität sieht aber meistens anders aus. Überwachung durch Kameras, strenge Hierarchien mit exakten Anweisungen und ein kaum durchschaubares Konstrukt von Subunternehmen.

Das Lager bei Nattheim ist ja nicht das einzige Logistikzentrum, das in unserem Landkreis in den letzten Jahren entstanden ist. Man denke nur an die riesigen Hallen in den Heidenheimer Seewiesen oder an der Autobahnanschluss-Stelle Giengen/Herbrechtingen, wo bereits ein weiteres Amazon-Auslieferungszentrum im Bau ist.

Dettingen macht Auflagen

Doch wo bleiben die Solaranlagen auf den Riesenhallen? Wenigstens in Dettingen hat man dies einem solchen Neubau zur Auflage gemacht. Wenn wir so weitermachen, werden wir unsere Klimaziele mit Sicherheit verfehlen! Jeff Bezos und Co. sei gedankt.

Reiner Mutschler, Gussenstadt