Erfahrungen Corona spaltet die Gesellschaft. Dies ist nichts Neues. Neu ist jedoch, dass man in einer Kleinstadt wie Heidenheim als Mensch mit gesundheitlichen Einschränkungen wie ein Aussätziger oder Mensch zweiter Klasse behandelt wird. Diese Erfahrung musste ich leider am 1. September im Beisein meiner Mitarbeiterin machen, als ich in einem in Heidenheim ansässigen Copy-Shop einen Auftrag erteilen wollte. Bereits mit meinem Attest in der Hand, welches bestätigt, dass ich aus gesundheitlichen Gründen keine Mund-/Nasenschutzmaske tragen kann, wurde ich argwöhnisch angesehen. Daraufhin habe ich sofort erklärt, dass ich aus gesundheitlichen Gründen keine Mund-/Nasenschutzbedeckung tragen kann und hierüber auch über ein ärztliches Attest verfüge, welches ich auch sofort vorgezeigt habe. In gleichem Atemzug habe ich angeboten vor der Tür zu warten, worauf mir in barschem Ton erklärt wurde, dass ich dies gefälligst tun solle. Nachdem ich in strömendem Regen vor der Tür gewartet habe, bis mein Auftrag erledigt war, habe ich mir erlaubt zu bemerken, dass ich mich wie ein Aussätziger fühle, worauf mir erklärt wurde, dass ich ja hier derjenige sei, der hier „herumspucke“. Geht es noch unverschämter?

Ähnliches ist mir neulich in einer Buchhandlung widerfahren. Dort wurde dann mein virenverseuchtes Attest durch die Mitarbeiterin in die Hand genommen (!), um es zu lesen. Die Hände desinfiziert hat sich diese Mitarbeiterin während meines zirka 15-minütigen Aufenthalts im Laden danach nicht.

Es ist nicht das Internet, welches den stationären Einzelhandel vernichtet. Das schafft der Einzelhandel angesichts derartigem Umgang mit den Kunden selbst. Das Internet ist nur die dankbar angenommene Alternative, die Einkaufen bequem und frei von Ärgernissen macht. Bestellen kann man ohne Umstände vom Smartphone aus dem Biergarten. Das funktioniert zumindest so lange, bis auch die Gastronomen endgültig die Schnauze voll von ihren Gästen haben. Dann muss man das von der Brauerei frei Haus gelieferte Bier eben zu Hause trinken. Angesichts vorbeschriebener Verhaltensweisen kann man jedenfalls eines erkennen: Das Coronavirus ist keinesfalls harmlos, sondern brandgefährlich. Es befällt nämlich das Gehirn und vernichtet die Fähigkeit zu rationalem Denken.
Kai P. Fuhrmann, Heidenheim