Gemeinsam vergeigt und doch soll nur er schuld sein. So ist es leider, in der Welt der Politik und meistens auch im Wirtschaftsleben. Ein trauriger Spruch besagt: Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde mehr. Das erlebt derzeit sehr intensiv der Bewerber für das Bundekanzleramt, Armin Laschet. Ja, er hat sich darauf eingelassen, dann soll er halt auch die Folgen tragen. Sei’s drum. Nein, das wäre zu billig!

Rückblick: Als Ministerpräsident des bevölkerungsreichsten Bundeslandes, NRW und als Landesvorsitzender der CDU, lag es nahe, Laschet den Vorsitz der Partei und die Kandidatur für das Bundeskanzleramt anzutragen. Nach heftigem Hälse Recken mehrerer Mitbewerber, setzte sich Laschet auf einem Bundesparteitag, in einer Kampfabstimmung gegen Friedrich Merz durch und wurde zum Parteivorsitzenden gewählt. In dem anschließenden, ziemlich hässlichen Ringen zwischen CDU und CSU um die Kandidatur für das Bundeskanzleramt, setzte sich Laschet erneut durch, dieses Mal gegen Markus Söder. Alle Granden der Union gelobten offiziell Ihre Unterstützung im Kampf um den Sieg bei der Bundestagswahl gegen die Grünen, die SPD, die FDP, die Linken und die AFD. In einem spannenden Kopf-an-Kopf-Rennen siegte letztlich die SPD mit Olaf Scholz an der Spitze mit knappem Vorsprung von 1,6% vor der Union mit Armin Laschet als Spitzenkandidat.

Schuldfrage: Verfolgt man die Aussagen von Parteifreunden aus CDU und CSU, und vorweg von Markus Söder, dann haben allein Laschet und die CDU alles vergeigt - der falsche Anführer, eine laue Kampagne. Seltsam nur, und dies pars pro toto, die CSU, angeführt von Söder, erzielte in Bayern ebenfalls ein mieses Wahlergebnis von nur knapp über 30 %. Sind daran auch die CDU und Laschet schuld? Aus bayerischer Sicht natürlich und zwar ganz allein. Sie haben die CSU mit in den Abgrund gerissen. Kein Wort davon, und auch nicht die Frage stellend, welchen Anteil die CSU und insbesondere der stets so selbstgerechte Markus Söder mit seinem Generalsekretär, der Giftspritze Markus Blume, an dem schlechten Abschneiden der Union haben.

Armin Laschet: Er ist gewiss nicht der Liebling der Massen. Er ist aber ein zäher, immer wieder unterschätzter Kämpfer, einer, der eher auf leisen Sohlen, aber zielbewusst voran schreitet. Und er ist ein Teamplayer. Ohne diese Eigenschaften wäre er nicht in der Lage, das größte Bundesland über Jahre hinweg, mit dem ehrgeizigen Juniorpartner FDP an der Seite, alles in allem erfolgreich zu führen. Dennoch gestehe ich: ich hatte zu Beginn der ganzen innerparteilichen Kämpfe auch keine große Sympathie für ihn. Im Lauf der Zeit änderte sich mein Eindruck. Deutlich im Ton, aber nicht unnötig aggressiv, nicht verletzend, kompetent und klar in der Sache und auch schlagfertig, vertrat er die Union gut im Rahmen der diversen Fernsehsendungen. Umso mehr war ich überrascht, dass er bei den jeweiligen Blitzumfragen stets nur als 2. Sieger zurück blieb und auch in den Medien wenig Unterstützung fand. Ich hatte immer den Eindruck, bei ihm suche man mit Wollust das oder die Haare in der Suppe. Natürlich hat er solche Haare geliefert. Das Lachen vor den zielgerichteten Kameras während der Rede des Bundespräsidenten vor den von der Flutkatastrophe betroffenen Bürgern, war mehr als unpassend und sollte einem Politprofi eigentlich nicht unterlaufen. Dieses Missgeschick in den Medien, aber auch aus den eigenen Reihen immer wieder zu befeuern, geschah nach meiner Wahrnehmung bewusst und hatte System.

Schlachtordnung: Gewählt wird der Bundeskanzler vom Bundestag mit einfacher Mehrheit der Stimmen. Die Wahlergebnisse sind so, dass ohne eine Koalition nichts geht. Realistisch sind die 3er Koalitionen „Ampel“, angeführt von der SPD oder „Jamaika“, angeführt von der Union. Beide müssen nicht als Schreckgespenster empfunden werden. Allerdings tut sich die deutsche Wirtschaft leichter mit „Jamaika“ als mit der „Ampel“. Das beruht auf der Linksorientierung der SPD Basis, vor allem aber auf den Programmen von SPD und Grünen. Beide beinhalten Steuererhöhungen und neue soziale Belastungen. Das macht es für die FDP in dieser Kombination sehr schwer, diese Vorhaben alle abzuwehren. Höhere Unternehmenssteuern wären Giftpillen für die dringend notwendigen privaten Investitionen zur Realisierung der großen Modernisierungs- und Transformationsprojekte.

Schlussfolgerung: Die Union wäre schlecht beraten, das Rennen um das Kanzleramt vorzeitig aufzugeben und in die Opposition zu gehen. „Opposition ist Mist“, sagte Franz Müntefering von der SPD vor Jahren. Genauso falsch wäre es, während des Rennens die Gäule zu wechseln. Völlig zerstörerisch ist der bereits wieder aufkeimende Hahnenkampf zwischen den „Freunden“ aus den eigenen Reihen. Wer wünscht sich so eine Partei als Partner?! Gemeinsam haben sie es vergeigt Deshalb müssen sie die Suppe auch gemeinsam auslöffeln. Hoffentlich kapieren die Protagonisten der Union endlich, dass Sie nur mit Laschet an der Spitze ein totales Scherbengericht verhindern können. Positiv gewendet: Mit ihm an der Spitze zügig eine Koalition zustande bringen. So macht man aus Niederlagen Siege.

Michael Rogowski, Heidenheim