Wer sich die Aufgabe stellt, quellenorientiert und faktenbasiert mehr Licht in die schwierige Phase der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft zu bringen, setzt sich ab einem bestimmten Punkt grundsätzlich polemischen Angriffen aus dem rechtsgerichteten Milieu aus.

Unhaltbare Spekulation

Dr. Peter Brause (Markdorf) wirft mir insofern nicht ganz unerwartet in der HZ vor, „als übereifriger und unwissenschaftlich arbeitender Nazijäger hervorgetreten“ zu sein, und behauptet, ich sei der „einzige Historiker weltweit“, der Erwin Rommel als „Kriegsverbrecher“ bezeichne. Das Letztere nennt er eine „juristisch unhaltbare Spekulation“.

Deutung ohne Beschönigung

Nun war die juristische Argumentation nie mein Ziel. Stattdessen geht es mir im Nachhinein um geschichtliche Einordnung der regionalen Geschichte, um Deutung von Vergangenem ohne Beschönigung oder „unter den Teppich kehren“, wenn man so will um Wahrheit nach bestem Wissen und Gewissen.

Ich hatte tatsächlich Rommel 2010 im ersten Band von „Täter Helfer Trittbrettfahrer“ (THT) als „ganz gewöhnlichen Kriegsverbrecher“ bezeichnet, wobei ich einer Äußerung des Schriftstellers Ralph Giordano folgte. In der Sache sehe ich auch heute keinen hinreichenden Grund, von diesem zugegebenermaßen etwas schillernden Begriff abzurücken. Allerdings habe ich diese m.E. nur drittrangige Wortwahl längst wieder fallengelassen, um Nebenkriegsschauplätze zu vermeiden.

Ein NS-Täter

Stattdessen spreche ich seit Jahren von Erwin Rommel als einem NS-Täter, der sich von Hitler, Goebbels & Co. bereitwillig als Werkzeug des Angriffskrieges instrumentalisieren ließ. NS-Täter definiere ich dabei als „Personen, die selbstbestimmt und in Übereinstimmung mit der NS-Ideologie Menschen schädigten oder anderen entsprechende Anweisungen gaben“. Die Details dazu lassen sich u.a. in der Buchreihe THT nachlesen, in Bd. 1, vor allem in Bd. 3 sowie im Nachwort von Bd. 4.

Denkmal entschärft

Heidenheim hat inzwischen dankenswerterweise das blamable Rommeldenkmal aus dem Jahr 1961 auf pfiffige Weise durch eine zusätzliche Skulptur entschärft. Das ist ein bleibendes Verdienst des früheren OB Bernhard Ilg, des Heidenheimer Gemeinderates, des Künstlers Rainer Jooß, aber auch der Geschichtswerkstatt. Mich erfüllt es mit Stolz und Dankbarkeit, dass Ministerpräsident Winfried Kretschmann, Ministerin Theresia Bauer und Landrat Peter Polta die Bewältigung historischer Erblasten ganz ähnlich verorten und am 28. Oktober anlässlich der Überreichung der Staufermedaille an mich so auch bekundet haben.

Dr. Wolfgang Proske, Gerstetten